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Ein neuer Antinous für das Humboldt Forum im Berliner Schloss

Der neue Antinous, 2,90 m hoch und mit 2 t Gewicht.

Die Firma Hofmann Naturstein spendete die Kopie aus Sandstein, die im Schlüterhof auf einer Säule an der Fassade stehen wird

Acht Kolossalfiguren von antiken Göttern oder mystischen Personen zierten einst eine der Längsseiten im Schlüterhof des Berliner Schlosses. Sie alle haben den Krieg überstanden, werden aber im neuen Humboldt Forum im Berliner Schloss nicht an ihren alten Ort zurückkehren: die Originale werden im Skulpturensaal zu sehen sein, an der Innenfassade im Schlüterhof stehen nur Kopien. Eine davon wurde dieser Tage als Spende übergeben: es handelt sich um den geheimnisvollen Jüngling Antinous, den die Firma Hofmann Naturstein gestiftet hat.

Beginnen wir nicht mit den Beteiligten, sondern mit Antinous, weil es um ihn reichlich Herz-Schmerz gibt.

Er war wohl ein ausnehmend hübscher Jüngling und brachte es zum Gefährten des römischen Kaisers Hadrian – vielleicht auch zu dessen Geliebten, weil Hadrian ein Fan der griechischen Kultur war, in der ältere Herren Jugendliche gerne als Förderer unter ihre Fittiche nahmen.

Der Schlüterhof des Berliner Schlosses, links die Kolossalfiguren an der Fassade. Gemälde von Eduard Gaertner, 1830. Quelle: Wikimedia Commons

Jedenfalls waren beide auf allen Reisen miteinander unterwegs, bis Antinous in noch jungen Jahren vor den Augen des Freundes im Nil ertrank. Manche Erzählung berichtet, Antinous habe sich nach einer Weissagung selbst geopfert, um so dem väterlichen Freund die eigene Lebenszeit zu spenden.

Hadrian jedenfalls, darauf verweisen wir aus Anlass des Jubiläums, hatte den Thron im Jahr 117 n. Chr. bestiegen und herrschte in einer Zeit des Friedens mit nur wenigen Kriegen bis zu seinem Tod im Jahr 138. Er war es übrigens, der zur Konsolidierung der Reichsgrenzen den berühmten Steinwall im Norden der Provinz Britannia errichten ließ.

Zurück nach Berlin: Die Firma Hofmann Naturstein aus dem fränkischen Gamburg stellte den Rohblock für das Werk bereit und bezahlte sowohl die Roharbeiten, die per CNC-Maschine ausgeführt wurden, als auch die Feinarbeit, die der polnische Künstler Wojciech Rostocki im Werk in Gamburg ausführte.

Erwähnenswert ist auch der Zeitrahmen: Die Arbeiten begannen Mitte Mai 2017 und einen Monat später war das Stück mit 2,90 m Höhe und 2 t Gewicht fertig. Das Projekt wurde kunsthistorisch und künstlerisch von der Expertenkommission der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss begleitet. Als Vorlage war vom Original ein 1:1-Modell aus Gips erstellt worden.

Anton Gerstner, Mitglied der Geschäftsführung bei Hofmann Naturstein, betonte bei der Übergabe, dass es „eine Ehre“ für die Firma sei, an dem Bauprojekt Berliner Schloss beteiligt zu sein. Die Skulptur habe man „als Dank für die Aufträge“ gestiftet. Hofmann hat mit 4 weiteren Firmen aus Süddeutschland und Sachsen die etwa 9000 m³ Sandstein geliefert und die Arbeiten an den Dekorelementen an den Fassaden ausgeführt. Laut einem Bericht der Fränkischen Nachrichten hat Hofmann mehr als ein Drittel der Bau-Lose übernommen.

(v.l.n.r.) Wojciech Rostocki, Künstler; Anton Gerstner, Hofmann Naturstein; Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär und Vorsitzender des Stiftungsrates; Hans-Dieter Hegner, Bauvorstand der Stiftung; Johannes Wien, Sprecher und Vorstand der Stiftung; Wilhelm von Boddien, Initiator des Wiederaufbaus des Schlosses und Vorsitzender des Fördervereins. Foto: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schlosss

Klar dass bei der Präsentation in Anwesenheit von Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär und Vorsitzender des Stiftungsrates, Hans-Dieter Hegner, Bauvorstand der Stiftung, Johannes Wien, Sprecher und Vorstand der Stiftung, und Wilhelm von Boddien, Initiator des Wiederaufbaus des Schlosses und Vorsitzender des Fördervereins, die Frage im Raum stand, ob es schon für weitere Figuren Spendenzusagen gebe. Bisher konnten neben dem Antinous nämlich nur die Mittel für eine Kopie der Borussia eingeworben werden.

Anton Gerstner von Hofmann Naturstein stellte schmunzelnd klar: „Wir haben noch einen Rohblock für den Fall, dass sich noch ein Spender findet.“

Der neue Antinous. Foto: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Noch einmal zu Antinous: nach seinem Tod wurde er verehrt und spielte über die Jahrhunderte eine wichtige Rolle in der Kunst: immer wieder wurde er in Stein gemeißelt oder in Bronze gegossen, so auch als Vorläufer jener Skulptur, um die es hier geht: die war 1543 in Rom als Kopie eines griechischen Originals entdeckt worden; sie wurde von Papst Paul III. für den Skulpturengarten gekauft und 1624 vom französischen Bildhauer François Duquesnoy als Verkleinerung in Bronze abgeformt. Jene Figur ist heute übrigens im Berliner Bodemuseum auf der Museumsinsel zu sehen.

Schlossbauherr Andreas Schlüter jedenfalls orientierte sich an just diesem Mini-Antinous und stellte ihn als eine jener 8 Kolossalfiguren auf die Säulen an der Fassade.

Allerdings ging auch Schlüters Arbeit irgendwann verloren, und auf Antinous’ Säule (die 3. von links) kam wieder eine Kopie. Vermutlich stammte diese von keinem Geringeren als Reinhold Begas.

Sie ist das Original von heute, das im Skulpturensaal gezeigt wird.

Der neue Antinous. Foto: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Noch ein Wort: schon den Vorläufern dieses Antinous fehlte der linke Arm. Bei der aktuellen Kopie wurde das Körperteil jedoch ergänzt. Diese Arbeit führte der Berliner Restaurator und Steinmetz Andreas Hoferick aus. Der neue Antinous hat nun ein dekoratives Tuch um den linken Unterarm geschlungen.

Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Hofmann Naturstein

Steinrestaurierung & Steinbildhauerei Werkstatt Andreas Artur Hoferick

(06.07.2017)