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Der Granit aus der Bretagne stärkt seine Marke mit einer Geschützten Ursprungsbezeichnung

Das Logo der Geschützten Ursprungsbezeichnung

Das Label versteht sich als Werkzeug für das Marketing, aber auch für das Zusammenwachsen der Branche

Geschützte Ursprungsbezeichnungen sind im Moment ein großes Thema in Frankreichs Natursteinbranche. Im Jahr 2014 hatte die Regierung dafür ein Gesetz erlassen, und gerade hat der Granit aus der Bretagne dieses Label erhalten. Für den Kalkstein aus Burgund läuft die Anmeldung und weitere Sorten sind in der Pipeline. Sie werden in einem Übersichtsartikel der Zeitschrift Pierre Actual (Nummer 958, März 2017) aufgezählt.

Die Branche erhofft sich davon ein Werkzeug für das Marketing als auch einen Anstoß für einen besseren Zusammenhalt der Firmen.

Zur Klarstellung: der Schutz durch diese Ursprungsbezeichnung gilt nur in Frankreich. Ein ähnliches Label mit EU-weiter Gültigkeit, das von der Kommission in Brüssel angestoßen wurde, hat nichts mit dieser französischen Initiative zu tun.

Allerdings geht es in beiden Fällen um dasselbe, nämlich die Branche gegen die Konkurrenz stark zu machen.

Hintergrund der Initiative ist, dass in der Vergangenheit Hersteller von Kunststein etwa aus Beton ihren Produkten den Titel „Granit Breton“ gegeben hatten und damit in ganz Frankreich und im Ausland auf den Markt gekommen waren.

Auch gab es Fälle von Anbietern aus dem Ausland, die ihren Natursteinen den in Frankreich wohlbekannten Namen angeheftet hatten.

Das Logo der Geschützten Ursprungsbezeichnung.

Die Ausführungsbestimmungen für das Erlangen des Labels sind detailliert und rigoros. Eine Bewerbung beginnt damit, dass der Stein petrologisch exakt beschrieben und die Brüche benannt werden müssen. Dann sind weitere Fragen zu beantworten, etwa was das Material von verwandten Sorten unterscheidet (im Granit Breton sind das unter anderem die vielen Farbtöne), und endet mit seiner Bedeutung für die Region und die Menschen dort.

Zum regionalen Bezug gehört die Architektur, aber auch der Tourismus, im Fall des Granit Breton zum Beispiel der Stein-Wanderweg dort. Mit den Bezügen zu den Menschen ist gemeint, dass der Bewerber herausarbeiten muss, wie die Steinmetze in der Bretagne dieses Material bearbeiten und was es da für Besonderheiten gibt.

Zu den Faktensammlungen kann auch die so genannte Stein-DNA (französisch: ADN) dazukommen. Das ist ein in Frankreich entwickeltes Verfahren, einer Steinsorte quasi einen genetischen Fingerabdruck zu geben. Diese Daten vorzulegen verlangten die Bretonen von sich selbst, weil das ein gutes Mittel gegen Importe unter falschen Namen ist.

Zu betonen am Verfahren ist, dass sich nur eine ganze Region um das Label bewerben kann, nicht eine einzelne Firma. Ausdrücklich gewollt ist, dass auf diesem Weg die Beteiligten zusammenkommen.

Dieser Gedanke prägt auch die vor 2 Jahren gegründete Organisation AFIGIA (Association Française des Indications Géographiques Industrielles et Artisanales). Sie versteht sich als Netzwerk, in dem sich Interessenten und Erfahrene austauschen können. „Wir bemühen uns darum, für ein Unternehmen die kostengünstigste Lösung zu finden“, nennt Audrey Aubard, Generalsekretärin der Organisation, als einen Aspekt ihrer Arbeit.

Denn: Zwar kostet die Antragstellung beim Institut für Geistiges Eigentum (Institut de la proprieté industrielle, INPI) nur 350 €. Jedoch ist der folgende Aufwand hoch, so dass kleine Firmen ihn meist nicht mittragen können. Ausdrücklich aber sollen auch sie an einer Bewerbung beteiligt sein, so das Konzept.

Nach der Zertifizierung durch das INPI – im Regelfall nach 2 Monaten – dürfen die Firmen des Regionalverbands das Logo der Ursprungsbezeichnung nutzen. Das aber ist kein Muss. Die Webpage des INPI informiert über die laufenden und abgeschlossenen Verfahren.

Neben dem Schutz der heimischen Produkte bringt die Ursprungsbezeichnung noch weitere Vorteile für die Beteiligten.

Einer liegt im Marketing: „Mit dem Label hat jetzt der Granit Breton eine Einmaligkeit und Authentizität“, sagt Audrey Aubard. Einfacher gesagt: dieser Stein ist künftig von Amts wegen aus dem Kreis aller anderen (französischen) Steine herausgehoben.

Nicht zuletzt bekommt der Verbraucher Verlässlichkeit, dass in einem Produkt auch das drin ist, was draußen dransteht. Damit wird die Ursprungsbezeichnung besonders wichtig für öffentliche Ausschreibungen.

Die bisherigen Erfahrungen mit dem Label zeigen, dass auch über die jeweilige Branche hinaus die Firmen einer ganzen Region profitieren können. Das zeigt das Beispiel der Espadrilles de Mauléon, die wie der Granit Breton ebenfalls die Zertifizierung erreicht haben: ein Einzelteil dieser leichten Strandsandalen kam zuvor von einem Lieferant von außerhalb der Bretagne – im Rahmen der Zertifizierung musste dafür ein neuer Hersteller vor Ort gefunden werden.

Denn das Gesetz legt fest, dass alle Schritte einer Produktion in der Region erfolgen müssen.

AFIGIA (französisch)

INPI (französisch)

Pierre Actual, Nummer 958, März 2017 (französisch) download für 5 €

(07.07.2017)