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Ausstellung „The Inner Garden“ mit Marmorskulpturen von Cynthia Sah in der Galerie Double Square in Taipeh

Cynthia Sah: „Spiralis“, Carrara white marble, 95 x 63 x 19 cm, 2016. Foto: Q. Bertoux

Die Künstlerin mit Studio in Seravezza unweit von Carrara zeigte 32 Arbeiten aus weißem Marmor, die den Betrachter in den Bann ziehen

Wenn man die Bildhauerin Cynthia Sah bei der Arbeit erlebt, mag man sich kaum vorstellen, dass sie (zusammen mit Nicolas Bertoux, Bildhauer aus Frankreich) auch schon monumentale Arbeiten aus Marmor realisiert hat. Als wir die beiden in Seravezza unweit von Carrara aus Anlass der Messe Marmotec 2016 dort besuchten, arbeitete sie gerade an den Stücken, die im Februar dieses Jahres in der Ausstellung „The Inner Garden“ in Taiwan gezeigt wurden. Die meisten sind nur kleine Werke, aber Cynthia Sah widmete sich jeder Kleinigkeit in der Form und jedem Detail der Oberfläche mit einer solchen Hingabe und Genauigkeit, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie eine große Arbeit fertig wird.

Dabei strahlt sie Gelassenheit aus, so dass der Reporter, der gerne nervös herumrennt, sich in ihrem Studio in der ehemaligen Marmorfabrik einen Schemel heranzog, um einfach nur mal der Formgebung am Stein zuzuschauen.

Die Ausstellung „The Inner Garden“ von Cynthia Sah in der Galerie Double Square in Taipeh. Fotos: Double Square Gallery

So wie Cynthia Sah zu arbeiten ist vielleicht das Geheimnis, das dem Marmor auf seinem Weg vom rohen Fels zur fertigen Skulptur den Zauber gibt. Über die in der Galerie Double Square in Taipeh ausgestellten 32 Arbeiten schrieb ein Journalist im Magazin World Sculpture News (Winter 2017): „Eine Skulptur aus Marmor fordert Aufmerksamkeit ein, ob es sich um eine elegante Figur oder eine imposante Abstraktion handelt, man kann sie nicht ignorieren.“

Spannend, dass so ein kühles Material Gedanken wecken kann – schon Michelangelo sagte ja mit seinem berühmten Satz, dass er nur die Bilder im Stein lese und sie dann in Form von Skulpturen heraushole.

Die Ausstellung „The Inner Garden“ von Cynthia Sah in der Galerie Double Square in Taipeh. Fotos: Double Square Gallery

Cynthia Sah wurde in Hong Kong geboren. Sie wuchs dort auf und studierte Kunst in Taiwan, Japan und den USA. Beeinflusst wurde sie von Vorbildern wie Constantin Bancusi, Jean Arp, Barbara Hepworth, Henry Moore und Isamu Noguchi, heißt es im Magazin World Sculpture News.

Cynthia Sah: „Turning Inward“, Carrara white marble, 64 x 23 x 30 cm, 2016. Foto: Q. Bertoux

Zusammen mit ihrem Partner Nicholas Bertoux hat sie ihr Studio in der ehemaligen Marmorfabrik in Seravezza. Dieses Terrain gehörte vor einigen 100 Jahren den Medici. Diese Superreichen der Renaissance und der frühen Neuzeit ließen dort aus den Bergen einen Großteil des Marmors für den Petersdom in Rom herausholen. Im Sommer kamen sie immer vorbei, erstens weil die Temperaturen erträglich waren und zweitens um auch zu kontrollieren, ob hier an der Grenze ihres Machtbereichs alles wie gewünscht ablief. Dann wohnten sie in ihrem Sommerpalast, dem heutigen Ausstellungsgebäude neben der Fabrik.

Die historischen Fabrikanlagen des 19. Jahrhunderts sind zum Teil erhalten und werden nun für Bildhauerkurse oder Ausstellungen genutzt. Cynthia Sah und Nicolas Bertoux haben dafür die Fondazione Arkad gegründet.

Cynthia Sah

Fondazione Arkad

Cynthia Sah: „Continuous“, Carrara white marble, 59 x 51 x 40 cm, 2016. Foto: Q. BertouxCynthia Sah: (links) „Branch In Motion“, Carrara white marble, 51 x 30 x 55 cm, 2016, Foto: Double Square Gallery; (rechts) „Spinning“, Carrara white marble, 56 x 54 x 107 cm, 2016. Foto: Q. BertouxCynthia Sah: „Stele I-Tablet of History“, Chinese white marble, 28 x 15 x 72  cm, 2017. Foto: S. BaroniCynthia Sah: „Bean Bench“, Carrara white marble, 118 x 52 x 47 cm, 2016. Foto: Q. BertouxCynthia Sah: „Sweet Dream Pillow“, Carrara white marble, 45 x 30 x 12.5 cm, 2017. Foto: S. BaroniCynthia Sah: „Infinite“, Carrara white marble, 46 x 68 x 55 cm, 2016. Foto: Double Square GalleryStudio in Servezza. Foto: Q. BertouxCynthia Sah. Foto: Q. BertouxCynthia Sah. Foto: Peter Becker

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(12.07.2017)