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Weinbergsmauern sind eines der Kennzeichen der Kulturlandschaft zwischen Saale und Unstrut

Weinbergsmauern blühen sogar, wenn sie verwildern. Foto: Bonnlander / Wikimedia Commons

Aus Anlass der erfolglosen Welterbe-Bewerbung der Region um Naumburg haben wir wieder im Buch „Natur – Stein – Kultur – Wein“ geblättert

Im Juli 2017 hat die Unesco es wieder abgelehnt, den Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Kulturlandschaft drumherum in den Rang eines Welterbes aufzunehmen. Das soll für uns Gelegenheit sein, mal wieder das Buch „Natur – Stein – Kultur – Wein. Zwischen Saale und Unstrut“ in die Hand zu nehmen. Darin propagieren die Herausgeber Siegfried Siegesmund, Michael Hoppert und Klaus Epperlein einen „Kulturlandschaftskorridor“ für die Region in Sachsen-Anhalt.

Kennzeichen davon ist, ähnlich wie bei der Bewerbung fürs Welterbe, dass nicht nur die herausragenden Denkmäler, sondern auch die verbindende Landschaft dazwischen mit Mensch, Tier und Pflanzen im Zusammenspiel betrachtet werden. Das entsprechende Forschungsprojekt an der Universität Göttingen war von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert worden

Wir greifen uns nur einen der vielen Aspekte in dem Buch heraus – die Weinberge mit ihren Mauern und Treppen und den vielfältigen Lebensräumen.

Steillagen sind diese Flächen am Hang der Flusstäler, und erst mithilfe der Trockenmauern wurden genügend große Flächen für die Rebstöcke geschaffen. Die Steinschichtungen ohne Mörtel sorgen für ein ganz besonderes Mikroklima. „Schon hinter der ersten Steinreihe ist es im Sommer angenehm kühl, im Winter frostfrei“, heißt es in einem Beitrag in dem Buch.

Auch die Temperaturverläufe über den Tag sind moderat, indem die Steine tagsüber sich mit der Sonnenhitze aufladen und diese nachts wieder abgeben.

„Natur – Stein – Kultur – Wein. Zwischen Saale und Unstrut“. Siegfried Siegesmund/Michael Hoppert/Klaus Epperlein (Hg.).

Als Kinderstube und genauso als Winterquartier sind die Trockenmauern für viele Arten ideal. Wobei die Fugen und Ritzen noch eine besondere Rolle spielen. „Vögel wie Meisen oder Feldsperling brüten in ihnen. Auch Säugetiere nutzen die Mauern und Treppen als Lebensraum.“ Lang ist die Liste mit Mausarten, Eidechsen, Schlangen und Schleichen, um nur einige zu nennen.

Ganz zu schweigen von den Insekten als Grundlage der Nahrungsketten oder von der vielfältigen Pflanzenwelt mit zauberhaften Blütenformen und ebensolchen Namen, die in dem Buch vorgestellt werden.

Viel dieser Vielfalt sieht man der Betrachter gar nicht, weil er nichts davon weiß: „Nährstoffarme Raine und Böschungen, schattige, beinahe feuchte Stellen und extreme trockene, der Sonne ausgesetzte, natürliche Felsen … Gesteinsschutt und ältere Brachen; Gebüschsäume und Trittstellen; Weinbergshäuschen; Verborgenes und Vergessenes.“

Siegfried Siegesmund/Michael Hoppert/Klaus Epperlein (Hg.)
„Natur – Stein – Kultur – Wein. Zwischen Saale und Unstrut“, 416 S., geb., 220 x 290 mm, mit zahlr. Farbabb., Mitteldeutscher Verlag, ISBN 978-3-95462-293-1, 39,95 €

Förderverein Welterbe an Saale und Unstrut

Kulturlandschaftskorridor Saale-Unstrut

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(19.07.2017)