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Die Bildhauerin Çıdam Melek sieht Naturstein als einen „alten Freund der Menschen” und ihre Kunst als Appell zu Respekt vor der Schöpfung

Gelegentlich arbeitet Çidam Melek mit der Bildhauerin Sırma Yıldız zusammen, wie an der Skulptur „Nautilus“, die an der Metro-Station Marmaray in Istanbul steht. Nach dieser Arbeit hat sie ihr Atelier in Ankara benannt.

Die Künstlerin aus Ankara zeigte auf der Messe Marble in Izmir ihre Arbeiten aus türkischem Marmor und Travertin

Wenn man sie bei einer ihrer Ausstellungen trifft, meint man eher, man hätte es mit der Galeristin zu tun als mit der Bildhauerin. Dabei bewegt Çıdam Melek in ihrem Atelier in Ankara auch schwere Brocken an Naturstein und arbeitet mit kreischenden Werkzeugen.

Wie also kam sie ausgerechnet zu diesem Material? Das haben wir uns gefragt, nachdem wir bei ihrer Ausstellung auf der Messe Marble in Izmir 2017 ein paar Worte mit ihr gewechselt hatten.

Stein sei „ein alter Freund der Menschen“ Menschen“, sagt sie, er habe die Kulturen durch die Jahrtausende begleitet und die Häuser, Wohnungen und Straßen geschützt und geschmückt.

Sie, Çıdam Melek, sei von ihm, dem Stein in ihre Rolle als Künstlerin gerufen worden.

Ihr Umgang mit dem Material im künstlerischen Schaffensprozess sei von Freundschaft und einem Miteinander geprägt: „Tatsächlich arbeiten wir zusammen, einer hört auf den anderen mit Respekt. Stein setzt eine phantastische Energie frei … als Resultat aus der Einheit von 2 Freunden, die in Harmonie und mit Hingabe tätig sind.“

Ihre Aufgabe sieht sie folglich darin, den Zeitgenossen die Schönheit des Steins zu zeigen. Über diesen Weg würden die Menschen auch zu Respekt vor sich selbst, vor den anderen und vor der Schöpfung Gottes kommen, sagt sie.

„Arayış“ (Gebet), 220x70x70cm, Mugla Marmor.

Schauen wir in ihren Lebensweg. Zur Kunst kam Çıdam Melek nachdem sie mit 25 Jahren Mutter geworden war. Damals begann sie, Fragen über das Leben und die Schöpfung zu stellen, und widmete sich der Malerei. Später studierte sie an der Fakultät der Schönen Künste an der Bilkent University in Ankara (nachdem sie vorher schon Englisch und Literatur studiert hatte).

Je mehr sie sich aber mit der Kunst beschäftigte, umso stärker wurde das Gefühl, noch weiter suchen zu müssen. Zum Stein kam sie quasi nebenbei, als es im Fernsehen einen Bericht über einen Steinmetz gab: „Das Geräusch von Hammer und Meißel klang für mich wie eine Stimme, die rief ‚Ich bin es, wonach du suchst’“.

„Rumi VII“, 40x40x25 cm, Kayseri Stone.

Schwierig war es, einen Lehrmeister für das Arbeiten am Stein zu finden. Schließlich stieß sie nah an einem Friedhof auf einen Handwerker, der Grabsteine und Kamine fertigte. „Durch Disziplin und Überzeugung habe ich es schließlich geschafft, meine künstlerische Erfahrung mit dem Steinmetz-Knowhow zu verbinden“, berichtet sie.

„Rumi IV“, 50x23x23 cm, Mugla Marmor.

Nachdem sie sich ein eigenes Studio eingerichtet hatte, ging es schnell. Vor allem die Ausländer aus den diplomatischen Kreisen in der türkischen Hauptstadt kauften ihre Arbeiten und kamen in ihre Kurse.

Links: „Lale“ (Tulpe), 45x20x20 cm, Afyon Marmor und Edirne Green Stone. Rechts: „Rumi III“, 65x40x40 cm, Antalya Lymra Stone und Kayseri Stone.

Inzwischen sind einige ihrer ehemaligen Schüler selber erfolgreiche Künstler. Sie bekam im Jahr 2015 den Preis als Bildhauerin des Jahres der Association of Art in Ankara.

„Albeni“ (Anmut), 90x45x28 cm, Onyx.

Was sie ihren Schülern zu vermitteln versucht, beschreibt sie folgendermaßen: „Sei eins mit dem Stein, sprich mit ihm, lass ihm seinen eigenen Charakter, versuche ihn nicht zu beherrschen, höre ihm zu und lerne von ihm, denn der Stein ist unser alter Freund, der aus den Tiefen der Erde kommt und uns beibringt, in die Tiefe zu gehen.“

„Rumi I“, 50x45x30 cm, Marmara Marmor.

Gelegentlich arbeitet Çidam Melek mit der Bildhauerin Sırma Yıldız zusammen, wie an der Skulptur „Nautilus“ (Foto ganz oben), die an der Metro-Station Marmaray in Istanbul steht.

Çidam Melek

Çidam Melek.Çidam Melek.Workshop mit Çidam Melek.

(20.07.2017)