www.stone-ideas.com

Feuerwehrhalle Pflersch von Roland Baldi Architekt: Bauen wo Geröll-Lawinen niedergehen können

Roland Baldi Architekt: Feuerwehrhalle Pflersch.

Das Gebäude drückt sich mit einer Gabionen-Fassade an den Hang und greift die Gefahrenlinie auf

Für Leute aus dem Flachland gehen die Menschen, die im Gebirge leben, manchmal ungewöhnlich mit den Gefahren um, die von den Bergen drohen. So wurde für das neue Feuerwehrhaus (Feuerwehrhalle) in der Ortschaft Pflersch unweit des Brenners ausgerechnet ein Bauplatz am Fuß eines Berghangs ausgewählt, wo schon häufiger Geröll-Lawinen (Muren) niedergegangen waren und wo solche Ereignisse auch in Zukunft zu erwarten sind. Und die Architektur drückt mit ihrer Form unmissverständlich aus, dass der Bauplatz Terrain der Menschen ist und dass sie sich zwar vor dem Berg ducken, aber nicht vor ihm weichen werden.

Roland Baldi Architekt: Feuerwehrhalle Pflersch.

Am auffallendsten aus der Nähe ist die Fassade aus Gabionen. Diese wurden vor Ort mit dem Fels (Wettersteindolomit) aus der Baugrube gefüllt. Teils haben die Drahtkäfige ungewöhnliche Schrägen. Ihre Steinschicht schützt die dahinter liegende Wärmedämmung an den Wänden aus Stahlbeton.

Die Gabionen geben dem Gebäude einerseits einen Ausdruck, als sei es vom Berg geboren worden. Markant ist in diesem Sinn auch die schräge Vorderfront, die ein wenig an eine Gletscherzunge erinnert.

Andererseits aber unterstreicht das rechteckige Muster der Steinkörbe, dass das Gebäude von Menschenhand fertiggestellt wurde.

Roland Baldi Architekt: Feuerwehrhalle Pflersch.

Geschickt haben die Architekten die Gefahrensituation ausgenutzt. Die Bauvorschrift für solche Bereiche (Gefahrenzonenplanung) verlangt nämlich, dass am Fuß des Hangs ein stabiler Damm errichtet wird. Hinter dem entsteht so auf Bergseite ein Auffangbecken für künftige Lawinen.

Die Architekten haben das Feuerwehrhaus nun mitten in den Damm hineingesetzt. Das Gebäude wird so quasi zur Blockade der von oben am Berg herunterkommenden Bedrohungslinie, und der Berghang selbst wird quasi in die Architektur integriert.

Roland Baldi Architekt: Feuerwehrhalle Pflersch.

Folglich ist das Ganze nur eingeschossig und ragt in einem Teil nur wenig über die Dammkrone hinaus. Gegliedert ist es in eine niedrigere Hälfte, in der sich vorn der Nachrichtenraum (wie eine Kommandobrücke mit Talblick) befindet und dahinter die Räume für das Personal liegen.

Roland Baldi Architekt: Feuerwehrhalle Pflersch.Roland Baldi Architekt: Feuerwehrhalle Pflersch.

Daneben schließt sich die (höhere) Halle mit den Fahrzeugen und dem Gerät an. Die Gliederung ist von der Straße aus unübersehbar.

Wo aber hat dieses Feuerwehrhaus seinen Turm, in dem die Schläuche aufgehängt und getrocknet werden? Hier gibt es eine so genannte Schrägtrockenanlage als kostensparende und funktionelle Lösung.

Roland Baldi Architekt: Feuerwehrhalle Pflersch.Roland Baldi Architekt: Feuerwehrhalle Pflersch.

Architekt war das Büro Ronald Baldi mit Sitz im nahe gelegenen Bozen. Es hat schon zahlreiche Bauaufgaben im Alpengebiet ausgeführt, unter anderem die Bergstation einer Seilbahn. Das Feuerwehrhaus hat verschiedene Preise bekommen, unter anderem einen der Iconic Awards 2016, die vom Rat für Formgebung ausgeschrieben werden.

Roland Baldi Architekt: Feuerwehrhalle Pflersch.

Genutzt wird das Gebäude von einer Freiwilligen Feuerwehr, die nicht nur für die Brandbekämpfung zuständig ist, sondern gelegentlich auch zum Brenner gerufen wird. Das geschieht etwa, wenn dort am Bahnhof ein Güterzug giftige Flüssigkeit verliert oder wenn ein Bus bei einem Wendemanöver so an den Hang geraten ist, dass er in die Tiefe zu stürzen droht. Die Retter halten solche Ereignisse auf ihrer Facebook-Seite fest.

Roland Baldi Architekt

Freiwillige Feuerwehr Pflersch

Fotos: Oskar Da Riz

(28.07.2017)