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Vor 10 Jahren wurde der Wiederaufbau des Residenzschlosses in Braunschweig abgeschlossen

Residenzschloss Braunschweig

Hinter dem rekonstruierten vorderen Teil mit historischer Sandsteinfassade befindet sich ein modernes Einkaufszentrum

Wenn man in Braunschweig am Bohlweg mitten in der City aus der Straßenbahn steigt, erlebt man einen Zeitsprung der besonderen Art: man steht vor dem Residenzschloss, das mit seiner blank geputzten Sandsteinfassade erkennbar neuen Datums ist, und schaut drumherum auf Gebäude im Stil der 1960er, denen man die wenigen Jahrzehnte deutlich ansieht.

Residenzschloss Braunschweig

Vor 10 Jahren wurde der Wiederaufbau der Residenz der Braunschweiger Herzöge abgeschlossen. Das Gebäude stammte ehemals aus dem 18. Jahrhundert und war 1960 abgerissen worden.

Rekonstruiert wurde von 2004 bis 2017 nur der Trakt mit der historischen Sandsteinfassade. Dahinter befindet sich ein komplett neues Einkaufszentrum („Schloss-Arkaden“) des Hamburger Betreibers ECE. Beide Gebäudeteile sind über den Innenhof miteinander verschränkt.

Den größten Teil der Rekonstruktion hat die Stadt angemietet. Im Nordflügel zum Beispiel – das ist, wenn man davorsteht: links – befindet sich das Schlossmuseum.

Sehenswert ist unter anderem die gewaltige Quadriga auf dem Dach, zu der man per Aufzug hinauffahren kann. Von dort hat man einen großartigen Blick über das Stadtzentrum von Braunschweig. Für Naturstein-Interessierte lohnt sich auch ein Blick auf die Böden im Einkaufszentrum.

Residenzschloss Braunschweig

Dr. Bernd Wedemeyer war beim Schlossneubau von 2004 bis 2007 Fachberater in Sachen historische und neue Schlossfassade. Aktuell ist er als freier wissenschaftlicher Berater des Schlossmuseums tätig und schreibt an einem Buch über 10 Jahre Braunschweiger Schloss. Es soll im November 2017 erscheinen. Er schickte uns die folgenden Ausführungen zur Verwendung von Naturstein:

„Außen am alten Schloss war ursprünglich zu 90 % Lutterer Sandstein (Lutter am Barenberge, bei Salzgitter) verbaut worden. Velpker Sandstein (der beinahe härteste unter den Sandsteinen) aus der Gegend um Wolfsburg kam bei stark belasteten Architraven, Fensterrahmen und Reliefs zum Einsatz. Heute sind beide Brüche aufgelassen.

Beim Neubau wurde zu 90% Warthauer Stein („Hohenzollernpark-Sandstein”) aus Schlesien verwendet. Für die Fensterrahmen, Reliefs usw entschied man sich für Reinhardsdorfer Sandstein aus Sachsen.

Soweit noch vorhanden, sollten die Originalsteine wieder verwendet werden. Man fand die meisten am Madamenweg, wo sie nach dem Abriss des Schlosses vergraben worden waren.

Besonders aufwändig gestalteten sich die Restaurationsarbeiten am Figurenfries über dem Portikus mit geschichtlichen Darstellungen aus der Zeit Heinrichs des Löwen. Der Fries war über Jahrzehnte auf dem städtischen Bauhof in der Ludwigstraße eingelagert gewesen.

Hauptverantwortlich bei der Erfassung der Altsteine und bei der Restaurierung beziehungsweise Auswahl der Neusteine waren IBS Saarbrücken Dipl. Ing. Martin Sauder und das Braunschweiger Architekturbüro Dr. Richi, Opfermann und Partner (ROP).

Residenzschloss Braunschweig

Hofmann Naturstein hatte die Steinarbeiten übernommen. Außerdem gehörte Projektsteuerung zu den Aufgaben der Gamburger Firma. Es umfasste unter anderem die Restaurierung an den Altsteinen sowie an historischen Fragmenten aus Metall und Gips plus die Neuformung von Teilen in Eisen, Zinkguss, Gips und Steinguss. Die Sächsischen Sandsteinwerke führten die Restaurierungen an den Originalen aus.

Die alten Lutterer und Velpker Sandsteine haben eine dunklere Farbe als die neuen Steine und werden so zumindest für die kommenden Jahre erkennbar bleiben. Sie sind zum Beispiel an den 6 großen ionischen Säulen und 20 korinthischen Säulen samt Kapitellen, ebenso als Figuren und Reliefs eingesetzt.

Residenzschloss Braunschweig

Insgesamt sind circa 16 % der Gesamtmasse von ca. 8500 verbauten Steinquadern Originalsteine.

Im Schlossmuseum ist die Broschüre ,10 Jahre Schloss’ zu bekommen, die diese Fragen detaillierter beantwortet.”

Schlossmuseum Braunschweig

Schlossgeschichte

Residenzschloss Braunschweig

(07.09.2017)