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Ernesto Matos hat ein neues Buch über das portugiesische Straßenpflaster (Calçada Portuguesa) herausgebracht

Calçada Portuguesa auf einer Straße auf den Azoren.

Der Fotograf und Künstler zeigt zusammen mit dem Dichter Anónio Correia Beispiele aus der ganzen Welt

Überall wo Portugal vom Jahr 1500 an eine Station seines weltweiten Handelsnetzes einrichtete, findet man heute die späten Spuren: Es ist das berühmte Mosaikpflaster in schwarz und weiß auf den Plätzen und Straßen, im Fachausdruck Calçada Portuguesa genannt. Der Fotograf und Künstler Ernesto Matos hat zusammen mit dem Dichter António Correia nun ein neues Buch dazu herausgebracht. Es trägt den Untertitel „Lux Platearum“, übersetzt „Das Licht der Straßen“, und bezieht sich darauf, dass hier vielfältige kleine Überraschungen auf den Passanten warten: „Tagsüber verteilen die Steine das Sonnenlicht, nachts erfreuen sie die Menschen“, heißt es in einer Rezension.

In Portugals Hauptstadt Lissabon, wo alles begann, gibt es seit einiger Zeit Überlegungen, diese Art des Straßenpflasters bei der Unesco in den Rang eines Welterbes aufnehmen zu lassen.

Vermutlich hatten die Römer die Mosaikkunst auf die Iberische Halbinsel gebracht. Die Araber fügten die geometrischen Dekors hinzu. Überliefert ist jedenfalls, dass zwischen 1840 und 1846 Eusébio Furtado, kunstsinniger General und ehemals Chef eines Gefängnisses in Lissabon, den Zugang zu seiner Einrichtung pflastern ließ: Er hatte sich für ein Zickzackmuster entschieden und kombinierte dabei helle und dunkle Steine.

Die Idee überzeugte die Stadtoberen von Lissabon. Sie trafen im Jahr 1849 die Entscheidung, den zentralen Platz Dom Pedro IV, Rossio genannt, mit einem Wellenmuster über die gesamten Fläche von 8700 m² zu verschönern.

Das Motiv entstammt übrigens aus Flagge der italienischen Stadt Siena aus dem 15. Jahrhundert.

Verwendet wurden dunkler Basalt und heller Kalkstein aus Brüchen unweit der Stadt. Die Arbeiten führten so genannte „Grilhetas“ aus: das Wort erinnert an die Fußfesseln, die Sträflinge und Gefängnisinsassen damals tragen mussten.

In der Folgezeit wurde diese Art des Straßenpflasters zunächst in ganz Portugal populär. Vielerorts kamen neue Motive aus der Landesgeschichte auf die Bürgersteige, etwa Karavellen, Sterne oder Delfine, wie Ernesto Matos schreibt.

Als 1905 in Manaus mitten im Regenwald der ehemaligen Kolonie Brasilien das Opernhaus fertig gestellt wurde, hatte es vor sich einen Platz mit dem Wellenmuster von jenseits des Atlantiks.

Wie an der Copacabana: Foz do Arelho, Portugal.

Später bekam die Copacabana in Rio eine ebensolche Dekoration, die Walt Disney in seinen Musik-Zeichentrickfilm „Saludos Amigos“ aufnahm: Im letzten Teil lernt Donald Duck dort Samba tanzen und macht einschlägige Erfahrungen mit der Cachaça, einem Schnaps. Der Film wurde im 2. Weltkrieg produziert, um die Südamerikaner von ihren starken Verbindungen nach Europa und den Faschisten loszueisen.

Ernesto Matos hat inzwischen die ganze Welt bereist und zeigt in seinem Buch Beispiele von San Francisco bis Macao. Daneben gibt er eine kurze Einführung in die Arbeit der Pflasterer.

Antonio Correia hat seine Impressionen in kurzen Gedichte umgesetzt und hinzugefügt.

Neuerdings werden gelegentlich auch Steine mit anderen Farben als bloß weiß oder schwarz verwendet.

In einer Rezension des Buches heißt es lyrisch: „Das Buch bringt Wörter (palavras) mit Steinen (pedras) zusammen und kreuzt gewissermaßen den Stift mit dem Hammer, so dass eine anregende Kombination zwischen der Arbeit des Poeten und der Kreativität der Pflasterer entsteht.“

Das Buch ist in 3 Sprachen veröffentlicht: portugiesisch und englisch mit einigen Passagen auf Chinesisch.

Calçada Portuguesa, The Portuguese Cobblestone – Lux Platearum“, Ernesto Matos, António Correia, Editora Sessenta e Nove Manuscritos, 2017, ISBN 9789892073668, EAN 978-9892073668

Ernesto Matos

Fotos: Ernesto Matos

Ernesto Matos.

(25.10.2017)