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Im Kansas State Capitol zeigt eine Landkarte aus spanischem Crema Marfil Coto die Landkreise des Bundesstaates

Kansas State Capitol. Foto: Aviper2k7 / Wikimedia Commons

Das repräsentative Gebäude wurde über 14 Jahre einer Restaurierung vom Keller bis zum Dach unterzogen

Nach 14 Jahren Restaurierung erstrahlt das Kansas State Capitol seit dem Jahr 2014 wieder in ursprünglicher Pracht. Die Kosten beliefen sich auf insgesamt 332 Millionen US-$ – zum Beginn der Baumaßnahmen waren 120 Millionen veranschlagt gewesen.

Dafür hat das dekorative Gebäude auf einem Hügel über der Hauptstadt Topeka nun eine Technik auf dem neuesten Stand, ein zusätzliches Geschoss, größere und mehr Büros und zwei unterirdische Parkdecks. Außerdem wurde das prachtvolle Innendekor mit viel Marmor und Granit komplett wiederhergestellt.

Neu dazugekommen ist das Visitor Center. Es befindet sich im ehemaligen Keller zwischen den Fundamenten. In einer Beschreibung für Besucher heißt es dazu: „Richten Sie ihr Augenmerk auf den Übergang von den alten Steinen mit rauen Oberflächen zu dem neuen, glatten Kalkstein.“

Gemeint ist damit der Bodenbelag dort, der im Gebäude einen Akzent setzt. Eigentlich nämlich prägt heimischer Kalkstein das Erscheinungsbild des Hauses, etwa an den Fassaden. Hier aber wurde der spanische Kalkstein Crema Marfil Coto verwendet. Lieferant war die Firma Levantina, von der zu erfahren war, dass der Architekt einen Stein mit genau dieser Farbe und diesen Eigenschaften gewünscht habe.

Karte von Kansas im Visitor Center. Foto: Jeff Rumans / Carthage Stone

Eingearbeitet im Fußboden des Visitor Centers ist eine 3,60 x 7,60 m (12-by-25-foot) große Landkarte von Kansas.

Karte von Kansas im Visitor Center. Foto: Jeff Rumans / Carthage Stone

Als Inlays sind die Namen der 105 Landkreise und ihre Grenzen ausgeführt: verwendet wurde dafür der braune Marmor Gris Pulpis. Die Installation der Steinplatten führte die Firma Carthage Stone aus.

Schon der Bau dieses Capitols von 1866-1903 war ein ambitioniertes Unterfangen: Erst ein Jahr zuvor war der verheerende Bürgerkrieg zu Ende gegangen und nur fünf Jahre vorher war Kansas als 34. Bundesstart in die Union aufgenommen worden.

Dennoch ließen sich die Politiker auf die Herausforderung eines repräsentativen Gebäudes ein, das sich auch gleich mit dem entsprechenden Gebäude auf nationaler Ebene in Washington DC würde messen können.

Am Ende betrug die Bauzeit 37 Jahre und waren 3,2 Millionen US-$ ausgegeben worden. Ein Buch über die Architektur in diesem Bundesstaat schwärmt: „Der lange und schwierige Bau bezeugt die Entschlossenheit, Geduld und die Stärke der Bürger von Kansas.“

Viele Geschichten gibt es um die Verwendung von Naturstein an den Fassaden zu erzählen. Wir wollen uns auf ein paar beschränken, die größtenteils auf der Webpage der Kansas Historical Society nachzulesen sind.

So wurde der ausführende Architekt John G. Haskell auf die Suche nach einem geeigneten Stein an der Ostküste losgeschickt. Jedoch sollte er nicht weiter östlich als Philadelphia suchen. Fündig wurde Haskell schon im Riley County, Kansas bei der dortigen Stadt Manhattan – nur gab es von dort keine Eisenbahnverbindung bis Topeka.

Also entschied man sich für den Deer Creek Limestone südöstlich der Hauptstadt. Mit dem aber fiel man fürchterlich auf die Nase, weil man ihn nicht hinreichend lange Aushärten ließ: bei einem harten Winter ein Jahr nach Beginn der Bauarbeiten 1866 zerbröselten die Fundamente.

Der Bau des West-Flügels, 1879. Quelle: Kansas State Historical Society / Greg A. Hoots. Topeka. Chicago: Arcadia Publishing, 2010 / Wikimedia Commons

Schließlich fand man doch die richtigen Materialien: der Ostflügel wurde mit Fort Riley Limestone aus dem Gebiet der Junction City verkleidet. Für die weiteren Flügel und ebenso für die Rotunda kam Cottonwood Limestone aus dem Chase County zum Einsatz, wie es in einer Publikation des Kansas Geological Survey heißt.

Die Baustelle mitten im damals noch unscheinbaren Downtown Topeka war nicht zu übersehen und auch nicht zu überhören. Viele der Handwerker kamen als Auswanderer aus Deutschland und Italien.

Bauarbeiten am Südflügel, spätes 19. Jahrhundert. Quelle: Kansas State Historical Society / Greg A. Hoots. Topeka. Chicago: Arcadia Publishing, 2010 / Wikimedia Commons

Um die schweren Steine auf die Obergeschosse zu hieven, benutzte man Pferdegespanne. „Ein Vorarbeiter gab mit einem Pfeifensignal dem Gespannführer das Zeichen, ob die Tiere vorwärts oder rückwärts laufen oder stehenbleiben sollten“, schreibt die Historical Society, „schließlich hatten sich die Pferde so an die Signale gewöhnt, dass sie sich auf das Zeichen von selbst in Bewegung setzten.“

Von 1886 an wurde ein elektrischer Derrickkran eingesetzt – „der erste seiner Art“, wie die Tagespresse schrieb.

Das Gebäude mit einem Kuppeldach aus Kupfer war ruppigen Zeiten ausgesetzt, etwa einen Tornado der stärksten Kategorie oder den Unruhen während des so genannten Dust Bowls, als wegen falscher Landnutzung die ehemaligen Prärien zu Halbwüsten wurden. John Steinbeck beschrieb in „Früchte des Zorns“ am Beispiel von Oklahoma diese Phase der großen Not im Mittelwesten der USA.

Zum Ende des 20. Jahrhunderts aber hatte der Zahn der Zeit auch den Kalkstein an den Fassaden mürbe gemacht. In der Restaurierung wurden einige tausend Vierungen in das alte Material eingesetzt, darunter auch tonnenschwere Teile.

Beteiligte Steinfirmen waren unter anderem Quarra Stone Co., Madison, WI, US Stone Industries/Bayer Stone, Herington, KS und Mark 1 Restoration, Dolton, IL.

Kansas Historical Society: State Capitol

Kansas Geological Survey

Die Sanierung des Natursteins an den Aussenfassaden des State Capitol im Bundesstaat Minnesota wurde mit dem Grande Pinnacle Award 2016 von MIA+BSI: The Natural Stone Institute ausgezeichnet. „Es war vielleicht die umfangreichste und komlexeste Restuarieung, die die USA je gesehen haben“, schrieb die Jury.

(27.10.2017)