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Wie weiland Marco Polo: die Marmomac hat im Rahmen ihrer internationalen Aktivitäten Kontakt mit China aufgenommen

Der Haupteingang zur Marmomac 2017.

Erklärtes Ziel ist, dem Made in Italy eine neue Bühne zu geben / Auch in Afrika baut die Messe in vielen Ländern Kontaktpunkte auf

Die Marmomac befindet sich auf anhaltendem Wachstumskurs. Zwei bemerkenswerte Neuheiten wurden im Rahmen ihrer 52. Ausgabe (27.-30. September 2017) bekanntgegeben: sowohl mit der Marmotec in Carrara als auch mit der China North in Qingdao wurde eine Gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet.

Die Marmotec der IMM Carrara ist die Mutter der italienischen Steinmessen, steckt jedoch seit einiger Zeit in einer tiefen Krise; sie war das Markenzeichen des Naturstein-Clusters der Region Apuo-Versilia, während die Marmomac das Aushängeschild der Branche in der Region Venetien ist. Beide standen Jahrzehnte lang im Wettbewerb um die Vorherrschaft.

Qingdao ist eine Hafenstadt im Nordosten Chinas. Im Hinterland liegen einige Metropolregionen, unter anderem Beijing. Die Stadt „ist ein exzellenter Verkehrsknotenpunkt, der Japan, Südkorea und Russland verbindet“, heißt es in einer Pressemitteilung der Marmomac.

Die Absichtserklärung wurde dabei nicht nur mit der dortigen Messegesellschaft Qingdao SEA Expo Group getroffen, sondern gleich auch noch mit dem Natursteinverband der Provinz Shandong. Dieser „umfasst 2 Millionen kleine und mittlere Unternehmen der Branche“, heißt es in der Pressemitteilung.

Man könnte sagen: die Marmomac wandelt auf den Spuren von Marco Polo.

Mit den Aktivitäten in Fernost stellt sich die Veronafiere, Veranstalter der Marmomac, einmal mehr ganz in den Dienst von Italiens Steinbranche: „Das Ziel der Absichtserklärung ist, Joint Ventures in China zu entwickeln und so geschäftliche Gelegenheiten für italienische Firmen zu finden.“

Dazu will die Marmomac Besuchergruppen nach Qingdao bringen und b2b-Treffen mit Einkäufern aus den oben genannten Ländern organisieren. Wie üblich soll die Marmomac Academy Kurse für Architekten und genauso für Steinbruchbetreiber oder Verarbeiter ausrichten.

Gefördert werden diese Aktivitäten von Italiens Außenhandelsorganisation ICE und dem Wirtschaftsministerium MISE. Sie finden statt im Rahmen eines speziellen Programms zur Werbung für das Made in Italy. In dessen Rahmen hatte Veronafiere unter anderem das Italian Stone Theatre in Halle 1 der Marmomac finanziert.

Allerdings wird in Italien voraussichtlich im kommenden Jahr gewählt, und unklar ist, ob die neue Regierung das Programm weiterführen wird.

Die Annäherung an Carrara und Qingdao findet statt im Rahmen einer Strategie, die die Veronafiere seit etwa 10 Jahren verfolgt: durch Partnerschaften, Joint-Ventures oder Zukäufe hat sie sich beinahe überall auf der Welt Standbeine verschafft.

So gibt es schon lange eine Kooperation mit der Stein- und Keramikmesse in Las Vegas (TISE). Der Anteil der Veronafiere daran trug lange den Titel StoneExpo/Marmomac Americas.

Vor einigen Jahren wurde in Brasilien die Steinmesse in der Stadt Vitória komplett gekauft. Sie trägt nun den Zusatz Marmomac Latin America. Zu dieser internationalen Schau in der Hauptstadt des Bundesstaates Espírito Santo gehören: ein Ableger für den nationalen Markt (Cachoeiro Stone Fair), eine Baumesse (Expo Construções) beziehungsweise eine Maschinenmesse in Vitória (Mec Show).

In zahlreichen weiteren Ländern versucht die Veronafiere ebenfalls, im Rahmen neuer Baumessen auch Italiens Steinbranche ins Geschäft zu bringen. In Ägyptens Hauptstadt Kairo betreibt sie die MS Marmomac + Samoter Africa. In Casablanca in Marokko ist es die Medinet Expo. Beide werden von Verona aus gesteuert.

In Kamerun fand im Oktober 2017 erstmals die Veranstaltung Building West Africa statt. Es handelt sich um ein b2b-Treffen von Firmen der italienischen Baubranche mit Teilnehmern aus Ländern wie Senegal, Elfenbeinküste oder Kamerun.

Ähnliches ist unter dem Titel „Building Asean“ für März 2018 in Thailand (Bangkok) und Vietnam (Ho Chi Minh Stadt) geplant.

Das „Ristorante d’Autore“ in der Halle 1 der Marmomac brachte Stein, Wein und gutes Essen aus der Region um Verona zusammen. Foto: Luca Morandini / VeronafiereDas „Ristorante d’Autore“ in der Halle 1 der Marmomac brachte Stein, Wein und gutes Essen aus der Region um Verona zusammen. Foto: Luca Morandini / Veronafiere

Neben Stein sind auch Wein und Mechanisierung Felder, auf denen die Veronafiere mit großen Erfolg aktiv ist. Folglich soll das Stein-Standbein in Vitória künftig umgekehrt auch für Italiens Weinproduzenten und Landmaschinenhersteller genutzt werden. Der Gouverneur des Bundesstaates Espírito Santo war dafür zur Marmomac angereist.

Auch der Botschafter Indiens in Italien war zu Gast. Seit dort die Importbeschränkungen für Marmor gelockert wurden, gibt es eine große Nachfrage nach weißen Sorten, vor allem solchen mit klangvollen Namen. Auch moderne Technologie wird in Indien gebraucht.

Schließlich: wenn wir die Zeichen richtig deuten, will die Veronafiere auch im Kunstmarkt aktiv werden. Das würde wiederum zum Made in Italy passen, wo nicht nur Material und Maschinen, sondern auch Kunst und Kultur Teil der Marke sind.

Marmomac, 26.-29. September 2018

(30.10.2017)