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„Mit echter Keramik oder echtem Naturstein (anstelle von billigen Kopien) würden wir vielleicht in einer besseren Architektur leben“

Der Stand von Pibamarmi auf der Cersaie 2017. Foto: Pibamarmi

Damiano Steccanella von Pibamarmi wollte mit dem Firmenstand auf der Cersaie eine Debatte über Material und Authentizität lostreten

In den vergangenen Jahren sind die Naturstein-Kopien seitens der Keramikbranche und der Engineered Stones immer größer und besser in der Nachahmung geworden. Damiano Steccanella, Chef der italienischen Steinfirma Pibamarmi, machte aus dem Konflikt zwischen Original und Fälschung des Motto seines Stands auf der Cersaie: „Schluss mit dem Nachgemachten – Verwenden Sie das Original“ (beziehungsweise, wie am Stand geschrieben: „Schluss mit dem Nachgemachten – Verwenden Sie das Natürliche“). Die Cersaie in Bologna (25.-29. September 2017) ist eine der wichtigsten Messen weltweit mit Schwerpunkt Keramikfliesen und Badezimmereinrichtungen. Stone-Ideas.com sprach mit ihm, warum er sozusagen den Löwen in dessen Höhle herausforderte.
 

Stone-Ideas.com: Das Motto Ihres Messestands war „Schluss mit dem Nachgemachten – Verwenden Sie das Original“. An wen richtete sich der Apell?

Damiano Steccanella: Ich hatte eine weite Zielgruppe von Architekten über Designer bis hin zu den konkurrierenden Materialien im Blick. Obwohl in unserer Gegenwart Digitalisierung und Entmaterialisierung große Trends sind, sind gleichzeitig Materialien und deren natürliche Qualitäten wichtige Themen. Wenn jeder Hersteller oder Nutzer echte Keramik oder echten Naturstein verwenden würde, würden wir vielleicht in einer besseren Architektur leben.

Damiano Steccanella (3.v.li) auf der Marmomacc 2011 zusammen mit Kjetil Thorsen (ganz links) vom Architekturbüro Snohetta, das den Stand auf der Marmomac gestaltet hatte. Foto: Veronafiere

Stone-Ideas.com: Manche Leute fordern, es müsste verboten werden, dass die Keramikindustrie Kopien von Naturstein herstellt. Was ist Ihre Meinung?

Damiano Steccanella: In unserer globalen Welt können wir das Thema nicht mit Verboten oder Beschränkungen angehen. Der Kern des Problems liegt in unser Kultur des Bauens und der Projektentwicklung: eine Lösung kann darin liegen, dass wir ein Bewusstsein für Materialien entwickeln, und das kann aus einem Dialog der Beteiligten hervorgehen. Unser Motto auf der Cersaie wollte provozieren und ein Nachdenken in diese Richtung in Gang setzen.
 

Stone-Ideas.com: Welche Strategie halten Sie für die bessere, um mit Materialkopien umzugehen: soll man schlecht über diese reden oder wäre es besser, die positiven Aspekte von Naturstein herauszustellen?

Damiano Steccanella: Natürlich ist es sinnvoll, die Besonderheiten und die vielfältigen Werte von Naturstein herauszustellen. Sie bieten Architekten und Designern eine unglaubliche Vielfalt in Sachen Verwendung und Gestaltung. Es lohnt sich, diese in die heutige Baukultur aufzunehmen und sie weiterzuentwickeln.
 

Stone-Ideas.com: Gab es Reaktionen auf Ihren Stand?

Damiano Steccanella: Alle Besucher waren verblüfft. Es entstand ein kreativer Moment, wo die Leute nicht nur das Materialen als solches wahrnahmen, sondern sich auch der Trivialität unserer heutigen Welt bewusst wurden. Das löste eine weites Nachdenken aus über Oberflächliches in unserem Aussehen, in unseren Garderoben oder in unseren Körpern.

Pibamarmi

Marmor in Szene gesetzt: Pibamarmi präsentierte am Stand auch die neue Kollektion „Desco“ des Designers Vittorio Longheu (wir berichten in einer der nächsten Ausgaben). Foto: Pibamarmi

(06.11.2017)