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Mies van der Rohes Barcelona Pavillon ganz in weiß ohne das farbige Onyx-Book-match an der Wand und ohne Travertin

„Mies Missing Materiality”.

Die Künstler Anna und Eugeni Bach waren eingeladen, vorübergehend die Ikone der modernen Architektur zu verändern

Mies van der Rohes Barcelona Pavillon ist berühmt für seine Offenheit mit Wänden, die allenfalls den Raum strukturieren und nicht mehr tragende Funktionen haben. Die verschiedenen Natursteinsorten, die hier verwendet wurden, vor allem das farbenfrohe Onyx-Book-match an der Wand sowie Travertin und Serpentinit, spielen eine wichtige Rolle für die Wirkung des Gebäudes.

Also, könnte man die Frage stellen: wie eigentlich würde sich diese Wirkung verändern, wenn man das Material der Wände und auf dem Boden verändern würde?

Die Künstler Anna und Eugeni Bach geben eine Antwort auf diese Frage. In ihrem Projekt „Mies Missing Materiality” haben sie auf Einladung der Fundació Mies van der Rohe alle Oberflächen im Haus mit weißen Rechtecken aus Vinyl überzogen. Der Materialwechsel begann am 08. November und war vollendet am 16.

Am 27. November wird er wieder zu Ende sein. Dann ist das Plastik wieder von den Wänden und Böden abgenommen.

Der Kurator für die Programme der Fundació Mies van der Rohe, Ivan Blasi, sagt: „Es ist eine einmalige Gelegenheit, den Pavillon einmal ganz anders zu erleben und nachzudenken, welche Rollen eigentlich Materialien spielen. Veränderung kann für das Haus nicht tabu sein, schließlich entstand es selber als Rekonstruktion des Originals.“

„Mies Missing Materiality”.

Das Gebäude war von Mies van der Rohe (1886-1969) als deutscher Beitrag zur Weltausstellung 1929 in Barcelona errichtet worden. Die Weimarer Republik wollte damit ihr Selbstverständnis als moderne Gesellschaft unterstreichen.

Nach der Weltausstellung war das Gebäude abgerissen worden. Jedoch baute die Stadt Barcelona es ihm Jahr 1986 wieder auf.

Unter dem Titel „Dressing the Mies van der Rohe Pavilion to strip it of all materiality“ (Wir ziehen Mies’ Pavillon an, um ihm alle seine Materialität zu nehmen) schreiben die Künstler: „Unsere Aktion verwandelt den Pavillon in ein 1:1 Modell seiner selbst. Das öffnet das Tor zu vielfältigen Interpretationen etwa über den Wert des Originals, die Rolle der weißen Oberfläche als Ausdruck von Modernität und über die Bedeutung von Materialiät für die Wahrnehmung von Raum.“

Fundació Mies van der Rohe

Fotos: Adrià Goula / Fundació Mies van der Rohe

(21.11.2017)