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Sanierung von echtem und falschem Marmor in Litauens prächtiger Nationalbibliothek

Litauens Martynas Mažvydas Nationalbibliothek.

Schwierig gestaltete sich der Denkmalschutz: die Informationen über die verwendeten Natursteinsorten sind verloren gegangen

Viel von Litauens Geschichte erzählt die Nationalbibliothek in der Hauptstadt Vilnius, deren Restauration im September 2016 abgeschlossen wurde. Die Herausforderung bei den Arbeiten war, die modernen Nutzungsansprüche in das historische Gebäude zu integrieren. Das Gesamtprojekt hatte das Architekturbüro Jungtinės Architektų Dirbtuvės übernommen, für das Design im Inneren zeichnete Studio 2XJ verantwortlich.

Im Jahr 1919 war in Litauen der Beschluss gefasst worden, eine Nationalbibliothek zu bauen.

Wenig später schon gab es den ersten Stopp des Vorhabens, als polnische Kämpfer das Land besetzten. Dann folgte russische Herrschaft, später kamen die Soldaten des deutschen Hitler-Regimes, schließlich wurde Litauen Sowjetrepublik und Teil der UdSSR.

1951 gab es einen neuerlichen Beschluss zum Bau. Stalin, der sich als „Architekt“ seines Herrschaftsbereichs verstand, bestimmte den neoklassischen Stil der Bibliothek („Sozialistischer Klassizismus“), ergänzt um die damals üblichen Symbole des Sozialismus.

Nationalbibliothek Litauen.

Bis 1963 ging der Bau nur schleppend voran. Unterdessen hatte Chruschtschow die Macht in Moskau übernommen – er verstand sich nur noch als „Erbauer“ des Landes und ließ den Architektenkommissionen größere Freiheiten. Im Inneren gab es eine Gestaltung im Stil des Modernismus.

Seit dem 11. März 1990 ist Litauen wieder unabhängig. 2008 fasste das Parlament den Beschluss, die mittlerweile arg ramponierte Nationalbibliothek zu restaurieren und zu modernisieren. Schwierig gestaltete sich der Denkmalschutz: zum Beispiel waren die Informationen über die ehemals verwendeten Natursteinsorten verloren gegangen.

Auch der Blick in die Archive des Landes half nicht weiter: Marmor – vor allem schwarz, weiß und rot – war zwar über Jahrhunderte in Litauen in Palästen, Kirchen und auf Friedhöfen verwendet worden, aber eine bevorzugte Quelle gab es nicht. Mancher Stein kam aus dem nahen Polen, auch in Italien und Belgien gab es Lieferfirmen.

Nationalbibliothek Litauen.

In der dekorativen Innenhalle der Nationalbibliothek liegt weißer Marmor auf der Treppe und auf dem Boden. Schadhafte Stellen wurden mit ähnlichen Sorten ausgebessert.

Nationalbibliothek Litauen.Nationalbibliothek Litauen.

Die prächtigen Säulen beziehungsweise Halbsäulen über mehrere Stockwerke bestehen aus Stuckmarmor (Stuccolustro). Nach der Restaurierung ist ihr Glanz wieder so perfekt, dass man sie bei bloßer Betrachtung kaum von echtem Stein unterscheiden kann.

Im Inneren auf den 6 Etagen trennten die Architekten ganz deutlich das Alte vom Neuen. Zwar wurden die modernen Funktionszonen – für gemeinschaftliches Arbeiten, für eine Cafeteria, für Konferenzen, Kino oder Tagesbetreuung – in die Gegebenheiten integriert. Auch die alte Einrichtung stellte man weitgehend wieder her.

Jedoch wurde die neue Möblierung deutlich davon abgesetzt. Dafür schuf das Studio 2XJ ein einheitliches Design in schwarz.

Die Kosten für die Modernisierung betrugen knapp 26 Millionen €. Sie kamen teils von der Europäischen Union und aus Mitteln des Landes.

Die Bibliothek trägt seit 1989 den Namen von Martynas Mažvydas. Er hatte im Jahr 1547 das erste Buch in litauischer Sprache geschrieben.

Litauen ist das südlichste der 3 baltischen Länder. Es hat Grenzen mit Lettland im Norden und Polen sowie der russischen Oblast Kaliningrad im Süden sowie Weißrussland im Osten. Im Westen liegt die Ostsee. Die Fläche beträgt rund 65.000 km², das ist etwa das Doppelte von Belgien oder etwa gleich viel wie im US-Bundesstaat West Virginia. Die Einwohnerzahl liegt bei 2,8 Milionen.

Jungtinės Architektų Dirbtuvės (litauisch)

2XJ

Fotos: Leonas Garbačauskas (litauisch)

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(29.11.2017)