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Brasiliens Grupo Guidoni will Europas Märkte mit besonderen Natursteinen, nicht über den Preis erobern

Guidoni: Granit Paleon.Der Branchenriese baut in Affi unweit von Verona ein Verteilzentrum mit Platz für 2700 Platten und einem Showroom auf

In Europas Natursteinbranche tut sich etwas: der brasilianische Branchenriese Guidoni Group drängt mit Macht auf den Markt und richtet in Affi unweit von Verona ein Verteilzentrum ein. Es geht um Investitionen in Höhe von 1,2 Millionen €. Das Zentrum soll auf einer Fläche von 1050 m² Platz bieten für 2700 Platten.

Das verlangt insofern besondere Beachtung, als Guidoni – anders als chinesische Firmen vor 20 Jahren – nicht mit niedrigen Preisen die Alte Welt erobern will. Vielmehr bringt das brasilianische Unternehmen seine besonderen Granite und Quarzite mit, die bisher allein in den USA professionell vermarktet wurden und dort, etwa in Küchen, ein Renner sind.

In Europa war bisher von diesen so genannten Exóticos und Super Exóticos nur wenig zu sehen. Es handelt sich um Granite mit den Farben und Strukturen, die man sonst nur vom Marmor oder vom Onyx kennt. Gerne werden sie als „Gemälde der Natur“ bezeichnet.

Es gibt sie nur an Brasiliens Ostküste und auf der anderen Seite des Atlantiks in Afrika. Sie stammen aus der grauen Vorzeit, als es einen Superkontinent gab.

Diese Exóticos – und genauso die eher gläsernen Quarzite – gibt es in einer großen Vielzahl, und laufend werden neue Brüche erschlossen.

Guidoni: Granit Black Taurus.

Jedoch sind solche Steine für Architekten oder Innenarchitekten ein heikles Material. Während mit einem weißen oder schwarzen Marmor ein Raum immer gut aussieht, ist die Gestaltung mit einem exotischen Stein schwierig.

Guidoni: Black Fusion.

Auch mögen die Europäer nicht so überdekorierte Einrichtungen, wie sie in den USA üblich sind.

Guidoni: Granit Amarone.

Guidoni will diese Herausforderung angehen. Dazu gehört ein Showroom zum Verteilzentrum in Affi: Geplant sind dort „verschiedene Aktionen, mit denen wir Nähe zu den Profis der Gestaltung herstellen wollen“, schreibt die Firma auf unsere Nachfrage.

Daneben soll das Verteilzentrum natürlich auch allgemein die Marktposition Guidonis verbessern: „Wir hoffen, mit der Investition … unsere Kunden schneller und besser beliefern zu können.“

Pressekonferenz der Grupo Guidoni auf der Marmomac 2017: (v.l.n.r.) Verônica Petrópolis, Marketing, Rayner Guidoni, Vizepräsident, Rafael Guidoni, CEO. Foto: Peter Becker

Rayner Guidoni sagte auf der Pressekonferenz auf der Marmomac 2017 dazu: „Unsere Erwartung ist, die Umsätze der Gruppe innerhalb von 2 Jahren zu verdoppeln, indem die Struktur des Kundenservice erweitert wird.“

Die Guidoni Group hat die Eroberung der Alten Welt in die Hände sehr junger Leute gelegt hat: Rafael Guidoni, CEO des Unternehmens, und Cousin Rayner, Vizepräsident, sind erst in den Dreißigern.

Sie sind die Kinder der Zwillinge Geraldo und António, die im Verwaltungsrat (Conselho Administrativo) der Firma weiter aktiv sind.

Guidoni: Granit Gold.

Mit den beiden Neuen wolle die Guidoni Group „eine innovative Sichtweise ins Unternehmen holen und neue Geschäftsformen“ entwickeln, wie die Presseabteilung der Firma uns schreibt. In der Mail wird Rafael Guidoni zitiert: „Es gibt eine neue Dynamik am Markt mit einer immer besser informierten und folglich immer anspruchsvolleren Kundschaft bei gleichzeitig einem immer breiteren und schnelleren Wettbewerb.“ Dafür wolle er zusammen mit dem Cousin das Unternehmen nun aufstellen, dies auf den Fundamenten, die die Vorgänger geschaffen haben.

Für das Marketing ist Verônica Petrópolis zuständig, zwar kein Mitglied der Familie, aber ebenfalls aus der Generation der neuen Chefs stammend.

Die Guidoni Group hat zurzeit 959 Mitarbeiter. Der Umsatz für 2017 wurde im Herbst jenes Jahres auf rund 300 Millionen Real geschätzt, umgerechnet etwa 190 Millionen US-$ (150 Millionen €). Gegenüber 2016 wäre das eine Steigerung um 20%.

Einer der Brüche von Guidoni. Foto aus einer Broschüre der Firma.

Die Firma betreibt in Brasilien 40 Steinbrüche und bringt pro Monat etwa 170.000 Natursteinplatten auf den Markt.

Seit etwa 20 Jahren ist die Guidoni Group in Europa aktiv. Nun hat das Engagement allerdings neue Formen angenommen: In Spanien hat das Unternehmen 2015 für 8 Millionen € die Firma Seaquarz gekauft und produziert dort nach weiteren Investitionen nun auch Quarz-Kunststeine. Auch im Stammland Brasilien unterhält man eine solche Produktion.

Letzte Meldung: gerade hat Guidoni in Spanien noch einmal 12 Millionen € in eine Quarz-Produktion investiert. Damit soll bis Ende 2018 insgesamt ein jährlicher Ausstoß von insgesamt 1 Millionen m² Kunststeine erreicht werden.

Guidoni Group

Fotos: Guidoni Group

(24.01.2018)