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Messen: Offene Worte über Arbeitsbedingungen und Umweltbelastungen

(April 2010) Eine Überraschung bot der World Stone Congress im chinesischen Xiamen: Heikle Themen wie Standards bei den Arbeitsbedingungen oder Umweltverschmutzung wurden offen angesprochen. Das Treffen heimischer und internationaler Experten fand zum zweiten Mal während der Messe dort statt.

Sustainability (Nachhaltigkeit) war ein Schwerpunkt der Vorträge. Dr. Frans Papma von der holländischen Working Group on Sustainable Natural Stone (WGDN) ging das Thema von der sozialen Seite an: Die Steinindustrie müsse nicht nur etwas gegen Umweltbelastungen tun, sondern hätte auch dafür zu sorgen, dass die Arbeiter oder Dorfgemeinschaften nicht Schaden durch die Brüche oder die Sägereien nähmen.

In schonungslosen Worten erklärte er den rund 200 Zuhörern, größtenteils aus China, dass der Konsument im Westen dies so wünsche: „Die Leute wollen sicher gehen, dass die Produkte, die sie kaufen, nicht zu globalen Problemen beitragen.“ Punkt.

Dann aber schlug Papma sanftere Töne an. Das Zertifikat, das seine Organisation in Arbeit hat, wolle nicht per Ukas Regeln in Sachen Nachhaltigkeit vorschreiben, sondern diese gemeinsam mit den Produzenten auf den Weg bringen. Er gestand ein, dass Verbesserungen etwa bei den Arbeitsbedingungen nur über einen längeren Zeitraum und schrittweise zu erreichen seien.

Folglich will das Sustainable Stone Label, das die WGDN derzeit entwickelt und das zum Ende dieses Jahres Realität werden könnte, den Weg der Produzenten zunächst nur aktiv begleiten. Keinen Zweifel ließ Papma aber daran, dass eine rigorose Kontrolle des Erreichten zum Zertifikat gehören werde. Umgekehrt versprach er dann aber auch, dass die WGDN für entsprechende Information des Konsumenten im Westen sorgen werde.

Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses widmete sich der Frage, wie der Inlandsverbrauch an Stein in China gesteigert werden könnte. Für Xu Rongqi vom Steinverband der Provinz Fujian, in der die Messestadt Xiamen liegt, ist der Weg klar: Naturstein muss sich vom bloßen Baumaterial zu Produkten mit Mehrwert entwickeln. Solcher Mehrwert kann seiner Ansicht nach durch Bearbeitung oder Gestaltung erreicht werden. „Die Ressourcen sind begrenzt, wohingegen Ideen und Technologien unbegrenzt sind“, so sein Fazit.

Branchenzahlen nannte Zou Chuansheng von der China Stone Material Association, dem landesweiten Dachverband der Branche. Im Jahr 2009 verzeichneten die chinesischen Natursteinexporte -25% nach Volumen und -2,36% nach Wert. Auch bei den Importen war es rapide rückwärts gegangen: -25% nach Volumen und -8,39 nach Wert. Dennoch kam die Branche gut durch die Krise, denn nach vorläufigen Zahlen erreichte ihre Wertschöpfung ein Plus von gut 21%!

Wie das mit den Einbrüchen bei Export und Import zusammen? Der heimische Markt macht’s möglich. Von einer Nachfragesteigerung „auf hohem Niveau“ sprach der Verbandschef. Positiv wirkten sich der Prozess der Verstädterung und auch die Förderung einheimischer Baumaterialien durch die Politik aus, so Zou.

Was die Umweltbelastung seitens der Steinindustrie angeht, nahm er kein Blatt vor den Mund: „Auch wenn einige Brüche einen guten Stand erreicht haben, ist die allgemeine Situation nicht gut, und es gibt sogar eine große Zahl an Brüchen, die unter dem Standard liegen.“

Einblick in die reale Situation gab es auf einer Fahrt ins Hinterland, die eine Besuchergruppe während der Messe unternahm: Schon weit vor den Brüchen und Sägereien war die Landschaft in weißen Staub getaucht und lagen am Straßenrand Steinbrocken, vergleichbar dem Plastikmüll woanders.

Zou verwies auf die technischen Regeln [technical specifications], die der Verband für Brüche herausgegeben habe, und auf die Initiative „Green Quarry“ im ganzen Land. Er rief dazu auf, „dass die Freunde aus den überseeischen Steinbranchen“ ihre entwickelten Technologien und Erfahrungen nach China bringen: „Ich bin sicher, dass mit Ihrer Beteiligung die saubere und grüne Entwicklung von Chinas Steinindustrie gelingen wird.“

Das werden die Anbieter solcher Technologien gerne hören. Weniger angenehm dürften Meldungen sein wie jene, wonach die chinesische Regierung kürzlich von Importeuren der Software- und Autoindustrie verlangt hat, dass diese ihre Produkte einer Zertifizierung unterziehen und dafür ihr Know-how offenlegen.

Komplettes Programm des World Stone Congress 2010

Kontakt zum World Stone Congress: Marsha Tsai