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Produktgestaltung mit Naturstein: nach 60 Jahren zeigt sich eine neue Tendenz

Marmor-Türstopper von James Irvine für die italienische Firma Marsotto Edizioni (2011). Foto: Peter Becker

Bestanden ehemals die Gegenstände allein aus Marmor oder Granit, taucht neuerdings immer häufiger ein Materialmix auf

Das Foto oben macht auf einen Blick klar, was mit Produktgestaltung aus Naturstein gemeint ist: die Haifischflossen aus Marmor, entworfen von James Irvine für die italienische Firma Marsotto Edizioni, sind Gegenstände für den Alltagsgebrauch – Türstopper!

Seit einiger Zeit lässt sich ein neuer Trend beobachten: Designer entwickeln nicht mehr nur Alltagsgegenstände aus Stein , sondern solche bloß mit Stein.

Schminkspiegel „Naia“ der italienischen Firma JCP (2017). Rendering: JCP

Der Schminkspiegel der italienischen Firma JCP macht wieder auf einen Blick klar, was gemeint ist.

Werfen wir einen Blick um 2 Generationen rückwärts, um zu verstehen, was da vor sich geht.

Vor rund 60 Jahren waren es italienische Gestalter, die zusammen mit Steinmetzen und Steinbildhauern aus Carrara und Verona überlegten, was man mehr aus Marmor und Granit machen könnte als bis dahin üblich.

Sie brachten alsbald wunderschöne Produkte hervor. Nur ein paar Beispiele, wie sie die Messe Marmomac 2016 im Rahmen einer Ausstellung präsentierte.

Tisch „Eccentrico“ von Angelo Mangiarotti (1971) für Agape. Rendering: MarmomacBücherregal „Loico“ von Angelo Mangiarotti (1987) für Agape. Rendering: MarmomacTisch „Octogon“ von Tom Dixon (1989) für Bigelli Marmi. Rendering: Marmomac

Diese innovativen Produktideen wurden allerorts bejubelt, hatten jedoch eine große Schwäche: sie ließen sich kaum verkaufen, und wenn, dann allenfalls in Einzelexemplaren an ein Museum.

Das lag zum einen daran, dass sie in Handarbeit gefertigt werden mussten. Zum anderen waren viele von ihnen auch schlichtweg nicht zu benutzen: richtig schwer, an ihrem Standort nicht zu verschieben, vor lauter Masse auch nicht wirklich elegant.

Tisch und Sitze „Rocaille“ von Philippe Nigro, gezeigt auf der Stone+tec 2011. Foto: Peter Becker

Daneben gab es immer wieder Objekte, die gar nicht für eine Benutzung entworfen waren, sondern nur als Fingerübungen eines Designers zustande kamen.

Inzwischen gibt es Techniken wie Wasserstrahl, Diamantseil oder CNC, mit denen sich Produktideen aus Naturstein kostengünstig herstellen lassen.

Doch heutzutage könnte man meinen, man habe alle Neuheiten vorher schon gesehen.

So geschehen zum Beispiel bei der Marmomac 2017. Nur wenige Ausstellungsstücke waren wirklich neu; die meisten wandelten bloß Altbekanntes ab. Anders formuliert: Produktideen, die sich früher schon nicht hatten verkaufen lassen, wurden mit neuer Form auf den Markt gebracht.

Das Dilemma ist das Material: massiver Marmor gab zwar Michelangelos David die großartige Wirkung, für den Produktdesigner aber bringt Stein große Probleme.

Seit einiger Zeit zeichnet sich nun ein Ausweg aus dem Dilemma ab: auf den Einrichtungsmessen sieht man mehr und mehr Ideen, die nur noch ein Design mit Naturstein propagieren. Marmor oder Granit sind nur Teile des Ganzen, verschiedene Materialien kommen zum Einsatz.

Türstopper von Raffaele Familari, auf der Designwoche in Mailand 2016. Foto: Peter Becker

Neben den bereits erwähnten Schminkspiegeln wollen wir als Beispiel die neuere Variante eines Türstoppers zeigen: Sie stammt von Raffaele Familari, und hat nicht die Unhandlichkeit des oben gezeigten Stücks von James Irvine.

Im neuen Design mit Stein lässt sich auch eine materialgerechte Gestaltung viel besser verwirklichen. Damit ist gemeint, einen Stoff so einzusetzen, dass er die Benutzbarkeit eines Objektes optimal unterstützt.

Stellt sich also die spannende Frage: Was kann Naturstein, und wo in Alltagsgegenständen kann man ihn folglich einsetzen?

Am Beispiel der Türstopper haben wir gesehen, dass Stein Gewicht liefert, sofern das für ein Objekt benötigt wird. Andere Eigenschaften sind seine Härte, die große Fähigkeit zur Wärme- und Kältespeicherung oder eine Oberfläche zum Bearbeiten, um nur einige der vielen nutzbaren Eigenschaften zu nennen.

Schließlich: welche Eigenschaft wird eigentlich im Fall der Schminkspiegel genutzt?

Es ist der unvergleichliche Zauber, der dem Material mitgegeben ist.

Allerhand Beispiele für Naturstein-Produktdesign, gute wie misslungene, finden sich in der entsprechenden Rubrik von Stone-Ideas.com.

(21.02.2018)