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Irlands Steinmetze tranken im 16. Jahrhundert an einem Arbeitstag rund 7 Liter dunkles Ale

Steinmetze bei der Arbeit, Ständebuch 1568. Quelle: Deutsche Fotothek / Wikimedia Commons

Bier war damals neben Brot das Grundnahrungsmittel auf der Insel / Frauen brauten zuhause und hatten eigene Trinktreffen

Irische Steinmetze des 16. Jahrhunderts gossen sich während eines Tages rund 14 Pint Bier hinter die Binde, das waren umgerechnet gut 7 Liter. Dabei ging es weniger um Sauferei, als um Ernährung. Denn das dunkle Ale und genauso das helle Beer waren damals neben Brot die Grundnahrungsmittel der Menschen auf der Insel.

Wobei man dennoch kaum glauben mag, dass die Steinmetze zum Feierband noch eine gerade Linie in den Stein schlagen konnten: denn das damalige Bier hatte – vermutlich – einen Alkoholgehalt zwischen 7 und 10 Prozent. Heute hat normales Bier um die 5 Prozent.

Dr. Susan Flavin von der Anglia Ruskin University hat die Ernährungslage im Irland der damaligen Zeit untersucht und dafür Aufstellungen aus Haushalten, Rationen für Soldaten und Hafenbücher ausgewertet.

Ein Dokument aus dem Jahr 1565 belegt, dass Steinmetze in einem Bruch in Clontarf täglich 14 Pint Ale bekamen. Ausgerechnet ein Vertreter der Christ-Church-Kathedrale in Dublin war es, der ihnen diese Versorgung zugebilligt hatte.

Vermutlich brauchte er die Steine für einen Bau.

Aus Dokumenten aus dem Schloss in Dublin ist bekannt, dass die Haushalte der Dienerschaft über das Jahr 1590 die stolze Menge von 264.000 Pints konsumierten. Das lässt sich auf 8 Pints pro Person und pro Tag umrechnen.

Auf dieselbe Zahl kommen übrigens Forschungen zur Ernährung im England der damaligen Zeit.

Jedenfalls: Nicht nur vom Alkoholgehalt her trank man damals kein Dünnbier. Auch der Nährstoffanteil an dem Getränk war hoch und lag bei 400-500 Kalorien pro Pint – heute sind es etwa 180-200 Kalorien für entsprechende Menge.

Und: Bier wurde auch für die Personalführung eingesetzt, wie man modern ausdrücken würde. Belegt ist, dass die Steinmetze in Dublin, hatten sie besonders viel geleistet oder ein Projekt fertiggestellt, ein Bier besserer Qualität forderten und auch bekamen. Vielleicht handelte es sich um gehopfte Sorten, vielleicht auch um Starkbier.

Starkbier war Luxus und wurde normalerweise nur an die Haushaltvorstände oder bessere Leute ausgeschenkt.

Schließlich: Frauen spielten in dieser Bier-Welt eine wichtige Rolle. Wenn dem Proktor der Dubliner Christ-Church-Kathedrale das Getränk ausging, wandte er sich an eine Dame namens Meg Hogg, deren Getränkt als „good ale“ gerühmt wurde.

Gebraut wurde zuhause und das war Frauensache, wie Dr. Susan Flavin herausgefunden hat. Üblich war dabei auch, dass die Damen mitsamt der Kinder sich zum Feierabend zum Trinken auf der Baustelle einfanden.

Im Schloss Dublin gab es an prominentem Ort sogar „drinkings“, wo nur Frauen zugelassen waren.

The important role of beer in 16th century Ireland, Anglia Ruskin University

(21.02.2018)