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Für die Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin wurden rund 14.000 Granitplatten katalogisiert und zwischengelagert

Die Neue Nationalgalerie in Berlin im Februar 2018. Foto: Peter BeckerAußenlager mit Natursteinplatten der Neuen Nationalgalerie aus Striegauer Granit. Foto: BBR/ Fotograf Thomas Bruns

Das spektakuläre Gebäude von Mies van der Rohe wird nach 50 Jahren grundlegend saniert und auf den neuesten Stand gebracht

Rund 14.000 Granitplatten wurden im Zuge der Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin kartiert, aufgenommen und zwischengelagert. Sie stammen vom Fußboden im Innenraum des berühmten Bauwerks und von der Außenterrasse.

Die Berliner Firma Gebauer hat diese Arbeiten übernommen. „Manfred Gebauer war in den 1960er Jahren als Steintechniker bei der Berliner Firma Paul Becker beschäftigt, die den Naturstein der Boden- und Fassadenplatten in der Neuen Nationalgalerie verlegt hatte“, heißt es im Blog der Staatlichen Museen zu Berlin, „ganz lebhaft erinnert er sich an Mies van der Rohes fundierte Kenntnisse über Natursteine, die der Architekt sich als Sohn eines Steinmetzes in Aachen angeeignet hatte.“

Zu den Natursteinarbeiten gehört die Reinigung der Steinplatten, das Kleben oder Nadeln beschädigter Teile, gegebenenfalls das Ergänzen mit Ersatzmasse oder der komplette Austausch einzelner Elemente.

Schäden an den Granitplatten vor dem Gebäude. Foto: Peter Becker

Die Platten der Außenterrasse sind teilweise stark beschädigt, denn nach einer Sanierung waren sie auf groben Kies gebettet, was zu zahlreichen Rissen und Abplatzungen führte.

Nach Abschluss der Gebäudesanierung wird Gebauer jede Platte wieder an ihrem Originalort versetzen.

Im Skulpturengarten gibt es 4 Sitzbänke aus Naturstein. Vermutlich handelt es sich um Epprechtsteiner Granit, denn beim Bodenbelag im Untergeschoss handelt es sich um denselben Stein. Geliefert und verlegt wurde er von Zeidler & Wimmel.

Serpentinitbrekzie Verde Gloria als Verkleidung der Versorgungspfeiler im Inneren. Foto: Peter Becker

Ein weiterer Naturstein ist die Serpentinitbrekzie Verde Gloria als Verkleidung des Versorgungspfeilers im Inneren, wie wir von Dr. Gerda Schirrmeister erfahren haben.

Als „Juwel der Architekturgeschichte“ wird das Gebäude am Berliner Landwehrkanal oft bezeichnet. Das Dach scheint frei zu schweben, anstelle von Außenwänden gibt es nur Glasfronten, so dass Innenraum und Stadt drumherum quasi ineinander übergehen.

Die Neue Nationalgalerie 2013. Foto: Jean-Pierre Dalbéra / Wikimedia Commons

Nach den Vorstellungen des Architekten sollte die Form des Gebäudes einfach und gänzlich schmucklos sein und so der Kunst im Museum allen Raum zu geben.

Spektakulär war die Konstruktion, die es zuvor in diesen Dimensionen nicht gegeben hatte.

Die Abfolge beim Bau stellte höchste Anforderungen. Denn damals gab es noch keine Autokrane, so dass man die tonnenschweren Teile für das Dach mit einem Derrick in die Höhe wuchten musste. Das hydraulische Hochdrücken des Dachs wurde schon damals als öffentliches Ereignis für die Berliner inszeniert.

Viele Geschichten ranken sich drumherum, etwa die folgende: just als am 5. April 1967 die Betonbranche sich nur wenige Schritte entfernt in der Philharmonie traf, lag frühmorgens auf dem Bauplatz der Neuen Nationalgalerie alles bereit, um das Stahldach in die Höhe zu befördern. Und als die „Betonfritzen“, so der Jargon der Stahlleute damals, abends wieder aus der Philharmonie kamen, befand sich das Dach mit rund 1200 t Gewicht wie geplant in rund 8 Metern Höhe.

Man muss wissen, dass in der Nachkriegszeit Stahl und Beton als Baumaterialien heftig miteinander konkurrierten.

Schmankerl am Rande: „Als das Dach auf einer Höhe von rund drei Metern über dem Boden schwebte, war Mies nicht davon abzubringen, darunter zu gehen“, erzählt Dirk Lohan, Enkel des Architekten und ehemals Bauleiter – wer hätte schon einen Mies van der Rohe belehren wollen, dass am Bau Sicherheitsvorschriften gelten.

Der Architekt war Perfektionist, das ist bekannt, und so sorgte er sich auch darum, ob das Dach aus einiger Entfernung wirklich als eben erscheinen würde. Im Büro baute man ein Modell im Maßstab 1:5 auf und beäugte es aus allen Perspektiven. Die Ecken sind um 5 cm angehoben und die Mitte ist um 10 cm erhöht.

Die Planungen für die aktuelle Sanierung lieferte das Büro David Chipperfield.

Die Gesamtkosten sind mit rund 110 Millionen € veranschlagt. Der Ausstellungsbetrieb soll im Jahr 2020 wieder beginnen.

Ankündigung mit Augenzwinkern, dass die Neue Nationalgalerie für eine Weile geschlossen bleibt. Foto: Peter Becker

(13.03.2018)