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Kulturlandschaft der Spätbronzezeit im Hochgebirge des heute lebensfeindlichen Nordkaukasus

Grabhügel 2 bei Kabardinka. Foto: S. Reinhold / DAI-EA

Das Deutsche Archäologische Institut hat ein Fachbuch zur Landschaftsarchäologie bei Kislovodsk heruasgebracht

In der 2. Hälfte des 2. Jahrtausends v.Chr. kommt es in vielen Regionen Eurasiens nach einer langen Periode weitgehend mobiler Lebensweisen zu einer Reorganisation permanent sesshafter Gesellschaften. Zeichen dieses Wandels ist eine komplexe Steinarchitektur und das Wiederentstehen permanent bewohnter Dörfer. Im Nordkaukasus bei Kislovodsk untersucht das Deutsche Archäologische Institut seit 2006 eine neu entdeckte Kulturlandschaft im Hochgebirge, deren Bauten zu den spektakulärsten Beispielen solcher Architektur zählen.

Mehr als 200 Siedlungsplätze und über 60 andere Fundstellen sind in den letzten Jahren mittels moderner Fernerkundungsmethoden und Vermessung vor Ort lokalisiert und bis auf die Ebene einzelner Gebäude in einem Geoinformationssystem erfasst worden.

Die Mehrzahl der Siedlungen sind sich sehr ähnlich: sie sind etwa einen Hektar groß, haben einen symmetrischen, zumeist ovalen Grundriss, und ihre überwiegend doppelräumigen Häuser gruppieren sich um einen zentralen Platz. Alle Siedlungen wurden in einer Höhe zwischen 1.400 und 2.400 m angelegt und befinden sich somit weit oberhalb der heutigen Ackerbaugrenze. Sie liegen in offenem, flachem Gelände mit gutem Zugang zu Wasser.

Der Nordkaukasus bei Kislovodsk. Foto: Aleksandr Markin / Wikimedia Commons

Innovative neue Analysen von Bodenmikroorganismen, magnetometrische Untersuchungen und gezielte archäologische Ausgrabungen machten es möglich, Funktionsareale in den Gebäuden zu bestimmen. Damit gelang es, in den Orten multifunktionale Gebäude mit Winterställen für Vieh nachzuweisen und eines der ältesten Almwirtschaftssysteme der Alten Welt zu rekonstruieren.

Gleichzeitig ist es möglich, die Genese der Spätbronzezeit im Nordkaukasus aus neuen sozialarchäologischen und ökonomischen Perspektiven zu betrachten und die Entwicklung hin zu den blühenden Kulturen (Koban Kultur) der Eisenzeit im 1. Jahrtausend v.Chr. besser zu verstehen.

Landschaftsarchäologie im Nordkaukasus. Studien zu einer neu entdeckten bronzezeitlichen Kulturlandschaft im Hochgebirge des Nordkaukasus“, S. Reinhold – D. D. Korobov – A. B. Belinskij, Philipp von Zabern Verlag, Darmstadt, Reihe Archäologie in Eurasien 38.

Deutsches Archäologisches Institut (DAI)

(14.03.2018)