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Im neuen Foyer der Basler St. Jakobshalle liegt ein dicker Findling, der scheinbar das Dach trägt

Eric Hattan: „Unverrückbar“, Basel.

Viele Geschichten gibt es zu dem Kunstwerk von Eric Hattan zu erzählen

Wenn der Besucher das Foyer der St. Jakobshalle in Basel betritt, vielleicht mit dem Ziel, ein Konzert oder eine Ausstellung zu besuchen, fällt sein Blick unweigerlich auf einen Findling, der dort liegt und aus dem die Stütze für das Dach herauskommt.

Der Eindruck, den man hat, ist irgendwie richtig – Findlinge liegen häufig in der Schweiz herum, und ein weit gespanntes Dach braucht eine Stütze. Aber irgendwie ist die Sache auch wieder ein Fake, denn Beton kann nicht aus Naturstein herauswachsen (man sieht überhaupt keine Fugen) und so eine Konstruktion allein kann ein Dach (plus Technikgeschoss) mit 2800 t Gewicht bestimmt nicht tragen.

Nun ja. Es handelt sich ja auch um ein Kunstwerk. Es trägt den Titel „Unverrückbar” und wurde von Eric Hattan geschaffen. Der Künstler lebt in Basel und Paris und hatte sich in einem Wettbewerb durchgesetzt.

Wir wollen die technische Lösung verraten, die vom Ingenieurbüro Schnetzer Puskas stammt: im Inneren der Betonstütze verläuft ein Stahlträger, dessen ein Ende durch den Findling durchgeht und in einer Stahlschale endet. Die Verbindung ist so ausgelegt, dass geringe Schwankungen des Gebäudes oder des Untergrunds aufgefangen werden.

Dennoch: auch nach dieser Information stimmt irgend etwas weiterhin nicht.

Es ist die ungewöhnliche Form der Betonstütze, die das traditionale Prinzip einer Säule auf den Kopf stellt: das Kapitell, hier der Findling, liegt unten, wo diese Säule zudem dünner ist als oben.

Es ist das Spiel mit den Erwartungen, das den Betrachter so verwirrt: Im Gegensatz zu dem Stein, der mit 24 t Gewicht praktisch unverrückbar ist, ist die übliche Konstruktion komplett umgedreht.

Zumindest gedankliche Bewegung ist in dem Kunstwerk drin.

Eric Hattan neben „Unverrückbar“, Basel.

Hinzu kommt der Gegensatz zwischen dem Stein aus der Natur und dem Beton von Menschenhand: der Findling stammt ursprünglich aus dem Gotthardmassiv, einer der ältesten Steinformation der Erde. Er hat schon Millionen vor Jahren hinter sich, und man kann sich die Frage stellen, wie viel Zeit die 1975 erbaute St. Jakobshalle nun nach Sanierung, Modernisierung und Erweiterung wieder vor sich hat.

Und auch einen langen Weg hat der Findling schon bewältigt: er wurde von Gletschern aus dem Gotthardmassiv in den heutigen Aargau geschafft und dabei an der Oberfläche abgeschliffen. Dort lag er in einer Kiesgrube, bis Eric Hattan ihn durch Zufall entdeckte und für das Projekt nach Basel transportieren liess. Zuvor hatte der Künstler viele erfolglose Versuche gestartet, einen Brocken dieser Größe zu bekommen.

Ein Glücksfall war die Zusammenarbeit zwischen Hattan, Architekt und Stadtverwaltung: der Wettbewerb für die Kunst am Bau erfolgte so frühzeitig, dass der dicke Brocken schon zum Baubeginn auf die Baustelle kam. Anders wäre das Kunstwerk in dieser Form gar nicht möglich gewesen.

Ein bisschen aber ist der Findling an seinem neuen Ort aber doch den Bergen verbunden geblieben: „Reste von Moos und Erde haften noch in seinen Poren“, schreibt das Kanton Basel-Stadt auf einer Webpage.

St. Jakobshalle, Basel

Eric Hattan

Schnetzer Puskas

Fotos: Oliver Christe / Kanton Basel-Stadt

(28.03.2018)