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World Stone Congress während der Messe in Xiamen: Produktdesign nur noch mit Stein, statt Objekte ganz aus Stein

Schminkspiegel „Naia“ von <a href="http://www.jcp.design/"target="_blank">JCP</a>, Italien. Foto: JCPLampe „Libra“ von Chris Basias, <a href="http://www.ctlights.gr/"target="_blank">CT Lights</a>, Athen. Foto: CT Lights

In seinem Vortrag zeigte Peter Becker von Stone-Ideas.com, wie die Branche aus der aktuellen Design-Sackgasse herauskommen kann

Parallel zur Stone Fair findet jährlich auf dem Messegelände in Xiamen der World Stone Congress statt. Im Design Forum am Nachmittag des 2. Tages referierte Peter Becker über „Design mit Stein statt Design aus Stein“. Wir geben den Vortrag in den wesentlichen Aussagen wieder. Weitere Vorträge kamen von dem griechischen Designer Chris Basias und von Vertretern der US-Firma Coldspring. Wir werden beide Firmen in den kommenden Monaten vorstellen.
 

Nach rund 5 Jahrzehnten hat sich die Idee aus den 1960ern, Naturstein für Alltagsprodukte zu verwenden, in einer Sackgasse verrannt. Kern des Problem ist, dass die Akteure der Bildhauertradition anhängen, nämlich bloß schöne Formen aus massivem Stein zu schaffen.

Stein aber ist ein schwieriges Material und er kann leicht einen Gegenstand unbenutzbar machen. Für Produktdesign jedoch ist die Funktionalität eines Objektes das wichtigste Kriterium.

Design in Massivstein, gezeigt auf der Stone+tec in Nürnberg 2011. Foto: Peter BeckerDesign in Massivstein, gezeigt auf der Messe Rocalia in Lyon, Frankreich 2017. Foto: Rocalia 2017 – Elisabeth Rull & Kasia Strek

Beim Bildhauer-Design jedoch sind die Ergebnisse meistens leider erstens nicht benutzbar und lassen sich zweitens folglich nicht verkaufen.

Drittens sind die Möglichkeiten der Gestalter radikal eingeengt. Das zeigt sich dann darin, dass immer wieder bloß dieselben Objekte aus den Designstudios und den Designwettbewerben kommen.

Wer es nicht glaubt, braucht nur die Rubrik „Design“ auf Stone-Ideas.com durchzublättern. Wir dokumentieren dort seit Jahren ziemlich lückenlos, was auf den Markt gebracht wird.

Dabei gibt es immer wieder Ausnahmen, und die haben alle eine Gemeinsamkeit: sie verwenden Naturstein nur für einen Teil des Objektes. Wir nennen das „Design mit Stein“. Die 2 Beispiele ganz oben zeigen, was gemeint ist. Solche Objekte finden ihren Markt.

Interessant dabei ist, dass dieses „Design mit Stein“ keinesfalls neu ist. Schon in den 1960ern entstand nämlich neben dem unbrauchbaren Bildhauer-Design auch Alltagstaugliches.

Lampe „Arco“ von Achille und Pier Castiglioni im Palazzo delle Colonne, Mailand. Foto Peter Becker

Das beste Beispiel ist die berühmte Lampe „Arco“ von Achille Castiglioni: Stein tut hier das, was er kann, liefert nämlich ein Gegengewicht für den weit gespannten Bogen. Schön ist er obendrein.

Der Versuchung aber, etwa den Lampenschirm auch aus (dünnem) Stein zu produzieren, gab sich die Designer nicht hin.

Und deshalb hat es „Arco“ zu einem Klassiker gebracht und verkauft sich noch heute in unendlichen Variationen.

Die Herausforderung beim Produktdesign mit Stein besteht darin, den Stein materialgerecht einzusetzen.

Man mag nun einwenden, dass es bisher im Steindesign vor allem darum ging, zu zeigen, was überhaupt möglich ist.

Nun gut, dann aber sollte diese Phase des Experimentierens schnellstmöglich zu einem Ende kommen. Bildlich formuliert: die Zeit auf dem Spielplatz muss vorbei sein und sowohl Designer als auch Auftraggeber müssen erwachsen werden und verwertbare Produkte entwickeln.

Denn, so behaupten wir: die vielen einfach nur unsinnigen Objekte, die man in der Rubrik auf unserer Webpage finden kann, sind katastrophal für das Image von Marmor, Granit und Co.

Unter anderem weil auf den Natursteinmessen Unsinn am laufenden Band ausgestellt wird, machen viele Architekten und Bauherren lieber einen Bogen um das Material.

Innovatives Design mit Holz: Professor Petter Bergerud, Universität Bergen.

Nur ein einziger Blick auf eine andere Branche: auch die Holzhersteller experimentieren mit ihrem Material, natürlich. Jedoch ist es selbstredend, dass deren Ideen sich immer verwenden lassen.

(20.04.2018)