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Digitalisierung im Handwerk – viel Rauch, aber auch viel Feuer

Kommunikation und Marketing sind die Zauberworte, wie auch kleine Firmen des Handwerks davon profitieren können / Industrie 4.0 spielt sich auf einer anderen Ebene ab

Update zur neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in der EU: Kleine Firmen brauchen sich nicht unnötig aufzuregen. Wer eine Webpage hat, sollte ins Impressum ein paar allgemeine Angaben zum Datenschutz stellen, etwa die aus unserem Impressum kopieren. Merke: man muss das nicht wirklich verstehen. Wer einen Newsletter betreibt, muss sich – von Neuem – die Einverständnis der Empfänger einholen, dass man deren Daten speichern darf. Am besten, Sie speichern nur die Mail-Adresse des Empfängers, das macht alles einfach. Sichern Sie auf der Seite, wo der Leser den Newsletter bestellt, zu, dass Sie diese Daten nicht an Dritte weitergeben.
 

Digitalisierung im Handwerk ist ein großes Thema weltweit, und das gilt auch für die Steinmetze und Steinbildhauer. Aus Österreich kommt nun ein Handbuch mit dem Titel „,Steinzeit’ im Digitalen Zeitalter“, das das Thema nüchtern und ohne den üblichen englischsprachigen Brimborium angeht.

Wir nehmen die Veröffentlichung zum Anlass, die für die meisten Betriebe wirklich wichtigen Aspekte darzustellen. Einen Blick auf das große Dickicht der englischsprachigen Begriffe werfen wir am Schluss. Sie beschreiben meist Aspekte von Industrie 4.0, die für große Firmen von Bedeutung sind.

Internet und Social Media bieten kleinen und mittelgroßen Betrieben die Chance, etwas gegen ihre klassischen Schwachpunkte zu tun, nämlich mehr Kommunikation und Marketing zu betreiben, heißt es in der Broschüre. Erinnert wird in dem Zusammenhang an einen berühmten Ausspruch von Henry Ford, der einmal anschaulich erklärte, wieso Kommunikation für Firmen wichtig ist: „Enten legen ihre Eier in Stille. Hühner gackern dabei wie verrückt. Was ist die Folge? Alle Welt isst Hühnereier.“

Kommunikation bedeutet im Alltag:
* Steinmetze müssen auch in den Social Media präsent sein, weil der Kunde mit dem Smartphone sich zunächst dort auf die Suche nach einem Anbieter begibt. Jedoch brauchen diese Kanäle keineswegs dauerhaft gefüttert zu werden – es reicht, ab und zu Neuigkeiten einzustellen, zum Beispiel ein paar Bilder von einem Auftrag, den man gerade erledigt hat. Allerdings: Fotos mit dem Smartphone sind meist zu schlecht und werfen kein gutes Licht auf den Betrieb.
* Die eigentliche Recherche erledigen die Kunden via Tablet oder Computer. Das bringt sie zur Homepage des Betriebs. Entscheidend für den Handwerker ist die Frage „Was unterscheidet meine Firma von den Konkurrenten?“ Achtung: der Abstecher zur Homepage des Konkurrenten verlangt vom Kunden nur einen Klick.
* Merke: eine Homepage zu erstellen hat nichts mit Programmierung zu tun. Vielmehr werden hier einfach existierende Software-Bausteine miteinander verknüpft. Diese sind meist kostenlos im Netz zu bekommen (Open Source). Die Gebräuchlichsten sind WordPress oder Typo3. Auch die individuelle Gestaltung der Webpage verlangt keine Programmierung – sie wird mit so genannten Plugins erledigt, die ebenfalls kostenlos im Netz erhältlich sind. Eine Homepage zu bauen ist also ein Art von Puzzlespiel mit Software-Bausteinen – System-Administration ist der Fachbegriff dafür.

* Die Präsenz in den Social Media ist besonders wichtig für die Lehrlingssuche. Ein Jugendlicher, der einen Firmennamen dort nicht findet, fragt sich, ob der Betrieb überhaupt schon Telefon und Fax kennt. Junge Mitarbeiter im Betrieb wissen, wie man sich bei den Social Media anmeldet und haben gute Ideen, wie eine Firma sich dort am besten präsentiert.
* Wichtig ist auch, Bewertungsportale im Blick zu halten.

* Da Handwerksbetriebe meist nur regional aktiv sind, sind die altbekannten Formen der Kommunikation immer noch interessant. Dazu gehört Sponsoring, etwa vom Kindergarten im Ort oder lokale Werbung.

* Der Kunde von heute wünscht sich eine Visualisierung der Dienstleistung. Das gilt auch für Arbeiten in Küche und Bad und für anspruchsvolle Grabmale. 3D-Visualisierungen sind Programme, in die ein Betrieb investieren sollte.
* Im Rahmen der 3D-Visualisierung kann der Betrieb dem Kunden auch die Kosten detailliert darlegen. Auch das ist neu: der Kunde will heute bei einer Dienstleistung detailliert über die Preisgestaltung informiert werden. Sonst, das ist inzwischen nicht unüblich, erscheint er zur Abnahme mit einem Rechtsanwalt, der angebliche Fehler sucht und Preisminderung durchsetzt.

* (Stein-)Bildhauer haben mit Scanner und CNC-Maschine die Möglichkeit, ihre eigenen Werke als Kopien zu vermarkten. Wir berichten in einem separaten Text darüber.

* E-Commerce, sprich: der Webshop, wird für den Steinmetz im Regelfall kein Thema sein. Es sei denn, er ist nicht mehr Dienstleister (also Handwerker), sondern Händler (und stellt zum Beispiel nur noch die Grabmale auf, die er sonstwo eingekauft hat).

* Vielerorts können Betriebe Bewerbungen auf öffentliche Ausschreibungen nur noch online einreichen.

Zum Kauderwelsch der englischen Begriffe: Viel von dem, was sich hinter dem Schlagwort Industrie 4.0 verbirgt, machen kleinere Betriebe ohnehin schon oder ist für sie nicht relevant:
* Digitaler Workflow: alle Arbeitsplätze im Betrieb sind über einen Server miteinander verknüpft. Jeder kann sich jederzeit über den Stand der Dinge informieren;
* Enterprise-Resource-Planning (ERP): die verschiedenen Ebenen der Produktion sind miteinander vernetzt; die Maschinen tauschen Informationen untereinander aus. Smart Factory ist ein anderer Begriff dafür;
* Beim Customer-Relationship-Management-System (CRM) werden alle Kontakte zum Kunden über eine Datenbank abgewickelt;
* Document-Management-System (DMS): alle Dokumente sind digital in einer Datenbank abgelegt;
* Tracking: Firmen können verfolgen, auf welcher Baustelle sich wichtige Werkzeuge gerade befinden;
* Predictive Maintenance: Werkzeuge können selber auf anstehende Wartungszyklen oder Probleme wie Überhitzung hinweisen;
* Flotten-Controlling: die Software hilft, die Fahrzeuge optimal zu planen;
* Building Information Management (BIM): alle Abläufe auf einer großen Baustelle sind in einer Datenbank registriert und alle Beteiligten werden über Änderungen sofort informiert. Nach Ende der Bauzeit hat der Bauherr ein wichtiges Archiv;
* Big Data bezeichnet das Sammeln von Informationen über den Kunden, um ihm immer wieder passende Produkte anzubieten. Das Fall Facebook/Cambridge Analytica lässt das ganze Ausmaß ahnen.

Broschüre „,Steinzeit’ im Digitalen Zeitalter“, download beim Steinzentrum Hallein

In einer späteren Ausgabe von Stone-Ideas.com werden wir uns mit Vermittlungs-Portalen für Handwerker beschäftigen.
(24.05.2018)