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„Kopf und Hand arbeiten beim Handwerker fein aufeinander abgestimmt zusammen“

Erfahrungswissen befähigt auch zum Perspektivenwechsel, wie hier an einer Orgel demonstriert. Foto: Reiner Janke

Ein Forschungsprojekt an der Universität Göttingen fragt nach, worin eigentlich das spezielle Knowhow der vielen Spezialisten in kleineren Betrieben besteht

Was ist die Besonderheit an der Art und Weise, wie Handwerker arbeiten? Dieser Frage ist Prof. Dr. Kilian Bizer, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Göttingen, nachgegangen. In seiner Antwort stellt er ein spezielles „Können“ in den Mittelpunkt: durch eine hochwertige Ausbildung und jahrelange berufliche Erfahrung sei eine besondere Form der Kompetenz entstanden.

Bildlich ausgedrückt: die Daseinsberechtigung der Handwerker rührt vor allem aus ihrem Knowhow, sich auf der Baustelle und in der Werkstatt ständig neuen Herausforderungen zu stellen und immer wieder machbare Lösungen zu finden.

Nicht die Routine kennzeichnet den Alltag in den Gewerken, sondern die pfiffige Problemlösung.

Dieses Knowhow mache den Handwerker „zukunftsfähig“, wie es die Kulturanthropologin Prof. Dr. Regina Bendix formuliert.

Besonderheit sei, dass der Erwerb dieses Knowhows bei der Arbeit selbst erfolge – in einem „Zusammenspiel von Körper, Sinnen und Denken“, so die Wissenschaftlerin.

Die Erkenntnisse stammen aus dem Forschungsprojekt „Objekte der Könner. Materialisierungen handwerklichen Erfahrungswissens zwischen Tradition und Innovation“ (OMAHETI) an der Uni Osnabrück, an dem zahlreiche Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen beteiligt waren.

Anhand zweier sehr unterschiedlicher Bereiche des Handwerks – dem Orgelbau und dem Lehmbau – zeigten die Forschenden, was erfahrungsbasiertes Wissen ausmacht und wie daraus Neuerungen entstehen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hatte für drei Jahre die Mischung aus Feldforschung, Befragungen und Exprimenten zum Beispiel zur Weitergabe von Wissen gefördert.

Auf der Grundlage der Erkenntnisse sind 2 Dokumentarfilme entstanden, die für die Aus- und Weiterbildung im Handwerk geeignet sind, aber auch einer breiten Öffentlichkeit Einblick in die Bedeutung handwerklichen Erfahrungswissens und Könnens geben. „Sie erzählen auf eindrückliche Weise Geschichten besonderer Könnerschaft und Innovationskraft von Handwerkern, die darauf basieren, dass Kopf und Hände fein aufeinander abgestimmt zusammenarbeiten“, erklärt Dr. Dorothee Hemme vom Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie.

Die Filme „Lehm: Baustoff der Zukunft“ und „Klang und Intonation: Erfahrungswissen von Rainer Janke“ sind auf dem YouTube-Kanal der Universität Göttingen unter der Playlist Kulturanthropologie zu sehen.

In einem weiteren Schritt sollen nun Ausstellungen entwickelt werden, die unter dem Titel „Ihr wisst mehr, als ihr denkt!“ das Potenzial von Erfahrungswissen vermitteln. Zielgruppe sind auch Jugendliche.

Wer an den Ausstellungen interessiert ist, kann sich an Katharina Kastendieck wenden, Fundraising der Universität Göttingen (Mail).

Forschungsprojekt „Objekte der Könner“ (OMAHETI)

Universität Göttingen, Playlist Kulturanthropologie

(24.05.2018)