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Steine zwischen Wissenschaftsobjekt und Urlaubsziel: Geotop-Tagung 2018

Schloßberg Flossenbürg, Ansicht von Norden, ehemaliger Steinbruch mit Burgruine Flossenbürg, so genannter „Zwiebelschalengranit“, im Geopark Bayern-Böhmen. Foto: Markus Fritsch / Wikimedia Commons

Geotope und Geoparks wollen Gesteine in Felsen oder Höhlen und genauso auch in Brüchen oder Bergwerken den Menschen nahebringen

Geoparks sind so etwas wie Naturparke mit dem Schwerpunkt auf Geologie: mittelgroße Räume, zumeist mehrere Landkreise überstreichend, die sich durch besondere geologische Phänomene („Geotope“) auszeichnen und die sich darum bemühen, diese geologischen Erscheinungen den Besuchern erklärend zu präsentieren.

Alljährlich treffen sich Wissenschaftler und Akteure aus den Geoparks in Deutschland zur so genannten Geotop-Tagung, um sich über die neuesten Entwicklungen in ihrem Gebiet der Wissenschaftsvermittlung auszutauschen. Das diesjährige Treffen fand vom 3. bis 6. Mai 2018 im oberfränkischen Selb statt, ausgerichtet vom dortigen Nationalen GeoPark Bayern-Böhmen (der – weil grenzüberschreitend – zugleich ein internationaler Geopark ist).

Geoparks nutzen die Faszination der Felsen, Höhlen, Steinbrüche, Bergwerke u.v.a., um Gäste in die Region zu locken – und um über die Entstehung, das Alter, die Veränderungen und auch die Bedrohungen, denen die Geo-Attraktionen ausgesetzt sind, in Kenntnis zu setzen. Sie fungieren als ganz besondere Institutionen der Wissenschaftskommunikation – in den Urlaubsregionen ihrer Besucher.

Dies geschieht durch Informationszentren als Anlaufstellen, durch Geopfade mit Schautafeln im Gelände, durch QR-Codes auf den Schildern, die das Wissen über das Mobiltelefon erreichbar machen, durch Publikationen, geführte Wanderungen, Vortragsveranstaltungen und anderes mehr.

Die Geotop-Tagung 2018 mit rund 100 Teilnehmern war vor allem der Arbeit der Geoparks mit Schulen gewidmet: „Geotope als außerschulische Lernorte studieren, erleben und inszenieren“ war das Thema. In ihrem Auftaktvortrag berichteten Dr. Roland Eichhorn und Rosemarie Loth vom Geologischen Dienst beim Bayerischen Landesamt für Umwelt über die Goldsucherzeiten in Nordbayern, denen heute noch in Goldkronach und an anderen Stellen in ehemaligen Gruben und Museen nachgespürt werden kann.

Iris Bohnacker präsentierte die besonderen Chancen, die die eindrucksvollen Karsthöhlen im UNESCO-Geopark Schwäbische Alb bieten, wenn es um die Vermittlung geowissenschaftlicher Kenntnisse in die Gesellschaft geht (über Kalkstein und dessen Lösungsverwitterung und darüber, dass der Kalk einmal als Ablagerung eines tropischen Flachmeeres entstand).

Jutta Weber vom UNESCO-Geopark Bergstraße-Odenwald beschrieb, wie diese Arbeit für Schulen auch die Globalen Nachhaltigkeitsziele der UN einbezieht.

Höhepunkte der Geotop-Tagungen sind stets die fachlich ausgerichteten Exkursionen in die Umgebung. Von Selb aus führte Georg Loth vom Geologischen Dienst Bayern zu drei besonders markanten Bergen der Oberpfalz: dem granitenen Schlossberg von Flossenbürg, dem Quarzbergstock des Kreuzberges in Pleystein und dem Basaltfelsen des Parkstein. Die beiden erstgenannten Berge sind Relikte der unterirdischen Kristallisation von Gesteinsschmelzen in einer früheren Gebirgsbildungsphase, der Variskischen Gebirgsbildung, die vor mehr als 300 Millionen Jahren begann, bei der Bereiche wie der heutige Oberpfälzer Wald als Hochgebirge geformt wurden. Das aufliegende Gestein wurde in den darauffolgenden Jahrmillionen abgetragen, die widerständigen Felsen dabei herauspräpariert.

Der Parkstein hingegen ist der Rest eines verhältnismäßig jungen Vulkanschlotes; an seiner Schauseite zeigt er besonders gut ausgebildete Säulenbasalte. Im Sinne der Idee der Geoparks sind an allen drei Felsen kleine geowissenschaftliche Ausstellungen eingerichtet worden, die die Entstehung und weitere Entwicklung der Berge anschaulich erklären.

Das Granitlabyrinth in Kirchenlamitz im Geopark Bayern-Böhmen. Foto: Benreis / Wikimedia Commons

Der Geopark Bayern-Böhmen besteht aus drei Teil-Geoparks: einer in Deutschland (in vier Landkreisen Oberfrankens bzw. der Oberpfalz) und zwei auf der tschechischen Seite. Der Leiter des deutschen Teils des Geoparks und zugleich Hauptorganisator der Tagung, Dr. Andreas Peterek, hatte für die Tagungsteilnehmer eine weitere Exkursion zu wichtigen Geo-Orten auf der tschechischen Seite konzipiert. Diese präsentierte den Egergraben als wichtige Einheit jüngerer Erdbewegungen: „Hier bauen die Bundesrepublik Deutschland und die Tschechische Republik: einen neuen Ozean“.

In der Tat wissen wir heute (zusammengefasst in einer berühmten Theorie des kanadischen Geowissenschaftlers John Tuzo Wilson), dass diese Rift-Valleys die Keimzellen für Ozeane bilden. Aber der Weg dahin ist weit; in der Geologie geht es um Jahrmillionen.

Dass sich die Erde hier stärker bewegt als anderswo allerdings beweisen häufige „Schwarm-Erdbeben“ in der Region und der jüngere – und sogar aktuelle – Vulkanismus: Zwischen Eger und Karlsbad kann man in Wiesen und Wäldern sogenannte „Mofetten“ finden, Löcher, aus denen CO2 ausströmt. Und unterwegs trifft man auch auf die großen Gelehrten aus der ersten Reihe der Geowissenschaftler, die Anfang des 19. Jahrhunderts hier forschend tätig waren: Alexander von Humboldt und – immer wieder – Johann Wolfgang von Goethe, der gerade auch auf der tschechischen Seite intensive Würdigung erfährt: Geologie als grenzüberschreitendes Freundschaftsprojekt.

GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung, Kontakt: Dr. Christof Ellger, Mail.

(24.05.2018)