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London Calling: auf Einladung der britischen Stone Federation waren Euroroc-Mitglieder auf der Insel zu Besuch

Unterirdischer Steinbruch von Albion Stone. Foto: Albion Stone

Themen waren: Albions Steinbrüche für Portland Kalkstein, die Naturstein-Highlights in der Hauptstadt und Großbritanniens Steinbranche

Professor Gerd Merke, Generalsekretär des Dachverbands der Europäischen Natursteinorganisationen Euroroc, schickte uns den folgenden Bericht:

„Am Mittwoch, 2. Mai 2018, trafen wir uns an der Waterloo Station. Unser Präsident Peter Harrison begrüßte uns persönlich und kam mit zu unserem Besuch in Portland. Der Geschäftsführer von Albion Stone, Mr. Michael Poultney, breitete die Geschichte des Familienbetriebes vor uns aus. In den letzten Jahren ist die Firma vom Abbau an der Oberfläche in den Bergbau gewechselt. Das macht es möglich, dass Albion die Umweltbelange bei seiner Gewinnung erheblich verbessern konnte.

Portland Kalkstein für den Bau ist heute eine wirtschaftliche und nachhaltige Größe und kann mit zahlreiches Vorteiles gegenüber anderen Materialien punkten.

Die Kalkstein-Produktion von Albion Stone ist heute die technisch modernste in ganz Großbritannien und verfügt über eine eigene Verarbeitung. Erzeugt werden hochwertige Produkte für Fassadenverkleidungen und -mauern, Bodenbeläge oder künstlerische Arbeiten und spezielle Ausführungen.

Im Kern der Qualitätssicherung steht die Norm ISO 9001. Albion Stone ist auch durch die Norm für Umweltmanagement ISO 14001 zertifiziert. Bei der Beurteilung nach dem britischen BES 6001, wo der Fokus auf Gewinnung und Herkunft der Materialien liegt, erreicht Albion die Stufe „Excellent”.

Seit über 1000 Jahren haben Architekten und Designer den Portland Kalkstein verwendet. In London sind viele Gebäude damit errichtet, etwa das Banqueting House oder, das bekannteste: St Paul’s Cathedral.

Dabei ließen sich die jeweiligen Architekten bei ihrer Materialwahl nicht nur von ästhetischen Aspekten leiten: die enorme Druckfestigkeit macht den Portland Stone ideal für tragende Strukturen, seine enorme Härte erlaubt Pflasterungen selbst in verkehrsreichen Zonen. Genauso ist er ideal für Bildhauerei, Skulpturen und Grabmale.

Neue Verwendungen etwa in der Green Park U-Bahn-Station, im Bulgari Hotel oder am Eagle Place haben Preise bekommen.

London und seine Naturstein-Highlights

Am nächsten Tag traf sich die Gruppe zu einem Architekturspaziergang durch London mit Peter Harrison als Guide. Er zeigte uns viele Gebäude, Bodenpflaster oder Denkmäler, für die der Naturstein meist aus der Umgebung herangeschafft werden musste. Denn London hatte nie ausreichend geeigneten Stein auf dem Stadtgebiet parat.

Startpunkt der Tour war der Paternoster Square. Von dort ging es zur Foster Lane, der Gresham Street dann durch Guildhall Yard zur dortigen Bücherei.

Im Folgenden einige der Ziele, die wir ansteuerten:

Blick auf Temple Bar Gate, von der St. Paul’s Cathedral aus. Foto: Nessy-Pic / Wikimedia Commons

Temple Bar Gate war 1672 als Zugang zur City of London errichtet worden. Es gibt zahlreiche blutige Geschichten zu ihr zu erzählen, etwa dass dort auf Spießen die Köpfe und andere Körperteile von exekutierten Verrätern präsentiert wurden.

Als der Verkehr rund um London immer stärker wurde, ließ man 1878 das massige Tor Stein für Stein abbauen und genauso im Theobalds Park außerhalb der City wieder aufbauen. Dort geriet es in Vernachlässigung und litt alsbald stark unter Vandalismus. Wieder folgte ein Abriss Stein für Stein und ein erneuter Wideraufbau, diesmal als Zugang zum Paternoster Square. Peter sieht in der Geschichte einen Beweis für die Dauerhaftigkeit, die dem Stein zu eigen ist.

Paternoster Square, Aufnahme von der St. Paul’s Cathedral aus. Foto: Benjamin D. Esham / Wikimedia Commons

Auf dem Paternoster Square ist die Säule der Mittelpunkt. Sie wurde von Sir William Whitfield entworfen und ist angeblich eine Kopie jener Säulen, die Inigo Jones für die ursprüngliche St Paul’s Cathedral verwendet hatte. Die Urne an der Spitze erinnert an Londons Großes Feuer aus dem Jahr 1666 und an den Luftangriff der Deutschen im Dezember 1940. Eigentlich sollten Flammen an der Spitze züngeln, jedoch wurde das nie realisiert. Erwähnenswert ist, dass der Schaft der Säule von vorgespannten Stahlseilen zusammengehalten wird. Das Material ist Portland Stone. Für die Wasserwände wurden Platten aus De Lank Cornish Granit verwendet.

Der Belag auf dem Pflaster drumherum besteht aus Granit und York Naturstein. Beim York handelt es sich um die Sorte Crosland Hill, die aus einem 1854 in Huddersfield erschlossenen Steinbruch stammt. Lieferant war die Firma Johnson Wellfield. Der Granit ist De Lank vom Bodmin Moor. Dieser Bruch wird seit ungefähr 150 Jahren betrieben.

20 Gresham Street. Fotos: Kohn Pederson Fox20 Gresham Street.

Schließlich: 20 Gresham Street ist ein Bürogebäude, das die Architekten von Kohn Pederson Fox entworfen haben. Außen hat es keinen Naturstein, aber im Inneren gibt es die Wand hinter der Rezeption mit einem spektakulären Design mit römischem Travertin aus Brüchen in Tivoli. Die Gestaltung und die Installation der Steinplatten wurde 2010 mit einem der Natural Stone Awards ausgezeichnet.

Besuch hinter den Kulissen von St Paul’s. Foto: Euroroc

Ein Blick hinter die Kulissen von St Paul’s

Am letzten Tag folgte ein Besuch hinter den Kulissen der St Paul’s Cathedral. Diesmal führte uns Oliver Caroe vom Architekturbüro Caroe Architecture, Inspektor bei der Dombauhütte.

Der berühmte Kirchenbau thront auf dem Ludgate Hill, Londons höchstem Punkt. Die Kathedrale wurde hier nach dem Großen Feuer wieder errichtet. Architekt war Sir Christopher Wren, unter dessen Anleitung sie zwischen 1675 und 1710 mit Portland Stone neu entstand.

In den Epochen zuvor war der Kalkstein vor allem im London Tower (1349) oder für die London Bridge (1350) verwendet worden. Mit der Banqueting Hall und White Hall (1610) durch Inigo Jones und danach mit der St Paul’s Cathedral war der Stein fortan sehr populär.

St. Paul’s Cathedral. Foto: Mark Fosh / Wikimedia Commons

Am Donnerstag Nachmittag hatten wir unser Euroroc-Meeting. Schauplatz waren die Räumlichkeiten der Firma Sandberg, einem führenden Unternehmen für Consulting und Testverfahren, das Mitglied der Stone Federation GB ist. Themen waren: Soja-Milch (Namensklau durch konkurrierende Materialien), das Treffen der Raw Materials Supply Group im Juni, die EIP-Woche im kommenden November, das European Network for Sustainable Quarrying and Mining (ENSQM) sowie Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz in Natursteinbetrieben.

Euroroc dankt ausdrücklich allen Mitgliedern der Stone Federation, die an dem Besuch beteiligt waren, für ihre Gastfreundschaft und das wunderbare Programm. Dank geht insbesondere an Jane Buxey, Chief Excutive (Geschäftsführerin) der Federation, Matt Robb, zuständig für digitale Medien, sowie Sara und Amy.

Last but not least: ,Echte Zuneigung geht durch den Magen’ und so gab es ein Lunch bei Browns, Covent Garden, ein Galadinner bei Threeneedles und einen großartigen Afternoon-Tea in der Krypta von St Paul’s.“

Euroroc

London und seine Naturstein-Highlights als pdf

(13.06.2018)