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Das Gestein des Jahres 2018 ist die Steinkohle, die Grundlage des Wohlstands in den Industrieländern war

Die „Steile Lagerung“ von Max Kratz (1989) hinter dem Hbf Essen soll an die Mühsal der Bergleute erinnern.

Das Schwarze Gold brachte um 1800 die Wirtschaften in Schwung und schob gleichzeitig den heutigen Klimawandel an

Das Gestein des Jahres 2018 ist die Steinkohle. „Klimaindikator der Vergangenheit oder Schwarzes Gold der Wirtschaft – allerdings auch Klimakiller der Gegenwart. Die Beurteilung verändert sich je nach fachlichem Blickwinkel, ob naturwissenschaftlich, wirtschaftshistorisch oder vom aktuellen gesellschaftspolitischen Standpunkt“, schreibt der Bundesverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) auf seiner Webpage.

Wir fügen hinzu: Steinkohle ist auch ein Archiv der Erdgeschichte, da dort zahlreiche Abdrücke von Pflanzenarten konserviert sind. Was diesen Aspekt betrifft, verhält sich die Menschheit der Gegenwart wie ehemals die Vandalen, die in Rom sprichwörtlich hausten: bisher hat die Menschheit noch nicht einmal ansatzweise gelernt, in dem Material so wie in Büchern zu lesen, aber schon verfeuert sie es.

Ausgangspunkt der Steinkohle war die Moorvegetation vor 360 bis 300 Millionen Jahren. Diese Phase der Erdgeschichte trägt treffend den Namen „Karbon“. Typische Pflanzen jener tropischen Phase waren gewaltige Schachtelhalme oder Siegelbäume.

Aus deren Ablagerungen entstanden dicke Schichten, die in großen Tiefen über Jahrmillionen durch Druck und Hitze zu Kohle umgewandelt wurden.

Die Steinkohle gab dem Industriezeitalter den entscheidenden Schub. Dafür aber musste die Menschheit zuvor viel technisches Knowhow entwickeln: das war zum einen der Bergbau in großen Tiefen und zum anderen die Verhüttung.

Vor 1800 konnte Eisenerz nämlich nur mit Holzkohle geschmolzen worden. Diese Art der Verhüttung hatte schon im Mittelalter etwa im Silberbergbau im Harz zur Abholzung der Wälder geführt.

Um 1790 entwickelte der Engländer Abraham Darby I. ein Verfahren, mit dem man die Steinkohle als Energieträger einsetzen konnte. Von dieser Art von Kohle hab es genug, in geringeren Mengen sogar direkt an der Erdoberfläche. Allerdings mussten Wege gefunden werden, vor allem den Schwefel aus den Verbrennungsgasen herauszufiltern.

Darbys Verfahren war die Verkokung, vergleichbar einer Destillation. Hierbei werden unter Ausschluss von Sauerstoff die unerwünschten Stoffe der Kohle entzogen. Koks ist Edelkohle, sozusagen.

In jener Zeit machten sich die Kontinentaleuropäer in Scharen auf nach England, um Darbys Technologie zu lernen, sprich: um sie zu klauen. Preußen war dabei besonders erfolgreich und begründete mit der Kohle aus Schlesien und aus dem Ruhrgebiet die deutsche Stahlindustrie.

Mit der Eisenbahn, die in England 1830 erstmals fuhr (in Deutschland 1835 von Nürnberg nach Fürth) kam eine ungeheure Bewegung in die Wirtschaft. In dieser mobilen Dampfmaschine wurde die Steinkohle nun auch für Transportzwecke verfeuert.

In der Folge entwickelten die Europäer ihre Sozialpolitik, und allmählich entstanden die modernen Staaten mit ihrer wohlhabenden Mittelschicht.

Gestein des Jahres 2018

Bundesverband Deutscher Geowissenschaftler

Im Unesco-Weltkulturerbe Zeche Zollverein findet noch bis zum 11. November 2018 die Ausstellung „Das Zeitalter der Kohle“ statt.

(16.06.2018)