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Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica mit Sandstein-Ringmauer und -Baldachin saniert

Unübersehbar ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica. Foto: Peter Becker

Perfekte Inszenierung: am Weserdurchbruch zwischen Wiehen- und Wesergebirge sollte der Reichsgründer weit über sein Land schauen

Unübersehbar ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica schon aus der Ferne und unvergleichbar ist der Ausblick von oben, den man nun nach der Sanierung wieder genießen kann. Der Standort breitet vor den Gästen eine lange Geschichte aus: sie reicht von der Eiszeit, als die Weser sich einen Durchbruch zwischen Wiehen- und Wesergebirge schuf, geht weiter mit den Römern, die in der Nähe ein Marschlager unterhielten, und kommt über Preußens Pathos zur Zeit der Nazis, als unter der Anlage in einem Stollen Zwangsarbeiter elendig schuften mussten.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist Bestandteil der „Straße der Monumente“, die 7 Denkmäler in Deutschland verbindet und gilt als das zweitgrößte solcher Bauwerke. Naturstein ist das prägende Material: Obernkirchner Sandstein wurde für die Ringmauer verwendet und Portaer Sandstein für den Baldachin über der Kaiserstatue. Vorherrschend ist der Zyklopenstil mit grob behauenen Steinbrocken, wie er damals Mode war.

Erbaut wurde das Denkmal von 1892 bis 1896 nach einem Entwurf des Berliner Architekten Bruno Schmitz. Dessen Aufgabe war es, Reichsgründer Wilhelm I. durch ein monumentales Bauwerk zu würdigen.

Die Provinzial-Regierung für Westfalen in Münster hatte ihren spektakulären Standort am steil abfallenden Wittekindsberg über dem Fluss flugs ins Gespräch gebracht.

Für den Bau stellte der Westfälische Provinziallandtag 500.000 Goldmark zur Verfügung. Regierungsbezirke und private Geldgeber spendeten über 300.000 Goldmark, wie es in einer Beschreibung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) heißt. Der ist heute Eigentümer des Denkmals und hatte 2015 die dringende Sanierung beschlossen.

Denn schon kurz nach der Einweihung im Jahr 1896 waren Bauschäden aufgetaucht: um die Kosten im Rahmen zu halten, hatte man nämlich die gewaltige Baumasse am heiklen Hang nur unzureichend im Fels verankert.

In der Nazi-Zeit schufteten Zwangsarbeiter im Berg darunter, und nach dem Ende des Krieges sprengten die Briten den Eingang zum sogenannten Denkmalstollen. Das führte zu neuen Klüften und Spalten.

Diesmal wurde die Anlage mit 270 Kleinbohrpfählen und 3.800 t Zement neu gegründet. 27.000 m³ war die Baugrube groß, rund 22 Monate dauerten die Arbeiten.

Luftbild des Kaiser-Wilhelm-Denkmals mit der wiederhergestellten Ringmauer. Foto: LWL/Hübbe

Als eine der Maßnahmen wurde der Ringsockel unter dem Denkmal gesichert. Dabei setzte Architekt Gundlar Zileder in die alten Rundbögen Fenster ein, so dass nun dahinter ein Restaurant mit Panoramablick den Besuchern offensteht.

Neu entstanden ist auch ein Besucherzentrum, das die Geschichte des Ortes erzählt.

Von der Terrasse führt eine doppelläufige Treppe zum Denkmal, wo die Bronzeskulptur des Kaisers unter einem Baldachin aus Stein thront. Zweifellos: Wenige Orte eignen sich besser, um einen Herrscher pompös über sein Land blicken zu lassen, ohne dass man der Figur gleich einen Verlust an Bodenhaftung nachsagen müsste.

„Insgesamt wurden über 1.500 Tonnen Naturstein handwerklich verarbeitet“, schreibt der LWL. Viele kleine Details lohnen die Betrachtung, etwa die wiederhergestellten Wasserspeier.

Die Kaiserstatue unter einem Baldachin aus Portaer Sandstein. Foto: WLV, Münster

Die Botschaft des neuen Denkmals stellte LWL-Direktor Matthias Löb bei einem Pressetermin klar. „Es ging nicht darum, dem Kaiser zu alter Herrlichkeit zu verhelfen. Das hatte sein Enkel Wilhelm II. gewollt. Wir wollten zwei Dinge: erstens das Denkmal historisch einordnen und zweitens Touristen in die Region ziehen.“ Gerechnet wird mit zirka 150.000 Gästen pro Jahr.

Die Natursteinarbeiten führten die Firmen Wesling Obernkirchener Sandstein GmbH, Obernkirchen und Bernd Dirks, Steinmetz aus Billerbeck, aus.

Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)

Geotop Weserdurchbruch Porta Westfalica

(14.07.2018)