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„Stone Sector 2018“ der IMM Carrara: „Roadmaps“ (Wege), um den Marmor und die Branche konkurrenzfähiger zu machen

Fortschritt, so glaubte man in Zeitalter der Dampfmaschine, würde erreicht durch Geschwindigkeit, Technik und Eisen. Skulptur vor dem Eingang des Technoseums in Mannheim.

Nanotechnologien zur Verbesserung der Oberflächen und mehr Verwertung der Reststoffe werden als Möglichkeiten genannt

Der Naturstein muss in seinen Materialeigenschaften besser werden. Das ist eine der zentralen Aussagen im „Stone Sector 2018“, jener Marktanalyse, die die IMM Carrara jährlich für die heimische Steinbranche erstellt. Der Hintergrund der Forderung nach einem durch Technologie verbesserten (Natur)Stein ist die Konkurrenz durch Keramik und Engineered Stone: jene würden im Konkurrenzkampf immer stärker ihre „größere Härte und Haltbarkeit“ herausstellen, heißt es in der Studie, wohingegen der Stein oft als „heikel für die Benutzung in Innenräumen und generell schwierig zu verwenden“ gelte.

Für Nanotechnologien und neue Oberflächenbehandlungen spricht sich eine Arbeitsgruppe aus, die die IMM Carrara eingerichtet hatte. Die Empfehlungen sind unter dem Titel „Innovationen für die Natursteinbranche“ im Anhang der Marktanalyse zusammengestellt.

Wohlgemerkt: es geht hier um Empfehlungen für die Branche mit den Zentren Carrara und Massa. Schließlich gäbe es – andere – Steinsorten, die die gewünschten Eigenschaften schon mitbringen. Nur sind die nicht der Marmor aus der Toskana.

Italiens Natursteinexporte im Jahr 2017.

Sechs strategische Wege („Roadmaps“) hat die Arbeitsgruppe identifiziert. Wir zählen sie in der Reihenfolge auf, in der sie genannt werden:
1) Verwertung des hohen Anteils an Reststoffen sowohl aus der Steingewinnung als auch aus der -verarbeitung. Im Fokus steht vor allem das Steinmehl aus dem Zersägen der Blöcke. Angemahnt wird, eine Technologie für ein trockenes Sägen zu entwickeln.
2) Vermeidung von Abfall. Gebraucht würden spezielle Harze, mit denen schon im Steinbruch ganze Bänke gefestigt werden könnten. Natürlich müssten diese Harze unabhängig von der Temperatur vor Ort einsetzbar sein.
3) Stein müsste verstärkt auch in Alltagsprodukten Verwendung finden. Solche Objekte müssten maschinell in Serienproduktion hergestellt werden. Die Entwicklung der Produkte müsste mit der Entwicklung von geeigneten Robotern einhergehen.
4) Verbesserung der physikalisch-mechanischen Eigenschaften von Stein und seinen Oberflächen durch umweltfreundliche Behandlung zum Beispiel mit Nanotechnologien. Verbesserter Schutz von wertvollen Kulturwerken aus Stein.
5) Automatisierung der Produktion.
6) Verbesserte Sicherheit an den Arbeitsplätzen in der Steinbranche etwa durch Sensoren (Brillouin Scattering Technology).

Die größten Exportländer für Naturstein im Jahr 2017.

Wie üblich gibt es auch in dieser Ausgabe des „Stone Sector“ eine tief gehende Analyse der weltweiten Natursteinwirtschaft. Hier einige Stichpunkte:
* 2017 betrug der Handel mit Natursteinprodukten 88,1 Millionen t mit einem Wert von 23,5 Milliarden €.
* Im Vergleich zum Vorjahr gab es bei den Exporten weltweit nach Menge einen Anstieg um kräftige +14%, der jedoch mit einem fast gleichbleibenden finanziellen Ergebnis (+1,6%) einherging.
* China ist beim Export der größte Player mit einem Marktanteil von 34,4%. Im Vorjahr hatte der Anteil noch 40% betragen.
* Führend bei den Importen ist ebenfalls China (2,378 Milliarden €, +25,4%), gefolgt von den USA (2,211 Milliarden €, -2,95%). Allerdings führt China fast ausschließlich Rohblöcke ein, die USA fast ausschließlich Endprodukte.
* Es folgen mit deutlichem Abstand Südkorea (761 Millionen €), Japan (467 Millionen), Indien (344 Millionen), Deutschland (336 Millionen), Italien (317 Millionen), United Kingdom (236 Millionen), Kanada (232 Millionen) und Frankreich (215 Millionen).

Die Natursteinexporte Italiens im Jahr 2017 beliefen sich auf 3.878.171 t mit einem Wert von 1.990.145.140 €. Wie schon im Vorjahr wurde die magische Marke von 2 Milliarden € trotz gestiegener Tonnage knapp verfehlt.

Die größten Importländer für Naturstein im Jahr 2017.

Italien ist weiterhin Marktführer bei Endprodukten, vor allem solchen der Luxusklasse. „Italiens Steinprodukte brauchen hier keine Konkurrenz zu fürchten“, schreibt Manuela Gussoni, Autorin der Studie und bis vor kurzem Chefin der Forschungsabteilung der IMM Carrara.

Länder, die 2017 das höchste Wachstum bei den Einfuhren von Naturstein erzielten.

Allerdings ging auch bei Italien der Export an Rohblöcken hoch, weshalb gleichzeitig der erzielte Durchschnittspreis fiel.

Im Jahr 2017 zählte Italiens Steinbranche insgesamt 10.373 Firmen mit 41.094 Beschäftigten. Der Großteil davon (9.313 Firmen mit 33.629 Beschäftigten) waren Firmen, die in der Verarbeitung der Steine tätig waren.

Bezugsquelle: „Stone Sector 2018, 116 Seiten auf italienisch und englisch, kann in Kürze als pdf (8 €) heruntergeladen beziehungsweise als Print (10 €) bezogen werden.

Exportzahlen Italien 2017

Tabellen: Stone Sector 2018

Autor: Peter Becker