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Die Parker Sonnenmission der Nasa soll in der Millionen Grad heißen Korona Messungen vornehmen

Künstlerische Darstellung der Sonde vor der Sonne, noch in riesiger Entfernung. Der Stern hat einen Durchmesser von etwa 1,4 Millionen km, die Sonde hat etwa die Größe eines Autos. Quelle: NASA/Johns Hopkins APL

So nah ist noch nie ein Menschen-gemachtes Objekt unserem Zentralstern gekommen / Dem Griechen Ikarus bescherte die Hitze schon weit entfernt den Absturz

Seit dem 11. August 2018 ist die Nasa-Sonnenmission „Parker Solar Probe“ auf ihrem Weg zu unserem Zentralstern, um dort ein Mysterium der Korona aufzuklären: die Atmosphäre der Sonne wird nämlich mit zunehmender Entfernung von der Oberfläche immer heißer.

Wissenschaftler bezeichnen das Phänomen als Problem der Korona-Heizung (coronal heating problem): während auf der Oberfläche der Sonne Temperaturen von um die 5500 Grad Celsius herrschen, sind es etwa knapp 2000 km darüber in der Korona um die 1,1 Millionen Grad C. Für Astrophysiker ist das eine der großen Fragen ihrer Wissenschaft.

Um Antworten zu geben, wird die Parker-Sonde sich näher an die Sonnen heranwagen als jemals ein Menschen-gemachtes Objekt – dem Griechen Ikarus waren die Flügel aus Federn und Wachs schon in sehr viel größerer Distanz geschmolzen.

„Wir haben die Sonne während Jahrzehnten beobachtet, und nun gehen wir dorthin, wo sich alles abspielt“, sagte ganz cool Alex Young vom Nasa Goddard Space Flight Center bei einer Pressekonferenz.

Unsere Sonne ist sehr viel komplexer als die leuchtende Scheibe, die wir mit bloßem Auge am Himmels sehen. Sie schickt permanent energiereiche Partikel durchs All, die die Umwelt bis weit hinter Pluto prägen. „Weltraumwetter“ (Space Weather) ist der populäre Titel für diesen Teilchenstrom, der großen Schwankungen unterliegt.

„Bisher verstehen wir nicht wirklich, was den Sonnenwind zu uns treibt, und jetzt wollen wir das mal genauer untersuchen,“ sagte Nicky Fox, vom Johns Hopkins University Applied Physics Lab in Laurel, Maryland bei der Pressekonferenz.

Die Parker-Sonde ist das Werkzeug, um 3 fundamentale Fragen zu klären:
* die Erste dreht sich um die extrem hohen Temperaturen in der Korona;
* die Zweite will die Beschleunigung des Sonnenwinds untersuchen: der wird nämlich – vermutlich in der Korona – auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt, die Sonde soll hierzu Messungen an Ort und Stelle vornehmen;
* die Dritte dreht sich um die Beschleunigung der Sonnenteilchen, die mit mehr als halber Lichtgeschwindigkeit von dem Stern wegschießen und zum Beispiel Satelliten außerhalb des Magnetfelds der Erde beeinträchtigen können.

Die Sonnenkorona, wie sie sich während der totalen Finsternis 2017 zeigte. Das Foto wurde am 21. August von einem Nasa-Gulfstream-III-Flugzeug aus etwa 12.000 km Höhe über der Küste des US-Bundesstaates Oregon aufgenommen. Foto: NASA's Goddard Space Flight Center/Gopalswamy

Drei technische Innovationen sollen der Sonde helfen, die außergewöhnlichen Umstände nahe der Sonne zu überstehen:
* das Hitzeschild ist ein Carbon-Carbon-Sandwich von rund 11 cm Dicke, das zu 97 % aus Luftblasen besteht und nur 160 Pfund wiegt;
* ein Kühlsystem kann aus der überhitzten Umwelt Energie gewinnen, um die Temperaturen der Sonde herunterzubringen;
* ein Fehler-Management-System soll Abweichungen im Kurs selbstständig erkennen und korrigieren sowie in der Korona besonders darauf achten, dass der Hitzeschild optimal ausgerichtet ist.

Etwa 60 Jahre lang schon wird über die aktuelle Sonnenmission nachgedacht und an ihr gearbeitet. Der Name geht auf den US-ameriknischen Astrophysiker Eugene Parker (*1927) zurück, der 1958 die Existenz des Sonnenwinds vorhergesagt hatte. Erstmals trägt eine Mission damit den Namen einer noch lebenden Person.

Nasa Parker Solar Probe (1, 2)

Video

Video des Starts

Autor: Peter Becker

(13.08.2018)