www.stone-ideas.com

Heiner Farwick, Präsident der Bundesarchitektenkammer fragt: „Haben wir die Dauerhaftigkeit und die Werthaftigkeit der Gebäude zu wenig beachtet?“

Verleihung des Deutschen Natursteinpreises 2018: (v.r.n.l) Joachim Grüter (Präsident des Deutschen Naturwerkstein-Verbands, DNV), Preisträger Arno Lederer (Lederer Ragnarsdóttir Oei), Heiner Farwick (Präsident der Bundesarchitektenkammer) und Hermann Graser (Vizepräsident des DNV und Geschäftsführer der Bamberger Natursteinwerke). Foto: DNV

Rede zur Verleihung des Deutschen Natursteinpreises auf der Messe Stone+tec in Nürnberg

Heiner Farwick, Präsident der Bundesarchitektenkammer (BDA), richtete auf der Messe Stone+tec erstaunliche Bemerkungen an die eigene Zunft: „Vielleicht haben wir in der Vergangenheit die Dauerhaftigkeit und die Werthaftigkeit eines Gebäudes zu wenig beachtet“, sagte er, „dabei trägt doch der Wert entscheidend auch zur Wirkung eines Bauwerks bei.“

Ähnliche Versäumnisse konstatierte er im Hinblick auf die Herkunft der Baumaterialien – mit denen wird ein Gebäude bekanntlich in das Umfeld eingebunden oder steht steht eben wie ein Fremdkörper völlig außerhalb. Farwick sprach bei der Verleihung des Deutschen Natursteinpreises, bei dem er auch als Präsident der Jury agiert hatte.

Ebenfalls auf das Thema Dauerhaftigkeit und Werthaltigkeit eines Bauwerks ging der Gewinner des Natursteinpreises, Arno Lederer (Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei), beim Festakt ein: Er stellte die einstigen Baukosten zum Beispiel des Kolosseums oder der Kathedralen jenen Werten gegenüber, die sie seitdem als touristische Attraktionen eingespielt haben. Er meinte, dass Bauen mit Naturstein eigentlich die Normalität sein sollte, und merkte an: „Vielleicht haben wir die Normalität verloren.“

Der Deutsche Natursteinpreis wird seit 1983 alle 2 Jahre vergeben. Er prämiert außergewöhnliche Arbeiten mit Stein und hat 4 Kategorien: Öffentliche Gebäude und Gewerbebauten, Landschaftsbau und Freiraumgestaltung, Massive Bauteile und Bauen im Bestand sowie Ein- und Mehrfamilienhäuser.

Der Gesamtsieger wird aus den Gewinnern dieser Kategorien ermittelt. Er bekommt 15.000 € Preisgeld. Die Sieger in den einzelnen Kategorien erhalten je 5000 €. Vergeben wird der Preis vom Deutschen Naturwerkstein-Verband (DNV) in Kooperation mit der Bundesarchitektenkammer. Ort der Preisverleihung ist die Messe Stone+tec in Nürnberg.

Anzumerken ist, dass Architekten und Baufirmen aus ganz Europa sich um den Preis bewerben können. Voraussetzung ist lediglich, dass bei einem Projekt heimische Firmen die Arbeiten ausgeführt und dass sie heimische Natursteine verwendet haben.

In diesem Jahr gab es insgesamt 94 Einreichungen.

Wir zeigen die Arbeiten der Preisträger. Eine Online-Broschüre stellt auch die Anerkennungen in den verschiedenen Kategorien vor.

Deutscher Natursteinpreis 2018

Online-Broschüre
 

Preisträger Deutscher Natursteinpreis 2018: Neubau des Historischen Museums in Frankfurt/Main von Lederer Ragnarsdóttir Oei. Foto: Roland Halbe, StuttgartPreisträger Deutscher Natursteinpreis 2018: Neubau des Historischen Museums in Frankfurt/Main von Lederer Ragnarsdóttir Oei. Foto: Roland Halbe, Stuttgart
Preisträger war das Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei, das den Neubau des Historischen Museums in Frankfurt/Main geplant hatte. Die Jury lobte unter anderem, dass die in der Frankfurter Altstadt üblichen Materialien verwendet wurden: die Dächer der beiden Gebäude sind mit Schiefer gedeckt und die Fassaden sind mit rotem Neckartäler Hartsandstein verkleidet.

Dabei ist der Stein an den Fassaden nicht wie üblich in großen Platten vorgehängt, sondern als echtes Mauerwerk vorgesetzt. Die Dicke dieser Mauer beträgt 11 cm – was wiederum die Möglichkeit bot, die Oberfläche zu gestalten. Die Raute war dabei das dominierende Motiv, wobei hier mit echten und falschen Fugen gespielt wurde. Der Sockel der Gebäude ist aus Basalt und dient auch als Sitzgelegenheit.

Lederer Ragnarsdóttir Oei

Bamberger Natursteinwerk
 

Preis in der Kategorie Landschaftsbau und Freiraumgestaltung: Markt in Bad Lauchstädt von WES LandschaftsArchitektur. Foto: Helge Mundt, Hamburg.Preis in der Kategorie Landschaftsbau und Freiraumgestaltung: Markt in Bad Lauchstädt von WES LandschaftsArchitektur. Foto: Helge Mundt, Hamburg.
Der Preis in der Kategorie Landschaftsbau und Freiraumgestaltung ging an WES LandschaftsArchitektur in Kooperation mit Rinne & Partner / Dirk Godehardt (Straßenbau) und Michael Zech für die Neugestaltung des Marktplatzes in Bad Lauchstädt. Der kleine Kurort im Bundesland Sachsen-Anhalt, der schon zu Zeiten des Dichters Goethe ein beliebtes Reiseziel war, bekam sein altes Aussehen zurück – wenn auch mit ein paar Details modernisiert. So wurden die alten Steine aus Gommeraner Quarzit wiederverwendet; um sie besser begehbar zu machen, wurden die Kopfflächen geschnitten und gestrahlt. Die Arbeiten führte die Firma BBN Umbreit aus Tüttleben, Thüringen. Für die Ableitung des Regenwassers entwickelten die Architekten Steine mit besonderer Form. Deren Granit ist in der Farbe dem Gesamtbild angepasst. Der größte Teil des Pflaster auf dem Marktplatz ist neu. Der Stein wurde von der Firma Berliner Stein Kontor (Besco) geliefert, stammt aber aus China und konnte deswegen nicht prämiert werden.

WES LandschaftsArchitektur

BBN Umbreit

Berliner Stein Contor
 

Preis in der Kategorie Massive Bauteile und Bauen im Bestand: Neubau des Museums Barberini in Potsdam durch Büro Hilmer & Sattler und Albrecht. Foto: Stefan Müller, BerlinPreis in der Kategorie Massive Bauteile und Bauen im Bestand: Neubau des Museums Barberini in Potsdam durch Büro Hilmer & Sattler und Albrecht. Foto: Stefan Müller, Berlin
Der Preis in der Kategorie Massive Bauteile und Bauen im Bestand ging an das Büro Hilmer & Sattler und Albrecht für den Neubau des Museums Barberini in Potsdam. Dessen Gestaltung orientierte sich an einem Vorgängerbau an derselben Stelle, der wiederum einem barocken römischen Palazzo aus dem 17. Jahrhundert nachempfunden gewesen war. „Unbestritten hat die klassizis¬tische Fassade eine positive Wirkung, wohlproportioniert strahlt sie in den Stadtraum und fasst den Alten Markt“, urteilte die Jury.

Auch hier gibt es vor der tragenden Wand aus Beton eine Vormauer, die um die 36 cm dick ist. In diese sind die Natursteinelemente eingesetzt, so der Sockel, die Umrahmungen von Türen und Fenstern und die Gesimse. Dazu kommen zahlreiche Zierstücke aus Stein wie am Dach die Balustraden und die Ziervasen.

Hilmer & Sattler und Ahlers Albrecht

Bamberger Natursteinwerk
 

Preis in der Kategorie Ein- und Mehrfamilienhäuser: Wohnhochhaus Schwabinger Tor Nord in München von Max Dudler Architekten. Foto: Stefan Müller, BerlinPreis in der Kategorie Ein- und Mehrfamilienhäuser: Wohnhochhaus Schwabinger Tor Nord in München von Max Dudler Architekten. Foto: Stefan Müller, Berlin
Der Preis in der Kategorie Ein- und Mehrfamilienhäuser ging an Max Dudler Architekten für das Wohnhochhaus Schwabinger Tor Nord in München. Die Jury urteilte: Der 14-geschossige Turm „besticht durch seine ¬ruhige, fast archaische Wirkung. Die Abstrak¬tion als grundlegendes gestalterisches Mittel geht so weit, dass auch die Fensterrahmen verdeckt eingebaut werden und somit nur Stein und Glas zu sehen sind … Die vorgehängte Fassade bildet dabei aber nicht nur das konstruktive Raster nach außen hin ab, sondern gewinnt durch die schrägen Laibungen und die in den Baukörper eingeschnittenen Loggien an Tiefe und Plastizität. Die wechselseitige Verwendung der schrägen Laibungen rhythmisiert die Fassade und wirkt so der Nutzung als Wohngebäude angemessen.“ Die helle Farbe des verwendeten Trosselfels-Kalksteins fügt sich in das Umfeld ein. Die unterschiedlichen Oberflächenbearbeitungen der schrägen und ebenen Flächen nutzen geschickt den Gestaltungsspielraum des Werkstoffs.

Max Dudler

Hofmann Naturstein

Die prämierten Architekten und Vertreter von Firmen beim Deutschen Natursteinpreis 2018.

Autor: Peter Becker

See also:

 

 

 

 

(14.08.2018)