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Das Niedrigwasser lässt vor allem an der Elbe Hungersteine aus dem Flussbett auftauchen

Hungerstein in Oberposta bei Pirna. Foto: Sastognuti / Wikimedia Commons

Die Trockenheit bringt Inschriften und Jahreszahlen vergangener Naturereignisse ans Tageslicht

Die Trockenheit in diesem Sommer in Deutschland bringt die so genannten Hungersteine ans Tageslicht: es sind natürliche Felsen im Flussbett, die nur bei extremem Niedrigwasser sichtbar sind. Häufig tragen sie in den Stein gemeißelte Jahreszahlen oder auch Sinnsprüche. Meist ist deren Tenor „Wenn de mich siehst, dann weine“. Gemeint ist damit, dass eine extreme Trockenheit Hunger und Not nach sich zog.

Denn nicht nur brachten in solchen Jahren die Bauern keine Ernte vom Feld. Auch brach praktisch die gesamte Wirtschaft zusammen, weil die Mühlen nicht mehr liefen und es auch keinen Transport auf den Flüssen gab.

Die Tradition solcher Hungersteine geht viele Jahrhunderte zurück. Die meisten liegen in der Elbe, weniger im Rhein oder in der Mosel.

Hungerstein in der Elbe bei Děčín. Foto: Norbert Kaiser / Wikimedia Commons

Sie sind sozusagen die Unterwasser-Ergänzungen zu den Hochwasseranzeigen, die man ebenfalls eingemeißelt an vielen Steinen oberhalb der Wasserlinie findet.

Die Hungersteine künden drastisch von den Lebensumständen vergangener Jahrhunderte. Die permanente Not damals kann man übrigens auch aus dem Vaterunser herauslesen: Dort heißt es nach den einleitenden Unterwürfigkeitserklärungen (Der du bist im Himmel…) an erster Stelle der Bitten ganz einfach: Unser tägliches Brot gib uns heute.

(26.08.2018)