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Cave di Arzo: eine ehemalige Steinfabrik, an der sich die ganze Schönheit des heimischen Marmors zeigt

Enrico Sassi: Cave di Arzo.

Im Schweizer Tessin wurde eine alte Anlage in ein Zentrum für Freizeit und Tourismus umgestaltet

Es hat sich herumgesprochen, dass alte Steinbrüche und die Anlagen drumherum Anziehungspunkte für die Einheimischen und auch für Touristen sind. Folglich werden aus Brüchen Amphitheater und aus alten Gebäuden Besucherzentren. Das ist auch so beim Cave di Arzo (Steinbrüche von Arzo) im Schweizer Tessin zwischen den Ortschaften Arzo und Meride direkt an der Grenze zu Italien. Allerdings hat der Architekt Enrico Sassi dort ein paar Kleinigkeiten so gestaltet, dass sie außergewöhnlich und erwähnenswert sind. Er hatte den Auftrag, die Anlage und das Gelände drumherum zu einer neuen Attraktion zu machen.

Enrico Sassi: Cave di Arzo.Enrico Sassi: Cave di Arzo.

Das alte Hauptgebäude an der Straße war schon immer aus kleinen Steinblöcken gemauert, in denen sich die lokal gewonnenen Steinsorten wiederfanden. Enrico Sassi hat dem einstöckigen und bisher schmucklosen Bau nun ein blockartiges Erscheinungsbild gegeben: dafür wurde das Dach zurückgesetzt und die Dachrinne entfernt.

Das hat auch einen geradezu malerischen Effekt: wenn es nun regnet, läuft das Wasser von oben an der Hauswand herab und bringt so die Farben des Marmors in ihrer ganzen Pracht zum Leuchten.

Enrico Sassi: Cave di Arzo.

Um die Wirkung des Gebäudes wie ein Block noch zu verstärken, wurden außerdem die Fenster und die Tür zur Straßenseite mit alten Steinplatten verschlossen.

Das neue Dach hat weiterhin das alte Tragwerk, nun jedoch verstärkt mit Eisenträgern und gedeckt mit durchsichtigen Plastikplatten. Der Innenraum, in dem historischen Maschinen stehen, bekommt nun Tageslicht von oben.

Ein Lehrpfad führt zu Stationen auf dem weiten Gelände drumherum und gibt Informationen zu den alten Techniken der Steingewinnung, zu der Geologie des Terrains und zu vielem mehr. Auch Fauna und Flora werden detailliert beschrieben.

Solche Lehrpfade kennt man auch von anderswo. Allerdings gibt es hier wiederum einen Höhepunkt, den gleich zum Beginn des Weges.

Enrico Sassi: Cave di Arzo.Enrico Sassi: Cave di Arzo.

Es ist das unscheinbare Gebäude mit den Toiletten für die Besucher und einem Unterstand bei Regen. Hier wurden wiederum für die Mauern alte Reststücke verwendet. Wieder hat man es mit rohem Stein und dem großartigen Spiel der Oberflächen und Farben zu tun.

Enrico Sassi: Cave di Arzo.

Und dann gibt es dort noch das Waschbecken – es wurde aus einem alten Steinblock herausgemeißelt und poliert. Dieser Block war ehemals in Handarbeit aus dem Bruch herausgeholt worden. So etwas findet man sonst nur bei in der Einrichtung bei ganz reichen Leuten; hier, wo der Stein herkommt, gehört es zum Reichtum aller. Man beachte den Wasserhahn!

Enrico Sassi: Cave di Arzo.Enrico Sassi: Cave di Arzo.

Ähnliche Waschbecken findet man noch woanders auf dem Gelände.

quarry and stone factory Cave di Arzo

Schon der Bodenbelag im Zugang zum Hauptgebäude ist auch nur aus Abfallstücken gefertigt, beeindruckt aber mit seiner farbigen Pracht.

Das Amphitheater liegt vor einer beeindruckenden Steilwand. Die Sitzreihen bestehen aus alten Blöcken. Zahlreiche Veranstaltungen haben seit dem Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2017 hier schon stattgefunden.

Enrico Sassi: Cave di Arzo.Enrico Sassi: Cave di Arzo.Enrico Sassi: Cave di Arzo. Foto: <a href=" http://www.marcelovillada.ch"target="_blank">Marcelo Villada</a>

Die alten Maschinen sind erhalten und liebevoll restauriert. Nachvollziehen kann man so zum Beispiel, wie die Kraft eines Dieselantriebs aus dem Jahr 1925 auf ein langes Wendelseil übertragen wurde.

Seit dem Jahr 1300 waren hier Steine abgebaut worden. Zuletzt hatte über 6 Generationen die Firma Rossi & Ci. die Gewinnung betrieben, musste aber im Jahr 2009 schließen.

Die Gemeinde, der das Gelände immer gehört hatte, kaufte daraufhin die Anlagen. Geplant war ehemals, die Marmorgewinnung wieder zu starten. In einem langen Prozess „mit vielen Diskussionen und ständigem In-Frage-Stellen konnte die ursprüngliche Idee schließlich angepasst werden“, schreibt Enrico Sassi zum Werdegang der neuen Attraktion.

Die Steine aus Arzo wurden ehemals weit verkauft. Es handelt sich eigentlich um Brekzien, nicht um Marmor. Es sind die Sorten Macchiavecchia, Rosso Arzo und Broccatello. Berühmte Arbeiten damit finden sich zum Beispiel im Dom zu Mailand oder im Kloster Einsiedeln.

Das Projekt war von Anfang an von den lokalen Behörden (Ente Regionale Sviluppo Mendrisiotto e Basso Ceresio) sowie der Tourismusorganisation der Region (Mendrisiotto Turismo) und der Fondazione Monte San Gorgio unterstützt worden. Die Kosten beliefen sich auf 1,2 Millionen Schweizer Franken (etwa 1,2 Millionen US-$, 1,03 Million €).

Cave di Arzo

Studio Enrico Sassi Architetto

Fotos: Filippo Simonetti

Autor: Peter Becker

Architekt Enrico Sassi. Foto: privat