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Am Ätna rutscht der ganze Südosthang langsam ins Meer

Das Forschungsschiff Poseidon vor dem Ätna. Foto: Felix Gross (CC BY 4.0)

Absinken in 8 Tagen um 4 cm seewärts und um 1 cm in die Tiefe / Stürzt die Flanke ab, könnte es in der Region zu einem Tsunami kommen

Als aktivster Vulkan Europas wird der Ätna von der Wissenschaft und den Behörden intensiv überwacht. Dabei zeigen satellitengestützte Messungen seit einiger Zeit, dass der Südosthang des Vulkans langsam in Richtung Meer abrutscht, während die anderen Hänge stabil sind. Unklar war bisher, ob sich die Bewegung auch unter Wasser fortsetzt, da Messungen per Satellit oder GPS dort nicht möglich sind. Mithilfe eines neuartigen Vermessungsnetzes konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Schwerpunkt Meereswissenschaften, und des Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) nun erstmals unter Wasser die Bewegung des Hangs in horizontaler und vertikaler Richtung nachweisen.

„Insgesamt deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass der Hang aufgrund der Schwerkraft abrutscht und nicht etwa durch den Aufstieg von Magma“, erklärt Dr. Morelia Urlaub, Erstautorin der Studie. Sie leitete die Untersuchungen im Rahmen des Projekts „MAGOMET – Marine geodesy for offshore monitoring of Mount Etna“. Würde Magma im Zentrum des Vulkans die Bewegung auslösen, müsste sich der Hang an Land stärker fortbewegen als unter Wasser.

Diese Erkenntnis ist wichtig für die weitere Gefahrenabschätzung. „Der gesamte Hang befindet sich durch die Schwerkraft in Bewegung. Daher ist es durchaus möglich, dass er plötzlich abrutscht, was einen Tsunami im gesamten Mittelmeer auslösen könnte“, erklärt Professor Heidrun Kopp, Koordinatorin des GeoSEA-Arrays und Co-Autorin der Studie.

Auf der Webpage einer Firma, die Warnsysteme vor Riesenwellen entwickelt, heißt es: „In Schnitt kommt es im Mittelmeer in jedem Jahrhundert zu einem verheerenden Tsunami. Zehn Prozent aller Tsunamis weltweit passieren hier.“ (Link siehe unten)

3D-Darstellung der Ostflanke des Ätna mit dem GeoSEA Transponder-Netzwerk. Grafic: Morelia Urlaub/Felix Gross

Für die Untersuchungen wurde erstmals die schallbasierte Vermessung unter Wasser, die sogenannte marine Geodäsie, an einem Vulkan genutzt. Entlang der Störungslinie, die die Grenze zwischen rutschender Flanke und stabilem Hang darstellt, platzierte das Geomar-Team dafür im April 2016 insgesamt fünf Transponder-Messstationen. Drei wurden auf dem abrutschenden Hang platziert, zwei auf der anderen Seite der Störungslinie.

Die Transponder sendeten sich dann alle 90 Minuten ein akustisches Signal. Da die Geschwindigkeit des Schalls unter Wasser bekannt ist, können über die Zeitdauer, die das Signal unterwegs ist, relative Bewegungen des Meeresbodens zentimetergenau bestimmt werden. „Wir stellten eindeutig fest, dass der Hang im Mai 2017 innerhalb von acht Tagen um 4 cm Richtung Meer abrutschte und dabei 1 cm tiefer sank“, erklärt Dr. Urlaub.

Veröffentlicht in Science Advances

Tsunamis im Mittelmeer

Süddeutsche Zeitung: Tsunamis im Mittelmeer

Quelle: Geomar

(13.10.2018)