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Raubbau am Speckstein im Bergell: am 04. September 1618 kommt es in dem Tal zu einem verheerenden Bergsturz

Matthäus Merian stellte 1642 in seiner „Topographia Helvetiae, Rhaetiae et Valesiae“ den Monte Conto vor und nach dem Bergsturz dar. Quelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikipedia Commons</a>

Zwei Ortschaften werden verschüttet und 1200 Menschen getötet / Speckstein war Material für Kochgeschirr und Wärmespeicher

Naturstein hat eine hohe Speicherkapazität für Wärme. Das gilt insbesondere für den Speckstein, der sich auch noch leicht bearbeiten lässt und im Mittelalter gerne für Kochgeschirr verwendet wurde. Abgebaut wurde er in großem Stil zum Beispiel im 17. Jahrhundert im Bergell(-Tal) im Kanton Graubünden in der Schweiz, bis das Gewerbe mit einem katastrophalen Bergsturz des Monte Conto schlagartig zu einem Ende kam.

Am 04. September 1618 (nach gregorianischem Kalender am 25. August) hatte es heftige Regenfälle gegeben, in deren Folge sich gewaltige Felsmassen vom Hang lösten und ins Tal donnerten. Dort beruben sie die Ortschaft Plurs (Plursium) mitsamt dem 500 m entfernt liegenden Weiler Scilano unter sich.

Auch wurde der Fluss Mera aufgestaut, worauf sich die Menschen an die Berghänge flüchteten. Nach kurzer Zeit jedoch fand die Mera zurück in ihr Bett zurück.

Die Einheimischen verstanden die Katastrophe als Strafe Gottes, wie zeitgenössische Quellen berichten.

Die Ortschaft Plurs war im Zuge des Specksteinabbaus tatsächlich zu Reichtum gekommen. Ob der aber wirklich so sagenhaft war, wie später berichtet wurde, kann aufgrund von Ausgrabungen bezweifelt werden.

Jedenfalls hatte sich die Specksteingewinnung dort zu einem lukrativen Gewerbe entwickelt. Die Nachfrage nach dem Geschirr aus Stein war groß, so dass sich die Gewinnung bald zu einem Abbau in großem Stil entwickelte.

Eine Flanke des Berges war irgendwann instabil und krachte an jenem 04. September mit viel Getöse ins Tal. Im Bericht des Kommissars von Graubünden an die Bündner Regierung in Chur heißt es: „Der Berg ist weitgehend zusammengebrochen und hat das ganze Dorf begraben.“ Noch in Chiavenna, wo der Kommissar seinen Sitz hatte, habe man das Beben vernommen. „Staub und Nebel kamen auf Chiavenna zu und bedeckten den klaren Himmel wie dicke Wolken“, schrieb er. Der Beamte nennt in seinem Bericht die Zahl von 930 Todesopfern. Sie wird wenig später schon auf 1200 korrigiert.

Heute sind die Spuren der Katastrophe von vor 400 Jahren verwischt. An den ehemaligen Reichtum von Plurs erinnert nur noch der Palazzo Vertemate Franchi im heutigen Piurs. Er ist eines der wenigen Gebäude, die die Katstrophe überstanden.

(19.10.2018)