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Forscher untersuchen anhand von Kalkablagerungen die Mühlen von Barbegal in Südfrankreich

Ein Aquädukt brachte das Wasser zu den Mühlenwerken von Barbegal. Foto: GFDL / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

In der Anlage aus römischer Zeit unweit des heutigen Arles wurde vermutlich in industriellem Maßstab Schiffszwieback produziert

Anhand von Kalkablagerungen auf den Wassermühlen von Barbegal aus römischer Zeit konnten Forscher der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) feststellen, dass es Schiffszwieback war, der dort in großen Mengen hergestellt wurde. Bisher hatte man geglaubt, die großen Mengen an Getreide, die dort vom 2. Jahrhundert n. Chr bis zum frühen 3. Jahrhundert verarbeitet wurden, seien für die Versorgung der nahen Stadt Arles in Südfrankreich bestimmt gewesen.

Skizze der Wassermühlen von Barbegal, wie sie im 2. Jahrhundert n. Chr. vermutlich in Betrieb waren. Quelle: Cees Passchier, Mainz

Die Wassermühlen von Barbegal gelten als eine der ersten Industrieanlagen in der Menschheitsgeschichte. In dem Komplex aus 16 Wasserrädern konnten Schätzungen zufolge täglich 25 t Mehl erzeugt werden – ausreichend für die Ernährung von mindestens 27.000 Menschen.

Die Studie von Prof. Dr. Cees Passchier von der Universität Mainz aber zeigt, dass das Mehl vermutlich zur Herstellung von Schiffszwieback für die Häfen in der Region diente: „Die Wasserräder standen regelmäßig für 2 bis 3 Monate im Jahr still, meistens im späten Sommer und Herbst, das deckt sich mit den Zeiten des römischen Schiffsverkehrs, der typischerweise im Spätherbst eingestellt wurde.“

Querschnitt einer Karbonatablagerung der Wassermühlen von Barbegal. Foto: Cees Passchier, Mainz

Anhand einer Isotopenanalyse in den Kalkablagerungen in der Anlage stellte die Forschergruppe fest, dass die Mühlen nicht kontinuierlich während des gesamten Jahres in Betrieb waren, sondern alljährlich im Spätsommer und Herbst angehalten wurden. Damit ist keine kontinuierliche Versorgung einer Stadtbevölkerung möglich.

„Die Untersuchung zeigt, wie mit einfachen Kalkablagerungen aus antiken Wassersystemen weitreichende Hinweise über die Archäologie von Bauwerken und historische Ereignisse gewonnen werden können“, erklärt Cees Passchier. Die Studie wurde in Kooperation mit Wissenschaftlern der Universität Aix-Marseilles und der Universität Rennes 1 in Frankreich sowie dem Institut für Geologie der Universität Innsbruck erstellt und in dem Wissenschaftsjournal Science Advances veröffentlicht.

Barbegal ist ein ganz besonderer Fall der Technikgeschichte: Der Komplex stellt die früheste und soweit bisher bekannt die größte industrielle Nutzung von Wasserkraft in der Antike dar und gilt als ein technologisches Meisterwerk. Vergleichbares hat es weder zur Hoch-Zeit der römischen Kultur noch in asiatischen Kulturen gegeben.

Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)

Quelle: JGU

Ruinen der ehemals gewaltigen Anlage von Barbegal, Foto aus dem Jahr 2018. Foto: Robert Fabre, Saint Etienne du Grès, Frankreich

(23.10.2018)