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Das Fitzwilliam Museum im englischen Cambridge zeigt nun dauerhaft die berühmte Marmorbüste von Queen Victoria

Marmorbüste der Queen Victoria, von Sir Albert Gilbert.

Der Künstler Sir Albert Gilbert stellte gleichzeitig die Majestät und die vom Leben gezeichnete Person dar

Wenn Sie, liebe Leser, sich für Bildhauerei in Stein interessieren und mal nach England kommen, versäumen sie nicht, das Fitzwilliam Museum der Universität in Cambridge zu besuchen. Dort steht die berühmte Büste von Königin Victoria, die Sir Albert Gilbert aus weißem Marmor geschaffen hat. Man muss dazusagen: sie steht nun dauerhaft dort, nachdem die britische Regierung gegen den Verkauf nach New York eingeschritten war und das Fitzwilliam die für den Kauf benötigte Summe von gut 1 Million Pfund mit Mitteln von Spendern und des National Heritage Memorial Funds zusammengebracht hatte.

Wir waren seit der Aufstellung der Büste im Museum im Juni 2018 noch nicht in England, aber allein die Fotos lassen sie als Meisterstück erscheinen: die Skulptur zeigt die vielleicht wichtigste Frau in der britischen Geschichte einmal als Majestät, aber gleichzeitig auch als Mensch: Man sieht der Königin das Alter an und vor allem die langen Jahres des Leids nach dem Tod ihres geliebten Ehegatten Prinz Albert.

Marmorbüste der Queen Victoria, von Sir Albert Gilbert.

Faszinierend ist an der Büste, wie ihr Ausdruck mit dem Standort des Betrachters wechselt. Die Fotos zeigen sie einmal majestätisch, distanziert und kontrolliert, genauso aber auch in sich gekehrt, resigniert und tieftraurig.

Auftraggeber war im Jahr 1887 der Army and Navy Club. Anlass war das anstehende 50. Thronjubiläum der Queen und wohl auch, dass sie sich nach etlichen Jahren wieder in der Öffentlichkeit zu zeigen begann. Ihr völliger Rückzug ins Private hatte – zumindest emotional bei großen Teilen der Bevölkerung – fast eine Staatskrise ausgelöst.

Gilbert (1854–1934) arbeitete zwischen 1887 und 1889 an dem Werk. Gewissermaßen trafen dabei 2 Generationen aufeinander: er war Mitte 30 und hatte schon Rang und Namen erreicht, dies vor allem als Vertreter der Künstlerbewegung New Sculpture, die ihren Skulpturen mehr Lebendigkeit geben wollte. Zuvor hatte er schon eine viel beachtete übergroße Bronze-Skulptur („Jubilee Memorial“) der Königin geschaffen.

Victoria war Ende 60 und befand sich auf dem Höhepunkt ihrer Popularität.

Marmorbüste der Queen Victoria, von Sir Albert Gilbert.

Sie saß dem Künstler nicht Modell. Gilbert gestaltete ihr Gesicht allein nach Fotografien. Für das Dekor posierte seine Mutter in schwarzer Kleidung, wie sie die Queen nur noch trug. Gilbert sagte respektvoll, er habe es bei der Arbeit mit 2 Königinnen zu tun gehabt: „Die eine war Königin meines Landes, die andere Königin meines Herzens“.

Die naturalistische Darstellung ist einfach umwerfend: die Haut zeigt den alternden Menschen und ansatzweise sein wuschiges Haar, unglaublich detailliert ist der luxuriöse Stoff ihres Gewandes gestaltet, genauso der Stern des Strumpfbandordens und das Medaillon mit dem Doppelportrait von ihr und Prinz Albert, wie es in einer Beschreibung des Museums heißt.

Der Künstler führte die Büste komplett selber aus. Dabei arbeitete er eigentlich nicht viel mit Stein. Als Materialien waren ihm die Metalle lieber, zum Beispiel das damals neue Aluminium. Daraus ließ er sein berühmtestes Werk gießen, die Statue auf dem Piccadilly Circus, die heute als Eros bezeichnet wird. An beiden Werken arbeitete er gleichzeitig.

The Fitzwilliam Museum, freier Einritt

Portrait von Sir Albert Gilbert, gemalt von John McLure Hamilton. Quelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Fotos: Fitzwilliam Museum

(26.10.2018)