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Die Vielfalt der Gesteinstypen in einem Gebirge ist ein Faktor für die Vielfalt an Tierarten dort

Berglandschaft im Schweizer Wallis: Vielfältige Bodentypen sorgen hier, wie auch in anderen Gebirgen weltweit, für einen vergleichsweise großen Artenreichtum an Wirbeltieren. Foto: Susanne Fritz

Unterschiedliche Gesteine führen zu unterschiedlichen Böden, die wiederum für unterschiedliche Arten Lebensgrundlage sind

Gebirge bieten Abwechslung fürs Auge – nicht nur was ihre Höhen angeht, sondern auch was die Natur betrifft. In diesen biologischen Hotspots summt, brummt, wogt und sprießt es sehr vielfältig. Lässt sich dieser Artenreichtum anhand geologischer Eigenschaften erklären?

Um Antworten darauf zu erhalten, hat ein internationales Team Daten zum heutigen Vorkommen über 20.000 landlebender Wirbeltierarten – Amphibien, Vögel und Säugetiere – auf allen fünf Kontinenten ausgewertet. Beteiligt waren Forscher des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums und der Goethe-Universität Frankfurt. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift „Nature Geoscience“ veröffentlicht.

„Unsere Auswertung zeigt erstmals, dass in Gebirgen die Artenvielfalt global gesehen an jeden Orten besonders hoch ist, wo auch die geologische Vielfalt hoch ist, es also viele unterschiedliche Gesteins- und Bodentypen gibt, und die Erosionsraten langfristig gering sind“, sagt der an der Studie beteiligte Prof. Dr. Andreas Mulch, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und Goethe-Universität Frankfurt.
„Das Zusammenspiel von stark zerklüfteten Bergen und lokalem Klimawandel über lange Zeiträume bietet besonders gute Chancen für die Entstehung neuer Arten“, fügt Dr. Susanne Fritz, Ko-Autorin der Studie, vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum hinzu.

Hohe Erosionsraten in Gebirgen verringern jedoch die biologische Vielfalt, weil dadurch Lebensräume verlorengehen. Hier ein Erdrutsch in den Hengduan-Bergen in Südwestchina. Foto: Susanne Fritz

Den Wechselwirkungen zwischen Klima und Geologie ist es wohl auch zuzuschreiben, dass der Einfluss der Ausgestaltung der Erdoberfläche auf die biologische Vielfalt sehr unterschiedlich ausfällt, wenn man einzelne Regionen betrachtet. „Zwar ist die Vielfalt der Bodentypen überall ein wichtiger Faktor, um den Artenreichtum zu erklären, jedoch ist sie lediglich in den europäischen Alpen, Karpaten und Pyrenäen ausschlaggebend“, fasst Fritz die neune Erkenntnisse zusammen, „in den nord- und südamerikanischen Bergketten hingegen hängt der Artenreichtum aus geowissenschaftlicher Sicht vor allem davon ab, wie abwechslungsreich das Relief ist.“

Mit Blick auf die Zukunft regen die Autoren der Studie an, die Ergebnisse biologischer und geowissenschaftlicher Forschung – beispielsweise Erkenntnisse zur Evolutionsgeschichte von Arten und der Herausbildung von Gebirgen – enger zu verzahnen. Ein besserer Einblick in diese Langzeitprozesse wäre auch für die Gegenwart wichtig, wie Mulch ausführt: „Wenn wir die Auswirkungen von Gebirgsbildung auf Artenvielfalt untersuchen, erforschen wir gleichzeitig, in welchem Tempo und wie sich Arten anpassen, wie sich ihre Verbreitungsgebiete verändern oder warum sie ausgestorben sind. Damit schaffen wir Wissen zu Themen, die für die Gesellschaft relevant sind, um mit der Veränderung unserer Natur als Folge des Klimawandels umzugehen.“

Die Ergebnisse bestätigen zudem frühere Studien, nach denen sich eine hohe Artenvielfalt bevorzugt in Gebirgen mit einem abwechslungsreichen Relief entwickelt. Ger Grund liegt darin, dass unterschiedliche Bodentypen und ein stark zerklüftetes Gebirge eine große Vielfalt an Lebensräumen schaffen, die von unterschiedlichen Arten besetzt werden können.

Antonelli, A. et al. (2018): Geological and climatic influences on mountain biodiversity. Nature Geosciene

Quelle: Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum

Fotos: Dr. Susanne Fritz

(07.11.2018)