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Unter seiner Regie entstanden die Adler, Kartuschen und Zierelemente aus Sandstein am neuen Stadtschloss in Berlin

Bertold Just war Leiter der Schlossbauhütte für das neue Berliner Schloss, das der Sitz des Humboldtforums sein wird. Foto: Paulus Ponziak

Bertold Just, Leiter der Bauhütte und gelernter Stuckateur und Bildhauer, ist verstorben

Bertold Just, der Leiter der Bauhütte für den Neubau des Berliner Stadtschlosses, ist verstorben. Die Stiftung Humboldt Forum (SHF) im Berliner Schloss schickte uns eine Würdigung, die wir gekürzt wiedergeben:

„Er konnte Steine zum Sprechen bringen, ja, mehr noch, er konnte die Steine erzählen lassen, von barocken Steinmetzen und Bildhauern, von längst vergessenen historischen Maßeinheiten wie dem rheinischen Fuß, aber vor allem von Mythen- und Göttergestalten, die am Berliner Schloss über den Portalen und an der Kuppel aufgestellt waren und unter seiner sachkundigen Leitung wieder entstanden.

Nach der Ausbildung als Stuckateur und Bildhauer, noch längst in der DDR, kamen schon bald sehr anspruchsvolle Aufgaben auf Bertold Just zu, am Gendarmenmarkt in Berlin bei dem Wiederaufbau des Schinkelschen Schauspielhauses zum Konzerthaus Berlin und am Deutschen und Französischen Dom, bis er Anfang 2000 Werkstattleiter der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin in der Sophie-Charlotten-Straße wurde…

Von der Gipsformerei hat ihn dann 2011 die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss sozusagen ausgeliehen, denn Fachleute wie ihn fand man nicht auf der Straße…

Das begann mit der Beratung bei der Ausschreibung des Sandsteins, der schließlich aus Brüchen im Elbsandsteingebirge und in Schlesien passend gewonnen wurde. Das ging weiter mit der unermüdlichen Suche nach geeigneten Abbildungen und soweit vorhanden Fotoaufnahmen zu den vielen Ornamenten, Bukranien, Kartuschen und Skulpturen an den Schlossfassaden, die ja oftmals aus dem Nichts aber mit überzeugendem kunsthistorischem Wissen wieder erschaffen werden mussten.

An der Fassade waren teilweise tonnenschwere Ensembles wie diese Eckkartusche in Einzelteilen zu fertigen und zu installieren. Foto: SHF / Marco Urban

Bertold Just baute die Schlossbauhütte in Spandau zu einer beeindruckenden Werkstatt für diese große Aufgabe auf und begrüßte dort viele Spender für die Fassaden zwischen den noch originalen Skulpturen, die dort restauriert wurden und den riesigen Gipsmodellen, die als Vorlage für die Sandsteinoriginale dienen.

Egal ob er einem Kunstwissenschaftler oder einem Kind etwas erklärte – immer war es voll Leidenschaft und Liebe zu seinem Handwerk, zu seiner Kunst. Vor allem aber beriet er fachlich seine Mitstreiter in den Schauern und Werkstattecken bei der Herstellung der Sandsteinskulpturen, die nun an den Schlossfassaden für uns, seine Kolleginnen und Kollegen, immer mit seinem Namen verbunden sein werden…

Die am meisten faszinierende Fähigkeit von Bertold Just bestand darin, mit dem Architekten, mit Kunsthistorikern und mit den beteiligten Handwerkern und Steinmetzen aber genauso mit den Maurern und Arbeitern auf der Baustelle immer freundlich direkt und nie mit lauten Worten mit seinem eigenen ,handwerklichen Verstand’ und profundem kunsthistorischen Hintergrundwissen stets überzeugend vermitteln zu können.

Das wird uns allen am meisten fehlen, das Wesen, die Menschlichkeit und Freundlichkeit dieses Meisters seines Fachs. Das wird auch immer unersetzlich bleiben. Er hat unsere Herzen berührt. Sein Werk wird in der Zukunft die Herzen vieler Menschen berühren. Sein Mitwirken an der Wiedererschaffung des barocken Schlosses wird ewig mit seinem Namen verbunden bleiben.“

Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Eine Übersicht über den Umfang und die Vielfalt der Natursteinarbeiten gibt eine Dokumentation aus dem Jahr 2014.

(27.11.2018)