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Schottergärten sind die „Versteinerung“ der Grünfläche zu einem Geröllfeld

Manche bezeichnen Schottergärten spöttisch als „Versteinerung der Grünfläche“. Foto: Bbirke / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Vor allem in der Schweiz scheint die Mode um sich zu greifen, Vorgärten angeblich pflegeleicht umzugestalten

Fachzeitschriften für Gartenbau vor allen aus der Schweiz diskutieren das Thema seit einiger Zeit: es scheint eine neue Mode bei der Gestaltung vor allem von Vorgärten zu geben, und die ist, die Flächen mit Steinen komplett zu belegen. „Schotter statt Grün“ ist ein treffendes Schlagwort für solche Ideen.

Gelegentlich ist spöttisch von „Versteinerung“ einer vorherigen Grünfläche die Rede.

Über die Ästhetik solch eines Geröllfeldes im Vorgarten kann man streiten.

Das entscheidende Kriterium seitens der Hausbesitzer für solch eine Fläche scheint der angeblich geringe Pflegeaufwand zu sein. Gartenarbeit wird hier nicht als entspannende Freizeitbeschäftigung verstanden, sondern als lästige Pflicht.

In manchen Fällen sind es auch alte Menschen, die Schottergärten anlegen, weil sie die Flächen rund ums Haus nicht mehr pflegen können.

Von Friedhöfen kennt man Gestaltungen mit Kieselsteinen schon lange.

Auf Friedhöfen findet man Kiesflächen schon häufig.

Dabei ist der angeblich geringe Pflegeaufwand ein Irrtum, und vermutlich wird sich aus diesem Grund hier auch kein neuer Markt für die Steinbranche auftun. Mehr dazu weiter unten.

Klären wir erst ein paar Details. Denn solch ein Schottergarten ist nicht mit einem Stein- oder gar mit einem japanischen Zen-Garten zu vergleichen.

Charakteristisch für einen Schottergarten ist, dass die Steinschicht nach unten abgedichtet ist. Auf den Untergrund ist ein Vlies aufgelegt, so dass keine Schösslinge nach oben wachsen und auch keine Feuchtigkeit von unten aufsteigen kann. Die Steinschicht über dem Vlies ist also trocken wie eine Wüste und besteht – zumindest zunächst – aus nichts als der lockeren Schüttung an Kieseln.

Gelegentlich werden Öffnungen in das Vlies geschnitten, damit Bäume oder Büsche in solch einem Kiesbett stehen können.

Ein Steingarten - ein natürlicher, wenn auch sehr trockener Lebensraum.

Ein Steingarten hingegen ist ein natürlicher Lebensraum, in dem der Untergrund atmen kann. Es handelt sich einfach um einen trockenen Lebensraum, an den bestimmte Tier und Pflanzen sich angepasst haben. Wie jeder Garten braucht auch ein Steingarten Pflege, sonst breitet sich schnell Unkraut aus oder nehmen einzelne Pflanzen überhand.

Im Barock war es üblich, die Parks mit Grün und farbigen Steinen zu gestalten.

Der Zen-Garten ist eine besondere Art von Spielwiese für den Menschen. Hier gibt es (wie beim Schottergarten) eine dicke Kiesschicht, aber deren Pflege ist das ein und alles der ganzen Sache. Denn das Ziehen von Linien durch die Steine wird als Meditation verstanden.

Zen-Garten: Gartenpflege als Meditation.

Im Barock war Kies ein beliebtes Material der Gartengestaltung. Damals war es Mode, mit oft farbigen Steinen Wege einzurahmen oder einzelne Flächen zu bedecken.

Was nun den bei einem Schottergarten angeblich geringen Pflegeaufwand betrifft, so handelt es sich um einen großen Irrtum. Denn schon nach einer Saison hat der Wind Staub und Laub in die Fläche eingetragen, so dass sich dort alsbald wieder Humus bildet und sich wilde Pflanzen ansiedeln.

Einen ungepflegten Schottergarten erobert die Natur alsbald wieder zurück. Foto: Bbirke / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Damit ist das saubere und gepflegte Erscheinungsbild des Steingartens weg. Die Kiesel mit einem Druckreiniger zu säubern ist leichter gesagt als getan.

Unklar ist, ob eine Abdichtung des Bodens mit einem Vlies dem Untergrund schadet. Klar ist, dass solch ein Terrain keinen Lebensraum bietet, weder für Pflanzen noch für Tiere.

Auch dem Mikroklima rund ums Haus dient ein Schottergarten nicht. Denn die Steine heizen sich in der Sommerhitze auf.

Einen Extremfall zeigt ein Blog aus der Schweiz.

In Wahlstedt unweit von Lübeck hat sich sogar schon eine Freie Wählergemeinschaft des Themas aus ihrem Blickwinkel angenommen.

Autor: Marcelo de Oliveira

(05.12.2018)