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34. Bildungswoche der österreichischen Steinmetze: „Darwin in Stein“ und ein Zipfelbobrennen mit „Schnapsale“

Zipfelbobrennen bei der Bildungswoche 2019.Zipfelbobrennen bei der Bildungswoche 2019.

Neuerdings gibt es nur noch am Vormittag hochkarätige Vorträge, damit am Nachmittag Zeit für Gaudi bleibt

Die diesjährige 34. Bildungswoche der österreichischen Steinmetze (14.-18. Jänner 2019) fand mit einer neuen Programmstruktur statt: Vorträge und Lernen gab es nur an den Vormittagen, die Nachmittage (und traditionell auch die Abende oder späteren Abende) waren dem Gaudi gewidmet.

So gab es ein Zipfelbobrennen, bei dem recht tückische Aufgaben zu bewältigen waren: am Hackstock war zunächst ein Schnaps („Schnapsale“) zu nehmen, dann war der Zipfelbob zu besteigen (das ist die moderne Form einer Kohlenschaufel), nach kurzer Fahr am steilen Hang war ein Hindernis mitten auf der Piste zu umschiffen, im weiteren Verlauf ging es wieder bergauf, es waren Schnäpse zu nehmen (wie ist die Mehrzahl zu „Schnapsale“?) und schlussendlich, wieder am Start angekommen, galt es, einen Nagel in den Hackstock zu kloppen. Oder so.

Trotz dieses hoch angesetzten Leistungsniveaus hatten die Teilnehmer keine ernsthaften Problem mit den Aufgaben, wie wir aus den wie üblich gut unterrichteten Kreisen erfuhren. Hingegen fiel das geplante Skirennen der Steinmetze als Höhepunkt der Leistungsschau wegen Kälte und Nebel aus.

Worauf wir natürlich gleich und mit einer gewissen Häme bei Anna Singer vom Steinzentrum Hallein nachfragten, ob die österreichischen Steinmetze und –innen von heute vielleicht Softies wären, dass sie sich von solchem Wetter ins Warme vertreiben ließen. Anna Singer, die die Bildungswoche jedes Jahr organisiert, stellte sich unseren Vermutungen mit Nachdruck entgegen: „Das sind alles harte Burschen.“

Zipfelbobrennen bei der Bildungswoche 2019: die Überlebenden.

Nun denn. Neben einer Kutschfahrt vom Hotel Gartnerkofel am Nassfeld ins nahe Italien und der Verleihung der Putzmatze, einer Ehrung für Verdienste und auch für Knorkiges aus der Steinmetzwelt, gab es Vorträge zu den drängenden Belangen der Branche.

Herbert Fahrenkrog vom Beratungsservice Magna Naturstein beantwortete die Frage, wie die Steinmetze sich besser am Markt aufstellen könnten. Er führte den Anwesenden zahlreiche Details vor, die zu einem professionellen Firmenauftritt gehören: „Wohlfühlambiente“ statt „Rumpelbude“, „Eyecatcher“, „Freundlichkeitsdirektive“ und „optische Trennung von Grabmal und Bau (Wer möchte schon bei der Badplanung auf Grabsteine schauen?)“ und vieles mehr.

Diesmal brach er nicht die Leitsätze des chinesischen Philosophen Konfuzius auf die Welt der Steinmetze herunter („Konfuzius sprach: …“) sondern die der Evolutionsbiologie: „Darwin in Stein“ lautete der Titel des Vortrags, in dem es um das Überleben der Betriebe und des Berufs ging.

Chancen für die Steinmetze sah Fahrenkrog auch in einer stärkeren handwerklichen Profilierung. Dazu gehören seiner Ansicht nach eine Hinwendung zu Bad und Küche und genauso auch für den Grabmalbereich die Suche nach neuen Produkten: als Beispiele nannte er Stelen für mehrere Verstorbene oder Totenmasken, die man mit dem 3D-Scanner anfertigen könnte.

Ähnliches Querdenken praktizierte Dr. Arnold Reinthalter, Künstler und Steinmetzmeister, in seinem Vortrag „Der Blick über den Tellerrand: von anderen lernen“.

Weitere Vorträge waren:
* „QUO VADIS im Lehrberuf Steinmetz“, Bernhard Hasenöhrl, Bundeslehrlingswart;
* „BEFÄHIGUNGSPRÜFUNG für das reglementierte Gewerbe Steinmetzmeister“, Erich Schwab, Prüfungskommission Salzburg;
* „Ein neuer BDA-Leitfaden ,Schlämmen in Restaurierung und Denkmalpflege’, Johann Nimmrichter, Bundesdenkmalamt;
* „Große Kaskade Schloss Hof: Die Vollendung des Puzzles“, Dipl.-Rest. Susanne Beseler, Plan-B Konzepte für Restaurierung.

Sponsoren waren:
Ardex, Bostik, Fickert+Winterling, Fila, Gemba, Mapei, Poschacher, Ramsauer, Sopro, StM, Tyrolith, Weha.

Steinzentrum Hallein

Fotos: Steinzentrum

(05.02.2019)