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Plovdiv (Bulgarien) und Matera (Italien) sind die Kulturhauptstädte Europas im Jahr 2019

Römisches Stadion, Plovdiv. Foto: Adam Jones / <a href="http://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Wie üblich hat die Redaktion von Stone-Ideas.com nachgeschaut, was beide in Sachen Naturstein zu bieten haben

Fangen wir mit Plovdiv an, denn es ist die weniger bekannte der beiden Kulturhauptstädte. Sie ist die zweitgrößte Stadt Bulgariens und liegt, salopp gesagt, auf halber Strecke zwischen dem Balkan und Istanbul. Folglich sind hier alle durchgezogen, die in Asien Beute machen wollten, und umgekehrt auch die, die mit demselben Ziel nach Europa kamen. Die Thraker, Griechen, Römer, Türken usw herrschten hier und hinterließen in Plovdiv markante Steinbauten, etwa das Stadion oder das Theater aus römischer Zeit.

Viel ist davon nicht übrig geblieben, auch nicht von einer in römischer Zeit weltbewegenden steinernen Errungenschaft: die Stadt lag an der Militärstraße Via Militaris, die ehemals die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen Ost und West war und die mit ihrer festen Pflasterung sowohl dem Handel als auch den Truppen ganz neue Möglichkeiten eröffnete.

Die Ebene mit Plovdiv mittendrin ist nicht groß, und wenn man die Stadt verlässt, kommt man schon nach kurzer Strecke ins Rhodopen-Gebirge. Dort kann man durch tiefe Canyons wandern, Höhlen besuchen oder auffällige Felsformationen bestaunen. Wir erwähnen nur 2 und verlinken auf entsprechende Seiten: die Wunderbaren Brücken und die Steinernen Pilze.

Sehenswert ist auch die antike Stadt Perperikon, etwa 100 km von Plovdiv entfernt. Sie ist teils aus Stein gemauert und teils in den Fels gegraben.

Plovdiv

Felsformationen (1, 2)
 

I Sassi, Matera. Foto: Böhnisch / <a href="http://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>Materas Keimzelle sind Höhlen, die in die Schlucht des Flusses Gravina hineingegraben worden waren. Die Stadt liegt in der Region Basilicata, im südlichsten Teil Italiens, dem armen Mezzogiorno. Sie wurde 1993 in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen, denn die alte Höhlensiedlung hat die Menschheitsgeschichte seit vielen tausend Jahren ununterbrochen begleitet, wenn auch nie eine Epoche geprägt.

Die Besiedlung der Felsen begann schon in der Altsteinzeit, als die Menschen sich im weichen Tuffstein im Canyon des Flusses ihre rund 3000 Höhlen gruben. Immer mehr wurden die Felswände durchlöchert, manche der Höhlen reichen bis zu 15 m tief in den Berg.

Vom Mittelalter an wurden vor die Felswand kleine Häuschen aus lokalem Stein gebaut, immer aufsteigend am Hang. So entstand das heutige Bild eines verwinkelten Bergdorfes mit zahlreichen kleinen Kirchen, wo die Wege meist Treppen sind und man sich ausschließlich zwischen Mauern und Felsen bewegt. Sasso Barisano und Sasso Caveoso heißen die beiden Stadtvierteil, zusammen I Sassi, übersetzt schlicht: die Steine.

Das klingt putzig und ist romantisch, war allerdings in der 1. Hälfte des letzten Jahrhundert das pure Elend. Carlo Levi verglich in seinem Roman „Christus kam nur bis Eboli“ die Situation mit Dantes Inferno.

I Sassi galten damals als Symbol für die Unterentwicklung im Mezzogiorno, und so verpflanzte die Regierung in den 1950ern die Bewohner in ein Neubaugebiet, das Matera zusätzlich zu seiner barocken Altstadt bekommen hatte.

Rund 30 Jahre lang waren die Sassi eingezäunt und dem Verfall preisgegeben, und insofern stimmt die Behauptung von oben nicht ganz, dass Matera (neben Jericho) eine der ältesten Städte mit ununterbrochener Besiedlung sei.

In den 1980ern aber entdeckten die Menschen die Sassi neu. Die Siedlung wurde modernisiert und an moderne Standards angepasst, ohne das historische Bild zu zerstören oder eine Kulissenarchitektur zu installieren. Hilfreich war dabei der Status als Kulturerbe.

Der größte Teil der Sassi gehört dem italienischen Staat und ist an die Kommune nur vermietet. Eine spezielle Behörde vor Ort namens „Uffizio Sassi“ managt das Leben dort und überwacht den Tourismus.

Übrigens: Matera setzte sich bei der Bewerbung als Kulturhauptstadt gegen berühmte italienische Bewerber wie Siena, Ravenna oder Perugia durch.

Comune di Matera (italienisch)

Europäische Kulturhauptstadt

Jedes Jahr seit 1985 vergibt die Europäische Union den Titel Kulturhauptstadt an eine oder 2 Städte aus verschiedenen Ländern. Ziel ist, den Reichtum und die Vielfalt des Lebens in den Mitgliedsstaaten und gleichzeitig auch deren Gemeinsamkeiten der Öffentlichkeit bewusst zu machen.

Das Auswahlverfahren ist langwierig, denn die Städte müssen ein detailliertes Konzept vorlegen und es nach der Auswahl auch umsetzen.

Die nächsten Kulturhauptstädte sind:
2020 – Rijeka (Kroatien) und Galway (Irland)
2021 – Timișoara (Rumänien), Elefsina (Griechenland) und Novi Sad (Beitrittskandidat Serbien)
2022 – Kaunas (Litauen) und Esch (Luxemburg)
2023 – Veszprém (Ungarn) (empfohlen)

Creative Europa

(26.03.2019)