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Die 28 Marmorstufen der Heiligen Teppe in Rom werden vom 11. April 2019 an für 40 Tage ohne Holzabdeckung zu begehen sein

Die Heilige Treppe, 2014 (mit außergewöhnlich wenig Gläubigen). Foto: Antoine Taveneaux / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Sie sollen aus dem Palast von Pontius Pilatus in Jerusalem stammen / Neuinterpretation: Jesus vor dem Statthalter

In den heiligen Stätten vieler Religionen spielen Steine eine zentrale Rolle, zum Beispiel in der Kaaba in Mekka. Im Katholizismus geht es am 11. April und ein paar Wochen danach um einen besonderen Ort mit Marmor im Mittelpunkt: die Heilige Treppe (Scala Santa) in Rom wird dann für die Öffentlichkeit ganz ohne die übliche Abdeckung offen stehen. Die Stufen waren während der vergangenen 300 Jahre mit Holz abgedekt gewesen, nachdem kniende und betende Pilger über Jahrhunderte den Stein stark beschädigt hatten.

Nach der Überlieferung hatte die Mutter von Kaiser Konstantin, die Heilige Helena, die 28 Stufen nach Rom gebracht. Es soll sich um diejenige Treppe handeln, die Jesus beschritten hatte, als er von Pilatus der jüdischen Menge präsentiert und danach zur Kreuzigung geschickt wurde. So gibt es der Catholic News Service (CNS) wieder.

Seit Papst Pius V ein Sanctorum hatte hatte errichten lassen, war die Heilige Treppe zu einem wichtigen Ziel für Pilgerreisen geworden.

Bereits im Jahr 1723 „hatten Millionen von Menschen die Treppe auf ihren Knien erklommen und dabei unabsichtlich Vertiefungen und Rillen im weichen Stein verursacht“, wie der CNS berichtet.

Die hölzerne Abdeckung der Heiligen Treppe, 2010. Foto: Mazaki / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Darauf waren über den Marmorstufen Holzbretter angebracht worden. Diese mussten im Verlauf der Jahrhunderte schon mehrfach ausgetauscht werden, zuletzt während des vergangenen Jahres, als die Heilige Stätte für Gläubige geschlossen blieb.

In einer Zeremonie am 11. April soll Sie nun „für mindestens 40 Tage“ wieder offen sein, dies ohne Abdeckung mit Holz, wie der CNS meldet.

Crux / Catholic News Service

Catholic News Service
 

Jesus vor Pilatus

Wenn man die historischen Fakten betrachtet, ist der Prozess Jesus vor Pilatus eine widersprüchliche Geschichte. Belegt ist nämlich, dass Pontius Pilatus ein erfahrener Statthalter war und dass er die Interessen Roms auch mit Härte durchzusetzen wusste. Im Neuen Testament aber wird er als unentschlossen dargestellt, und es heißt, die jüdischen Hohepriester hätten ihn im Fall Jesus vor sich hergetrieben. Eine Quelle für den Antisemitismus liegt in dieser Szene.

Professor Klaus Rosen, ehemals Althistoriker an der Universität Bonn, hat eine interessante Interpretation zu dem Fall vorgelegt:

Wie es auch im Alten Rom Rechtspraxis war, gibt Pilatus Jesus die Gelegenheit, sich zu verteidigen. „Bist Du der König der Juden?“ fragt er.

Jesus’ Antwort lautet nach den Evangelisten Matthäus und Lukas: „Du sagst es.“

Das scheint ein „Ja“ zu sein. Wenn man aber die Betonung in dem Satz leicht verschiebt – „DU sagst es“ – ändert sich die Situation grundlegend: das nämlich wäre eine ausweichende Antwort des Angeklagten, die Pilatus nur als Missachtung des Gerichts und des Kaisers in Rom verstehen konte.

Seine Reaktion ist, wie sie zu sein hat: er will Jesus Manieren beibringen und schickt ihn zur Folter.

Dann kommt Jesus zurück. Pilatus zeigt sich geduldig und stellt dieselbe Frage nochmal.

Jesus gibt dieselbe Antwort.

Pilatus unterzieht ihn wieder der Folter, und stellt anschließend die Frage noch einmal. Und Jesus?

Der schweigt nun.

Damit hat sich die Situation juristisch dramatisch verändert: nun geht es um Majestätsbeleidigung und darauf steht im römischen Strafrecht die Todesstrafe. Pilatus zögert deshalb keinen Moment und schickt Jesus zur Kreuzigung.

Klaus Rosen liefert folgende Interpretation: Jesus hat Pilatus und das römische Recht benutzt, um die Messias-Vorhersagen zu erfüllen. Die Juden spielten in der Szenerie keine Rolle – Jesus brachte sich selber ans Kreuz.

(Quelle: „Macht und Recht. Große Prozesse in der Geschichte“. Alexander Demand (Hg). Becksche Reihe, 1976, vergriffen)

(28.03.2019)