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Auf der Xiamen Stone Fair zeigte sich, dass Kommunikation mit dem Verbraucher für Teile der Steinbranche unbekanntes Terrain ist

Die Unterzeichnung der Deklaration.

Thema einer Pressekonferenz war die angebliche Freisetzung von Radongas und Radioaktivität aus Marmor

Die immer wieder behauptete angebliche Freisetzung von giftigem Radongas und von Radioaktivität aus Naturstein ist auch bei den Verbrauchern in China ein Thema. Deshalb veranstalteten der Verband China Stone Material Association (CSMA) zusammen mit der Messe auf der Xiamen Stone Fair 2019 eine Pressekonferenz, wo Aufklärung betrieben werden sollte.

Vor 10 Jahren hatte es in den USA große Aufregung um dieselben falschen Behauptungen gegeben. Dort war es jedoch um Granit gegangen, vor allem um Küchenarbeitsplatten aus diesem Naturstein; in China sind seit etlichen Jahren Giftstoffe aus Marmor das Thema.

Es gibt Leute, die sagen, dass die Hersteller konkurrierender Materialien solche Kampagnen gegen Naturstein steuerten.

Der chinesische Verband hatte schon 2013 ein Weißbuch zum Thema herausgebracht. Darin waren Messergebnisse aufgeführt worden, die beide Behauptungen als falsch herausstellten.

Dennoch ging das Thema seitdem in der chinesischen Presse und in den Social Media weiter.

Insofern war es richtig, auf der Messe neben den nationalen Fachleuten auch die versammelte internationale Kompetenz Stellung beziehen zu lassen.

Jedoch ging die Veranstaltung gründlich schief.

Der Kern des Misserfolgs war, dass Teile der Natursteinbranche keine Erfahrung damit haben, wie man mit dem Endverbraucher kommuniziert.

„Weißbuch für Marmor“, 2013.

Das Desaster begann mit dem ersten Fachreferat von Professor Zhu Li, einem Radiologen der Tsinghua University. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand ein Streit um Messmethoden – Professor Zhu beklagte sich darüber, dass Kollegen seine Messergebnisse zur Unbedenklichkeit nicht akzeptieren wollten.

Damit war Verwirrung in die Veranstaltung eingekehrt.

Der nächste Redner, Jim Hieb vom US-amerikanischen Natural Stone Institute (NSI), konnte nur noch auf verlorenem Posten antreten. Der erfahrene Verbands-Chef kam zwar schnell und mit großer Entschiedenheit zur zentralen Aussage „Naturstein ist ungefährlich“, jedoch blieb das Durcheinander bestehen, das der Vorgänger in den Köpfen angerichtet hatte.

Noch schlimmer wurde das Desaster mit dem Auftritt von Ali Şayakcı, Präsident der World Natural Stone Association (Wonasa). Er wählte Ironie als Argumentationsstrategie, erwähnte die problemlose Verwendung des Materials seit vielen tausend Jahren und zog als Höhepunkt eine Banane aus der Tasche: auch bei dem Obst könne man Radioaktivität messen, spottete er.

Einen schlimmeren Fehler in der B2C-(Business to Consumer) Kommunikation kann man nicht machen. Denn auch falls die Befürchtungen der Verbraucher zu kritisieren sind, muss man ernsthaft damit umgehen.

Im letzten Vortrag ging Zhou Junxing, auf leitender Position unter anderem beim Nationalen Komitee für Naturstein-Standards, noch einmal auf die Messergebnisse staatlicher Stellen ein. So hatte das Wohnungsbauministerium schon im Jahr 2001 Marmor als unbedenklich eingestuft.

Jedoch kommen bekanntlich solche Gerüchte, wenn sie erst einmal in der Welt sind, immer wieder hervor.

Eingangs hatte deshalb Deng Huiqing vom Verband CSMA betont, dass „unsere Arbeit weitergehen“ wird und dass „wir alle Kräfte mobilisieren werden, um dem Marmor Gerechtigkeit zu tun“.

In diesem Sinne kam es am Ende der Pressekonferenz zur Unterzeichnung und Verabschiedung einer Deklaration, dies auf Einladun von Qi Zigang, Vizepräsident und Generalsekrretär des Verbands CSMA. Darin heißt es, dass die Branche weltweit sich verpflichtet, gegen „unseriösen Wettbewerb“ vorzugehen.

Nach der Pressekonferenz gab Dr. Hans-Dieter Hensel von Hensel Geosciences, Australien detaillierte wissenschaftliche Informationen, warum die Anschuldigen falsch sind.

Natural Stone Institute (NSI): Granite, Radon, Radiation and Other Myths

(08.04.2019)