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Die Nationalbank von Oman zeigt statt der Macht des Geldes die Landschaft des Sultanats

LOM architecture and design: die Nationalbank von Oman.

Die Architekten von LOM gestalteten die Außenfassade mit Kalkstein in der Form geologischer Schichtungen und das Atrium wie eine der Schluchten im Land

Die Gebäude der Nationalbanken (oder Börsen) huldigen nicht nur dem jeweils aktuellen Zeitgeschmack zu ihrer Bauzeit, etwa indem sie etwa ihre Fassaden mit antiken Portalen dekorieren, sondern sie wollen auch die Stärke einer Währung und die Macht des Geldes demonstrieren. Gleichzeitig geben sie sich verschlossen wie Tresore.

Ganz anders hat das britische Architekturbüro LOM den Neubau der National Bank des Sultanats Oman gestaltet: außen sind die Bezüge auf die steinige Landschaft rund um die Hauptstadt Muskat unübersehbar, das Innere beherrscht ein weites Atrium wie ein Wadi.

Natürlich gelten auch hier die für solche Gebäude üblichen strengen Sicherheitsmaßnahmen, gerade in heutigen Zeiten mit Terrorattacken.

Kalkstein prägt die Fassade, er kommt aus Brüchen unweit der Stadt Suhar im Oman. Jedoch ist er nicht, wie bei Bankgebäuden des 20. Jahrhunderts üblich, bloß an eine Fassade mit viel Glas angehängt, sondern spiegelt die Landschaft, wie man sie von den Fenstern des Gebäudes aus in der Ferne sieht.

LOM architecture and design: die Nationalbank von Oman.

Rohe Steinblöcke prägen die unteren Geschosse des Bauwerks. Nach oben kommen Elemente mit glatten Oberflächen hinzu, bis schließlich ganz oben Steinplatten die Gestaltung übernehmen.

Man kann darin durchaus eines jener Dörfer im Gebirge unweit der Hauptstadt erkennen, die sich mit ihren schmucklosen und einfarbigen Außenwänden eng an die Hänge anschmiegen. Im Oman können die Temperaturen im Sommer durchaus zwischen 40 und 50 Grad erreichen, und da duckt sich alles und zieht vor lauter Hitze den Kopf ein.

LOM architecture and design: die Nationalbank von Oman.

Die oberen Geschosse erinnern an Festungen im Land wie Nizwa, Nakhal und Bahla, schreibt die Zeitung Times Of Oman.

Zwischen den Kalksteinelementen sind die Fenster zurückgesetzt. Das lässt die Fassade wie aus geologischen Schichtungen (Strata) zusammengesetzt erscheinen und schützt zudem die Innenräume vor Sonneneinfall.

Die Blocklagen an der Außenwand sind nicht nur Dekoration. Sie tragen die Bepflanzung auf den höheren Geschossen. Die soll im Lauf der Zeit über die Brüstung herunterhängen: „Das Gebäude wird sich entwickeln und zu einem Teil der Stadtlandschaft werden, so wie sich Muskat entwickelt“, heißt es auf der Webpage der Architekten.

LOM architecture and design: die Nationalbank von Oman.

Das Atrium im Inneren ist nach der Art der spektakulären Schluchten des Sultanats gestaltet. Wasser ist mit zahlreichen Brunnen ein zentrales Thema hier, und was an der Außenfasssade die Anklänge an geologische Schichtungen waren, sind hier Bezüge zu den Bewässerungssystemen namens Falaj (Faladsch): in den Brüstungen der Etagen kann man durchaus die offenen Kanäle wiedererkennen, mit denen im Oman Landwirtschaft betrieben wird und die einmalig in der arabischen Welt sind.

LOM architecture and design: die Nationalbank von Oman.LOM architecture and design: die Nationalbank von Oman.

Das Gebäude hat im Kern eine Betonstruktur mit 100.000 t. Diese und besondere Geschossdecken zur Anbindung der Fassaden an den Kern sollen Sicherheit vor Erdbeben bieten. Oman liegt in einer Zone tektonischer Aktivität. In den beiden Untergeschossen gibt es eine Stromversorgung mit 7.000 kW.

LOM architecture and design: die Nationalbank von Oman.

Die Nationalbank liegt in unmittelbarer Nähe des Palasts des Sultans und der Großen Moschee der Hauptstadt.

LOM architecture and design

Ausführende Architekten Delivery architects: Ibrahim Jaidah Architects and Engineers

Burohappold Engineering

Fotos: Edmund Summer

LOM architecture and design: die Nationalbank von Oman.

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(29.04.2019)