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Fränkischer Muschelkalk als Verkleidung im neuen Eingang des Berliner Pergamonmuseums

Der Innenraum des Tempietto in einer Simulation: fränkischer Muschelkalk als Verkleidung. Rendering: ART + COMDer im Rohbau fertiggestellte Tempietto dient künftig als zentral gelegener Zugang zum Pergamonmuseum. Foto: BBR / Peter Thieme

Für den Bauabschnitt A wurde Anfang Mai 2019 Richtfest gefeiert / Bauvorhaben auf höchstem planerischen und technischem Niveau

Beim Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel wurde Anfang Mai 2019 eine wichtige Etappe genommen: der Bauabschnitt A erlebte sein Richtfest. Es handelt sich um das größte und komplizierteste Teilstück der Modernisierung und Ergänzung dieses Gebäudes mit den weltberühmten Ausstellungsstücken wie dem griechischen Pergamonaltar, dem Markttor von Milet, der Prozessionsstraße und dem Ischtartor aus Babylon oder der Mschatta-Fassade aus der jordanischen Wüstenresidenz des 8. Jahrhunderts.

Im Rohbau fertiggestellt ist der neue Eingang, als Tempietto (kleiner Tempel) bezeichnet: es ist eine offene Stahl-Glas-Konstruktion, deren tragendes Gerüst später mit Natursteinplatten aus fränkischem Muschelkalk verkleidet wird.

Naturstein wird auch im so genannten 4. Flügel zum Einsatz kommen, wie Professor Jan Kleihues vom ausführenden Architekturbüro Kleihues + Kleihues bei einem Presserundgang über die Baustelle sagte.

Dieser neue Flügel wird die Front der Gebäude zur Spree hin abschließen und damit erstmals das ursprüngliche Konzept der Museumsmacher verwirklichen: die Architekten Alfred Messel und Ludwig Hoffman hatten zwischen 1910 und 1930 einen so genannten „architektonischen Rundgang“ durch alle Flügel des Pergamonmuseums geplant – Besucher sollten anhand der ausgestellten Tempel, Tore und Anlagen die frühe Architektur Europas und ihrer Vorläufer chronologisch erleben können.

Ziel der Modernisierung ist es, das denkmalgeschützte Gebäude auf den Stand eines modernen, internationalen Museums für große Besucherzahlen zu bringen. Dafür wurden zum Beispiel behindertengerechte Aufzüge eingebaut, deren Schächte in den dicken Wänden liegen. Ein anderes Thema ist die Versorgung der Ausstellungssäle mit Tageslicht, wofür mit den historischen Glasdecken ein erheblicher Aufwand getrieben wurde.

Notwendig war teilweise eine neue Gründung beziehungsweise eine Verstärkung der Gründung des gesamten Gebäudekomplexes. Insgesamt wurden 730 Mikropfähle in den problematischen Berliner Baugrund getrieben, aneinandergelegt würden sie eine Strecke von 14 km ergeben.

Eine unliebsame Überraschung bereiteten Reste von Anlagen vorheriger Baumaßnahmen, die im Untergrund auftauchten.

Behelfskonstruktion während der Baumaßnahme im Nordflügel. Foto: Peter Becker

Erschwert wurde das Ganze dadurch, dass zum einen die äußerst wertvollen Ausstellungsstücke nicht ausgelagert wurden und ein Teil des Museums auch während der Baumaßnahmen zu besichtigen bleibt. Beim Presserundgang wurde auf die Sensorik hingewiesen, die Setzungen und Erschütterungen misst: kommt es zu Veränderungen „im einstelligen Millimeterbereich“, werden die Arbeiten komplett gestoppt, heißt es in den Presseunterlagen.

Zu sehen war beim Presserundgang schon ein Teil der „Archäologischen Promenade“ als kommender Neuerung, die die gesamte Museumsinsel besucherfreundlicher machen soll: es wird ein zentraler Tunnel angelegt, der alle Gebäude vom Bode- zum Alten Museum miteinander verknüpft. Diese unterirdische Passage soll vom Besucher als eine Abfolge von Räumen erlebt werden, wo er, wenn er ein neues Museum erreicht, auf Tageslicht und auf einen Saal mit der speziellen Atmosphäre des Gebäudes obendrüber trifft.

Zentraler Zugang zur Archäologischen Promenade wird die neue James-Simon-Galerie sein.

Der Pergamonaltar ist während der Baumaßnahmen eingerüstet und wurde nur für den Presserundgang offengelegt. Foto: Peter Becker

Die Kosten für Bauabschnitt A sind mit 477 Millionen € veranschlagt. In diesem Rahmen bewege man sich, so Petra Wesseler, Präsidentin des zuständigen Bundeamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) beim Presserundgang. Die Fertigstellung von Abschnitt A ist für Mitte 2023 geplant („mit Risikovorsorge spätestens Frühjahr 2025“, laut Presseunterlagen).

Gerade wurde für den Abschnitt B die Planung begonnen, in dessen Rahmen auch der oben erwähnte 4. Flügel errichtet wird. Mit diesem neuen Flügel soll der alte Ehrenhof vor dem Pergamonmuseum als neuer Stadtplatz erlebbar und auch außerhalb der Öffnungszeiten zugänglich werden. Die Brücke über die Spree zum Pergamonmuseum bleibt als Zugang trotz der Archäologischen Promenade erhalten.

Schmankerl am Rande zur Verwendung von Naturstein: was man von der S-Bahn aus als Naturstein an den Fassaden erlebt, ist in Wirklichkeit vielfach ein Putz nach einem alten Rezept. Dem Originalmaterial täuschend ähnlich habe er im Lauf der Zeit sogar die für Naturstein typische Patina angesetzt, so Jan Kleihues.

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (1, 2)

(07.05.2019)