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Das Fort de la Conchée auf einem Inselchen vor Saint-Malo zeigt die Kunst der Festungsbauer und der Steinmetze

Das Fort de la Conchée.Das Fort de la Conchée.

Errichtet unter Ludwig XIV, wurde es im 2. Weltkrieg schwer beschädigt und ist inzwischen fast ganz wiederhergestellt

Wenn Sie, liebe Leser, mal mit der Fähre von den englischen Kanalhäfen Portsmouth oder Bournemouth nach Saint-Malo über den Ärmelkanal übersetzen, versäumen Sie nicht, kurz vor der Einfahrt in die Bucht der französischen Hafenstadt einen Blick nach links zu werfen. Da liegt nämlich ein kleines Inselchen, etwa 70 m lang, 25 m breit und es ragt bei Flut nur wenig über die Wellen. Zoomen Sie es mit dem Teleobjektiv heran, sofern das Wetter es erlaubt, und dann sehen Sie ein Schmuckstück unter Frankreichs Festungsbauten und ein Beispiel für die Kunst der Steinmetze und Maurer damaliger Zeiten.

Quincé heißt das Inselchen, und dort gibt es nichts als eben dieses Fort mit steilen Außenmauern, die aus dem Wasser herauszuwachsen schienen. Baumeister war der berühmte Sebastien Vauban und Auftraggeber war der Sonnenkönig Ludwig XIV.

Den militärischen Hintergrund der Festung versteht man von der Fähre aus leicht: wer von hier aus seine Kanonen in Richtung Ärmelkanal richten kann, darf sich sicher sein, dass nicht feindliche Kriegsschiffe in ausreichende Nähe kommen können, um in Gegenrichtung auf Frankreichs Küste zu zielen. Gründe dafür gab es damals reichlich: Saint-Malo war ein Piratennest im Auftrag des Königs und saß an strategischer Stelle, wo die Handelsschiffe von England oder den Niederlanden vorbeikommen mussten.

Baubeginn für das Fort war 1692, und dass Ludwigs Befürchtungen berechtigt waren, zeigte sich im Jahr 1695: da warf ein feindliches Geschwader Anker in der Bucht vor Saint-Malo und beschoss die noch im Entstehen begriffene Festung.

Jedoch erreichten die Angreifer nichts.

Das Fort de la Conchée.

Kein Wunder. Die glatten Mauern bestehen aus dicken Granitblöcken und ragen etliche Meter steil aus dem Wasser heraus. Sie sind so hoch, dass man vom Fort aus erhöhter Position wunderbar freie Schusslinie auf feindliche Schiffe hat.

Aufgrund des Wellengangs schafft man selbst bei Ebbe und wegen der Strömungen ein Anlegen kaum, und dann gibt es noch die Atlantikstürme. Mit denen machten auch Investoren im Jahr 1984 einschlägige Erfahrungen: denn nachdem amerikanische Bomber 1944 die Gebäude auf dem Fort zerstört hatten, wollte eine französische Familie 40 Jahre später den Wiederaufbau starten – jedoch waren nach einem heftigen Winterwetter die für diesen Zweck errichteten Anlagen oben auf dem Fort einfach spurlos wieder weg.

Das Fort de la Conchée.

1989 nahm die Compagnie du Fort de la Conchée das Unterfangen einer Rekonstruktion wieder auf und kaufte die Insel. Seitdem haben die Enthusiasten in einer bemerkenswerten Leistung die Festungsanlagen fast komplett wiederhergestellt und sind dabei auf manche Besonderheit aus der alten Kunst der Steinmetze und Maurer gestoßen.

Natürlich gab es einen andauernden Kampf mit haushohen Schwierigkeiten: die erste bestand darin, einen Anleger zu bauen, und als man das schließlich gemeistert hatte, musste man gleich noch das in den Fels geschnittene, historische Zugangsportal wieder mit einem Tor vergittern. Denn bei schönem Wetter waren schon früher gerne junge Leute zum Partymachen herübergekommen und hatten die alten Balken der Festung als Feuerholz genutzt; nun aber stellten sich auch Leute ein, die Interesse am Werkzeug hatten und die gerne auch ein paar der historischen Dekorsteine abstaubten.

Aber die Enthusiasten lernten schnell, nachdem die Bauarbeiten 1996 begonnen worden waren.

Ein Beispiel: notgedrungen mieteten sie einen Hubschrauber, damit der zentrale Balken von 900 kg Gewicht für das Dach von Logis 1 herangeschafft und an Ort und Stelle abgesetzt werden konnte – und am Ende hatten sie begriffen, dass der Helikopter für bestimmte Lasten die beste und sogar billigste Methode für Transport und Installation war.

Das Fort de la Conchée.

Von vielen kleinen Details könnte man ausführlicher berichten:

* das markante Ecktürmchen war von Granaten komplett weggerissen worden; den Nachbau besorgten Schüler des Lycée Technique de Quintin, wenn auch in einer etwa helleren Granitsorte als das Original;
* eine große Bresche gab es in der Außenwand, und die musste man zuerst schließen, um dann innen das Gebäude dahinter neu hochzuziehen – das Anbringen eines Gerüstes an der Außenwand allein schon war ein Kunststück und ebenso das Heranschaffen der teils mehr als 100 kg schweren Mauersteine;
* Teile der Terrassen waren ehemals speziell für die Aufstellung von Schnellfeuer-Kanonen ausgelegt worden; um neue Bodenplatten kam man herum, indem man die alten einfach teilte und neu verlegte;

Das Fort de la Conchée.Das Fort de la Conchée.

* ein besonderes Schmuckstück ist die Steinmetzarbeit über dem Eingangstor; sie stellt eine Allegorie auf die Armeen Ludwigs XIV dar; der Steinmetz Ianek Kocher hat sie aus dem Kalkstein Pierre de Caen ganz neu gearbeitet. Der Stein ist besonders widerstandsfähig gegen Meerwasser.

Das Fort de la Conchée.

Eine faszinierende Welt sind die Räume für die Kanonen unten im Bauch der Festung. Deren Mauerwerk wird auf der Homepage der Compagnie bewundert: „Jeder Stein in den Gewölben ist auf allen seinen Flächen unterschiedlich geschnitten“.

Das Fort de la Conchée.

In diesen Räumen hatte es schwere Schäden gegeben durch Wasser, das durch die Decken und die Wände eingedrungen war. Es sah aus „wie in einer Meereshöhle“ mit weißen Kalkablagerungen und Tropfstein, heißt es.

Die Ablagerungen beseitigte man mit leichtem Sandstrahlen.

Insgesamt gab es in diesen Innenräumen aber relativ wenig zu tun, und dazu heißt es auf der Webpage sinngemäß: „Die von Vauban entworfene Festung war ausgelegt, das Feuer der 200-Pfund-Mörser der damaligen Kriegsschiffe zu bewältigen, und sie hatte auch dem Beschuss der amerikanischen Kanonen von 1944 standgehalten“. Vor dem Bombardement der Alliierten war die Festung übrigens Übungsziel der deutschen Truppen gewesen.

80% der notwendigen Arbeiten seien inzwischen ausgeführt, teilte uns Bernadette Benoist von der Compagnie mit. Sie schätzt, dass noch circa 1,9 Millionen € benötigt werden. Die Compagnie hat inzwischen einen internationalen Spendenaufruf gestartet, um das Projekt zu vollenden.

Fort de la Conchée (französisch)

Spendenkonto

Die Wiederherstellung der Allegorie hat Ianek Kocher selbst in der Zeitschrift Pierre Actual beschrieben. Download für 12 € (französisch).

(10.05.2019)