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Vor 6000 Jahren fertigten Kunsthandwerker überall in Europa Accessoires für die Kleidung aus Perlmutt von Süßwassermuscheln

Vorzeitliche Kleidungsaccessoires („Doppelknöpfe“) aus Perlmutt von Süßwassermuscheln. Foto: Jérôme Thomas, Universität Burgund-Franche-Comté

Vermutlich wurden sogenannte Doppelknöpfe in das Leder von Armbändern oder Gürtel gequetscht

Perlmutt findet man in besonderen Arrangements bei Steinhändlern wie zum Beispiel in der „Shellstone“-Kollektion der italienischen Firma Antolini. Es besteht aus Aragonit, einer Form des Calciumkarbonats (CaCO3), und wird von Muscheln für die Innenwände ihrer Schalen oder als Überzug ihrer Perlen produziert. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass das Material schon vor 6000 Jahren für Schmuckelemente für die Kleidung verwendet wurde – und das in ganz Europa.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hatte solche prähistorischen Objekte aus dem heutigen Dänemark, Rumänien und Deutschland untersucht. Sie waren allesamt aus Perlmutt von Süßwassermuscheln gefertigt und sahen sich trotz der großen Abstände zwischen den Fundstätten verblüffend ähnlich.

Archäologische Hinweise lassen darauf schließen, dass sie als Doppelknöpfe zur Dekoration in das Leder von Armbändern oder Gürteln gequetscht waren.

Die Hauptautorin der Studie, Dr. Beatrice Demarchi von den Abteilungen für Archäologie der Universitäten York und Turin erklärte: „Solche Dekorationsstücke kennen wir von den Kulturen der Steinzeit und der Bronzezeit. Manche Gruppen lebten damals noch als Jäger und Sammler, aber im Süden waren sie schon zu Siedlern geworden und hatten ihren Lebensstil entsprechend angepasst.“

Sie folgert aus den Untersuchungen: „Die Tatsache, dass die Objekte sich so ähnlich sehen und dass sie aus demselben Material gefertigt wurden, legt die Vermutung nahe, dass es trotz der Entfernungen schon eine Kommunikation zwischen den Gruppen gab.“

Und weiter: „Es gab sicher einen Austausch an Wissen oder eine Tradition, wie man solche Stücke fertigte, und ein fortgeschrittenes Verständnis darüber, welche Materialien man am besten nutzte.“

Die Untersuchung wurde durch geführt von Forschern der Universitäten York, Turin, Ca’ Foscari (Italien), Burgund-Franche-Comté und Lille sowie Bradford (UK). Beteiligt waren außerdem das Moesgaard Museum (Dänemark), das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und das Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege.

Der Forschungsbericht mit dem Titel „,Palaeoshellomics’ reveals the use of freshwater mother-of-pearl in prehistory“ wurde im Magazin eLife veröffentlicht.

Antolini, „Shellstone“ collection
http://www.antolini.com/home/collection/shell-stone-collection/

(14.05.2019)