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„Trumps Strafzölle schaffen außergewöhnlich günstige Bedingungen für Brasiliens Exporte in die USA“

Carlos Rubens A. Alencar, Chef der Fortaleza Brazil Stone Fair.

Interview mit Carlos Rubens A. Alencar, dem Chef der Fortaleza Brazil Stone Fair

Die Wirtschaftsmaßnahmen von US-Präsident Donald Trump gegen Importe aus China betreffen nicht nur China und sein eigenes Land. Auch Brasilien wird die Folgen spüren, schließlich ist es der wichtigste Lieferant von Granit für die USA. Peter Becker von Stone-Ideas.com sprach mit Carlos Rubens A. Alencar, Chef der Fortaleza Brazil Stone Fair, die in der Hauptstadt des Bundesstaates Ceará zuhause ist.

Stone-Ideas.com: Inwieweit werden Trumps Wirtschaftsmaßnahmen gegen China auch Brasiliens Natursteinexporte betreffen?

Carlos Rubens: Ich sage es kurz: sie werden für Brasiliens Natursteinlieferungen in die USA außergewöhnlich günstige Bedingungen schaffen. Im Detail: erstens ist festzuhalten, dass Brasilien vor allem Platten nach China liefert – hier wird unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Zweitens: der US-Markt hat bisher im Ausland sehr viel Quarzkompositmaterialien eingekauft, dies vor allem in China, und unsere Hersteller werden auch hier von Trumps Maßnahmen profitieren. Drittens: Trumps Strafzölle gegen diese Kunststeine werden umgekehrt unsere natürlichen Quarzite besserstellen. Diese Natursteine sind ein Trend auf dem US-Markt, und die bekanntesten Sorten kommen wie Taj Mahal, Perla Venata, Perla Santana, Avohai oder Naica kommen aus Ceará.
 

Stone-Ideas.com: Aber hat Brasiliens Steinbranche genügend Kapazitäten, um eine eventuell steigende Nachfrage nach Halbfertigprodukten oder Endprodukten zu befriedigen?

Carlos Rubens: Unser Maschinenpark hat sich in den vergangenen 5 Jahren verdoppelt. Vor allem wurde in Maschinen mit Diamantseil investiert. Brasilien verfügt derzeit weltweit über den größten Park solcher Maschinen, und weil die Nachfrage seitens unseres heimischen Baumgeschehens niedrig ist, können wir jede Nachfrage ohne irgendwelche Mühe erfüllen.
 

Stone-Ideas.com: Aber würden, parallel zu einer Steigerung bei der Nachfrage nach Endprodukten, nicht umgekehrt auch die Lieferungen von Rohblöcken nach China zurückgehen?

Carlos Rubens: Sicher wird es einen Rückgang in diesem Bereich geben, aber der zu erwartende Anstieg bei Halbfertigprodukten und Endprodukten wird das kompensieren. Gegenwärtig macht der Export von Blöcken nach China 13% unserer gesamten Natursteinlieferungen nach dort aus.
 

Stone-Ideas.com: Schauen wir noch auf die Steinbranche weltweit und auf die Branche in Brasilien – welches sind die Felder, wo am dringendsten etwas getan werden muss?

Carlos Rubens: Der Schlüssel liegt in Mineralforschung. Künstliche Materialien, unsere stärksten Konkurrenten, bieten Materialien mit geringer Porosität, null Wasseraufnahme und hohem Widerstand gegen Abrieb. Giorgio Conti, der ehemalige Chef von Red Graniti, hat es mit ,Prima la materia’ (An erster Stelle steht das Material) auf den Punkt gebracht. Das heißt dass man nur mit Steinen, die die Nachfrage auch wirklich treffen, den Marktanteil erweitern kann. Brasilien hat eine enorme Fläche und viele Steinsorten und das ist günstig für Forschung in diesem Bereich.

Fortaleza Brazil Stone Fair (05.-07. November 2019)

Instituto Brasileiro de Rochas Ornamentais (IBRO) (portugiesisch)

(30.05.2019)