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Um mit Wolfsgruben die Tiere zu jagen, wurden ehemals Schächte in die Erde gegraben und mit Steinwänden ausgemauert

Die Wolfsgrube bei Gaimberg in Südtirol wurde von dem Verein Die Bichlböllerer erneuert und gesichert.

Bei Gaimberg in Osttirol und in Bayern sind Fangstellen wiederhergestellt und können besucht werden / Bachelorarbeit zum Thema

Naturstein spielte im Leben früher in vielen Situationen eine Rolle, angefangen vom Bauen mit dem Material bis hin zu angewärmten Steinen, die die Menschen im Winter gerne mit ins Bett nahmen. Vielerorts spielte Stein sogar bei der Wolfsjagd eine Rolle.

Wir sind auf das Thema aufmerksam geworden durch eine restaurierte Wolfsgrube unweit der Ortschaft Gaimberg in Osttirol. Es handelt sich um einen senkrechten Schacht, der 3,20 m tief in den Boden gegraben ist und etwa 2 m Durchmesser hat. Er ist komplett mit Natursteinen ausgemauert – woraus man schließen kann, dass die Grube zum einen auf lange Haltbarkeit angelegt war und dass die Wolfsjagd einst so wichtig war, dass die Menschen dafür auch große Anstrengungen nicht scheuten.

Auch aus Deutschland sind solche Gruben bekannt. Die Archäologin Iris Nießen hat eine Bachelorarbeit dazu erstellt, in der eine Fülle an Details zusammengetragen sind. Anlass für die Arbeit war die Ausgrabung einer Wolfsgrube im Naturpark Steinwald im Landkreis Tirschenreuth. Die ersten Erwähnungen dieser Fangstelle stammen aus den Jahren 1497/98.

Deutschlandweit sind gut 70 solcher Gruben bekannt, heißt es in der Veröffentlichung. Jedoch kann man vermuten, dass es einst überall welche gab. Mancherorts erinnern Straßennamen noch daran.

Knochenarbeit war erst das Ausräumen und dann das Sichern der Wolfsgrube im Bergwald bei Gaimberg.

Je nach den Gegebenheiten vor Ort waren sie mit Stein ausgemauert, mit Brettern verschalt oder sogar in den steinernen Untergrund gehauen. Die Grube im Steinwald war um die 3 m tief in den Granit des Berges getrieben. Am oberen Rand war sie mit einer Trockenmauer umgrenzt, vielleicht, um mit einer Aufschüttung Höhe zu gewinnen, ohne weiter in die Tiefe gehen zu müssen.

Bei dieser Fangmethode wurde entweder ein lebendes oder ein totes Beutetier als Köder („Luder“) benutzt. Dieses wurde auf eine lose Abdeckung über der Grube draufgebunden, so dass der Wolf bei der Annäherung in die Tiefe stürzen würde.

Ausgetüftelt war der Fangmechanismus: manchmal lag die Abdeckung der Grube auf einem hohen Holzpfahl auf, der in ihrem Boden fest verankert war; manchmal klappte die Abdeckung wie ein Deckel auf; manchmal gab es gar eine Klingelverbindung zum Verantwortlichen für die Fangstelle. Iris Nießen schildert in ihrem Buch mit rund 100 Seiten zahlreiche ausgeklügelte Vorrichtungen.

Großer Aufwand wurde nicht nur für die Abdeckung betrieben. Um etwa den Gruben den Menschengeruch zu nehmen, wurden sie nach Fertigstellung gerne mit Schafsmist ausgeräuchert, oder man weidete eine Herde drumherum.

Die Grube im Steinwald war von der Herrschaft dort gebaut worden und wurde auch von ihr unterhalten. Es gab einen Verantwortlichen, der für das Funktionieren und alles drumherum zuständig war und dafür bezahlt wurde.

Knochenarbeit war erst das Ausräumen und dann das Sichern der Wolfsgrube im Bergwald bei Gaimberg.

„Auch wurden gelegentlich Prämien auf gefangene und getötete Wölfe ausgesetzt“, schreibt Iris Nießen. Nach der Taxordnung der Oberpfalz aus dem Jahr 1681 gab es für einen Wolf die stattliche Summe von 3 Gulden. Bemerkenswert ist, dass für einen Bären nur 2 Gulden bezahlt wurden, für einen Hirsch 1 Gulden und für eine Sau oder ein Reh 30 Kronen.

Auch das zeigt, welchen Stellenwert die Jagd auf die Wölfe hatte. Denn die Tiere waren Nahrungskonkurrenten des Menschen.

In früheren Zeiten war der „Wolf „meist als mächtiges und dem Menschen ebenbürtiges Tier respektiert“ worden, schreibt die Autorin. Bei den alten Ägyptern galt er als Gott des Totenreiches, bei den Mongolen als Stammvater und bei den Indianern gar als Bruder. In der altgermanischen Sage vom Fenriswolf bedroht das Tier selbst die Götter.

Als Isegrim im Reinecke Fuchs ist der Wolf ebenfalls kraftvoll und buchstäblich grimmig, aber gleichzeitig auch ungeschickt und wird vom Fuchs immer wieder ausgetrickst.

Im Märchen vom Rotkäppchen ist er nur böse, frisst erst die Großmutter, verschlingt anschließend auch noch das Kind, wird aber danach vom Jäger getötet und mit Steinen im Bauch im Fluss versenkt.

Seit in den letzten Jahren in Österreich oder Deutschland aufgrund der Schutzmaßnahmen die Wölfe wieder zurückgekehrt sind, gibt es ein Problem. Elektrozäune zum Schutz für frei weidende Herden sind sehr teuer, und wenn Wölfe sich etwa durch Fütterung oder Abfall an den Menschen gewöhnt haben, kommen sie ihm nahe.

Bisher lösten Landwirte und Jäger das Problem gerne nach der 3-S-Methode: schießen, schaufeln, schweigen – hatte man einen Wolf erlegt, verbuddelte man ihn und vergaß die Sache.

Die Wolfsgrube im Walderlebniszentrum Schernfeld. Foto: Paddy / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

In der Politik in Deutschland wird aktuell darum gestritten, ob man zumindest Wölfe, die schon Nutztiere gerissen haben, zum Abschuss freigeben soll und wie das zu organisieren wäre. Auch geht es um Entschädigungen für Tierhalter.

Auch in Österreich wird ein „Wolfsmanagement“ gefordert.

Zurück zum Steinwald: wie die Ausgrabungen ergeben haben, wurde die Wolfsgrube nach ihrer ersten Bestimmung umgenutzt und tat als Meiler für die Erzeugung von Holzkohle gute Dienste.

Seit dem Ende der Forschungen ist sie wieder mit Sand verfüllt, da der Granit in der Grubenwand durch den Wechsel von heiß und feucht bröselig geworden war.

Die Wolfsgrube in Osttirol unweit der Ortschaft Gaimberg wurde vom Verein „Die Bichlböllerer“ in privater Initiative gesichert und wieder hergestellt. Sie ist mit einem Schutzgitter versehen und kann besichtigt werden.

Im Walderlebniszentrum Schernfeld im Landkreis Eichstätt gibt es ebenfalls eine Wolfsgrube.

Wolfsgrube Gaimberg

Bichlböllerer, Gaimberg

„Die Wolfsgrube im Naturpark Steigerwald. Archäologie – Jagdgeschichte – Waldnutzung“, Iris Nießen, Sonderausgabe 1/2012 der Archäologischen Reihe „Wir im Steinwald“, Verlag der Buchhandlung Eckhard Bodner, 92690 Pressath, ISBN 978-3-939247-24-1.

Walderlebniszentrum Schernfeld

Fotos: Konrad Klaunzer

(07.06.2019)