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Thema Lehrlingsgewinnung: „den jungen Leuten den Spirit des Steinmetzberufs vermitteln“

Alfred Paschek, Referent für Berufsbildung beim bbw.
Für den Beruf sollte eine Marke mit einer Markenbotschaft kreiert werden, meint Alfred Paschek, Bildungsreferent beim bbw

Lehrlinge ins Handwerk zu holen, ist eine der großen Herausforderungen für alle Berufe. Über Möglichkeiten, die ein Steinmetzbetrieb hier hat, sprach Peter Becker von Stone-Ideas.com mit Alfred Paschek, Referent für Berufsbildung beim bbw.
 

Stone-Ideas.com. Andere Berufe, etwa solche aus der Industrie, haben eine größere Strahlkraft als die aus dem Handwerk. Was kann ein Steinmetzbetrieb dagegen tun?

Alfred Paschek: Es geht darum, ein klares Bild des Berufs zu vermitteln, seine Vorzüge herauszustellen und reizvolle Identifikationsangebote zu machen. Wenn Sie es in der Werbe- und Marketingsprache sagen wollen, dann geht es darum, eine „Marke“ zuu schaffen. Bei der Ausbildung zum Steinmetz könnte beispielweise der gestalterische Aspekt gezielt hervorgehoben werden. Wir wissen, dass viele Jugendliche sich sehr für solche Berufe interessieren. Und Gestaltung gehört sowohl beim Steinbildhauer als auch beim Steinmetz dazu.
Im weiteren Gespräch führt Paschek den Gedanken aus: im Grabmalbereich gebe es zum Beispiel individuelle Kundenwünsche, verbunden mit dem Wunsch nach Beratung bei der Gestaltung des Grabsteins. Über solche Angebote sollte man nicht nur die Kunden, sondern auch die Jugendlichen informieren.
Ein weiteres Kennzeichen der „Marke Steinmetz“ ist laut Paschek das praktische Arbeiten. „Es gibt viele junge Leute, die mit der Theorie an den Hochschulen nichts anzufangen wissen, die anpacken wollen.“ Die sollte man gezielt ansprechen.

 

Stone-Ideas.com: Aber ist das Handwerk nicht chancenlos, was die Verdienste angeht?

Alfred Paschek: Leider sind die Azubi-Gehälter bei den Steinmetzen nicht anziehend für junge Leute.
Aber neben dem Verdienst gebe es ja auch noch andere Aspekte, die zur Arbeit gehören.
 

Alfred Paschek: Ich habe ja selbst mal eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht und in dem Beruf gearbeitet: da ist man eher ein Rädchen im System. Im Handwerk hingegen geht es darum, eine Aufgabe von Anfang bis Ende zu erledigen. Und da in einem kleinen Betrieb vergleichsweise wenige Leute arbeiten, ist die Zusammenarbeit viel enger.
Im Handwerk ist der Meister die zentrale Figur im Betrieb, sagt Paschek: der Meister hat entscheidenden Einfluss auf die Betriebskultur, und auch damit kann sich das Handwerk profilieren. „Der Meister hat die Möglichkeit, Wertschätzung und gegenseitigen Respekt zu vermitteln. Für die Atmosphäre in einem Betrieb und die Zufriedenheit der Belegschaft sind das sehr wichtige Dinge, die über das reine Geldverdienen hinausgehen.“ Der Meister als Mentor, sozusagen, der die Jugendlichen auch in Entscheidungen einbindet.
 

Stone-Ideas.com: Aber in der Realität muss das Handwerk doch derzeit eher diejenigen Jugendlichen nehmen, die übrig bleiben.

Alfred Paschek: Ja, das macht die Sache nochmal schwieriger, denn ein Betrieb kann kein Sozialarbeiter sein. Gerade aber wird die Umsetzungshilfe zur neuen Ausbildungsordnung erarbeitet, die in Kürze fertig ist. Sie gibt den Betrieben Hilfestellung auch in pädagogischen Fragen.
Die Ausbildung sieht Paschek dabei mehr als nur das Lernen von Handgriffen und Formeln. Denn schließlich würden hier keine Maschinen programmiert, sondern Persönlichkeiten herangebildet, von denen man in Zukunft etwas erwarte. Das Konzept des Meisters als zentrale Figur im Betrieb bietet hier Möglichkeiten.
 

Stone-Ideas.com: Das heißt auch, dass Sie die berufliche Bildung aufgewertet sehen wollen.

Alfred Paschek: Ganz klar, das ist eine große Aufgabe, die nicht allein von der Politik erwartet werden kann. Zwar ist hier in den vergangenen Jahren schon viel passiert, etwa dass man mit dem Meistertitel an einer Fachhochschule studieren darf. Aber es geht um das Image eines Berufs wie des Steinmetzen. Das ist sehr wichtig auch für die Ausbildung, weil wir wissen, dass Eltern und Freunde indirekt dabei mitreden, welche Entscheidung ein Jugendlicher trifft.
Wer freie Lehrstellen anbietet, sollte folglich auch die Eltern als Zielgruppe im Blick haben. Die Lehrlinge, die man schon im Betrieb hat, kann man als „Botschafter“ einsetzen, etwa indem sie in einem Blog aus der Lehre berichten. Auch hier kann man gegenseitige Wertschätzung und Respekt praktizieren.
 

Stone-Ideas.com: Apropos soziales Umfeld – wissen Eltern und junge Leute überhaupt, was der Steinmetz macht?

Alfred Paschek: Da sprechen Sie ein zentrales Problem vieler Handwerksberufe an. Informieren ist hier ganz wichtig, daran sollte sich auch der Betrieb beteiligen.
Paschek zählt auf die Schnelle ein paar mögliche Aktionen auf: unbedingt sollte ein Betrieb die Informationsvideos über den Beruf auf seiner Homepage einbetten oder zumindest verlinken; auch Sponsoring kann eine tolle Sache sein: wer zum Beispiel einen Kindergarten oder einen lokalen Verein unterstützt, bringt sich auch bei den Eltern ins Gespräch; Auftritte in der Öffentlichkeit etwa auf Handwerkermärkten sind ebenfalls wirkungsvoll, kosten jedoch immer ein Wochenende.
Und schließlich fügt er noch einen Aspekt hinzu:
 

Alfred Paschek: Ganz wichtig ist auch die Grundstimmung, in der eine Branche sich befindet. Auch hier hat der Meister als Fels in der Brandung eine besondere Rolle. Es geht um positives Denken und um ein ausgeglichenes Selbstwertgefühl.

(07.06.2019)